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Architekturkritik

Holzwürfel im Siedlungsteppich

Von Tobias Hagleitner   28. Mai 2016 00:04 Uhr

Holzwürfel im Siedlungsteppich
Einfachheit macht sich gut inmitten der rundum üblichen Formenvielfalt.

TRAUN. Kubisch, flächig und komplett aus Holz. Ein einfaches Prinzip, das nur bei konsequenter Planung und sorgsamer Umsetzung Schönheit entfaltet.

"Es ist alles sehr normal im Prinzip", sagt Christa Lepschi mit fröhlicher Selbstverständlichkeit, während sie durch das Haus führt. Die Architektin ist seit Langem begeistert von der Holzbauweise. Dass Reduktion, Sachlichkeit und viel Holz "normal" seien, diese in Oberösterreich eher ungewöhnliche Sichtweise hat sie sich in Vorarlberg angeeignet.

Mehr als fünf Jahre lang arbeitete sie mit Kollegen im holzverliebten Westen. Neben der Architektur galt ihr Interesse vor allem gemeinschaftlichen Planungsmethoden, die sie im Rahmen von Baugruppenprojekten vor Ort erprobte.

Für das Grundstück einer Familie in Traun hätte sich die Architektin sehr gut eine Reihenhausanlage vorstellen können, um das locker bebaute Areal in vorbildlicher Kompaktheit umzunutzen. Das kam so zwar nicht, dennoch ist das im Vorjahr fertiggestellte Haus in Traun ein Beispiel für Nachverdichtung im Bestand. Das Grundstück von 500 Quadratmetern wurde vom Garten des Elternhauses abgelöst - mehr als genug Platz für die nächste Generation, um sich darauf samt Nachwuchs wohnlich einzurichten.

Durchdachter Würfel

Das Grundriss-Quadrat kommt mit elf mal elf Metern Fläche aus, wobei einen großen Teil davon die Terrasse einnimmt. Durch den über das Eck gezogenen Fassadenschirm im ersten Stock bekommt dieser Außenraum die Intimität eines Innenhofs und ermöglicht damit in der warmen Jahreszeit eine echte Erweiterung des Wohnbereichs hinaus ins Freie. Die Fenster der Funktionsräume wie Bad oder Küche erhielten ebenfalls einen fixen Vorhang aus Fassadenbrettern.

Das verstärkt nach außen die präzis kubische Wirkung des silbergrau gestrichenen Holzwürfels, nach innen dienen die Lamellen als Sicht- und Sonnenschutz.

Das Arrangement der einzelnen Räume, die sich so logisch und scheinbar simpel aneinander ordnen, folgt detaillierten Überlegungen zum alltäglichen Gebrauch des Gebäudes, auch im Wandel der Zeit. Es gibt großzügige Wohnzonen, die den sehr offenen und hellen Kern des Hauses bilden, daneben Rückzugsmöglichkeiten für Groß und Klein. Für die spätere Montage eines Aufzugs wurde genauso vorgesorgt wie für Trennelemente, wenn mit Heranwachsen der Kinder mehr Intimität gewünscht ist.

 

Daten und Fakten

Architektur: Christa Lepschi, Linz
Fachplanung:
Holzbaustatik: Hans Pühringer, ph-plus, Pfarrkirchen;
Energieausweis: Reinhard Schild, mpt-schild, Linz;
HKLS: Aigner, Neuhofen;
Elektro: Erwin Müller, Traun;
Nutzfläche: 166 m²
Bauweise: Holzbauweise Massivholztafeln;
Fenster: Holz-Alu;
Böden: Parkett Eiche, Fliesen

Ausführung:
Baumeister: Brunner Bau;
Holzbau: Aichinger Bau;
Flachdach: Horst Mayr;
Parkett: Holz Stadler;
Fliesen: Manfred Drack;
Fenster: Josko;
Beleuchtung: Nopp;
Bau-und Möbeltischler: Reichhart;
Naturstein: Stonebox;
Gartenbau: Ökoplant;

 

Architektur als Gemeinschaftsleistung

Die Architekturtage 2016 fragen nach Werten und Haltungen der zeitgenössischen Architektur. In Oberösterreich steht das Gemeinsame am Planen und Bauen im Mittelpunkt. Am 3. und 4. Juni werden in ganz Österreich wieder die Architekturtage stattfinden.

Organisiert von den Architekturhäusern – hierzulande vom afo architekturforum oberösterreich – wird in mehr als 500 Veranstaltungen vermittelt, was Architektur für die Gestaltung unserer Umgebung leistet. Die Kuratorin in Oberösterreich, Margit Greinöcker, hebt die Wichtigkeit der Zusammenarbeit für gelungenes Planen und Bauen hervor: "Um ein gutes Bauwerk, einen gelungenen Platz oder eine interessante Gemeinde zu schaffen, braucht es aktive Beteiligung und Kooperation vieler verschiedener Personen."

Weniger Egoismus sei deshalb gefragt, mehr Austausch und Gespräch erforderlich. Dazu sollen die Architekturtage Gelegenheit bieten. Diskussionsrunden, Ausstellungen und Führungen gibt es im Zentralraum wie in den Regionen.

Wenn es um bessere Zusammenarbeit geht, geht es auch um mehr Bedeutung für die Frauen. Eine Ausstellung im afo zeigt deshalb Arbeiten österreichischer Architektinnen und Ingenieurkonsulentinnen zum Thema "Planen und Bauen in historischer Umgebung".

Organisiert wird die Schau inklusive Kaffeenachmittag von ZIMT, ein feines Kürzel für "Ziviltechnikerinnen Mitte", dem engagierten Frauenflügel der Ziviltechniker-Kammer für Oberösterreich und Salzburg. Mehr zum Programm im Internet: www.architekturtage.at.

 

 

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