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Ein starkes Doppel

Von Christian Börgen, 01. September 2013, 00:04 Uhr
Eine starkes Doppel
Nürnberg Bild: privat

Die ungleichen Schwesterstädte Nürnberg und Fürth bilden einen gemeinsamen Kulturraum - von Christkindlmarkt bis zum koscheren Gummibären, aber beim Fußball sind die Frankenstädte Rivalen.

Nicht nur der 1. FC Nürnberg und die Spielvereinigung Greuther Fürth sind Lokalrivalen, sondern auch deren Mutterstädte. Gäste spüren die historisch gewachsene, aber freundliche Rivalität der fränkischen Schwestern.

Ganz im Zeichen seiner Kaiserburg über der instand gesetzten Altstadt steht das bald 1000 Jahre alte Nürnberg. Die Festung wurde ab 1140 gebaut, denn die mittelalterlichen Kaiser hielten jeweils ihren ersten Reichstag in jener Stadt ab, die auch ihre Reichsinsignien verwahrte. Die Burg prägt das Panorama und bietet die beste Aussicht auf Erker-geschmückte Fassaden, Sandsteinhäuser mit Spitzdächern und verwinkelte Gassen.

Fasziniert beobachten Touristen täglich um zwölf Uhr auf Nürnbergs Hauptmarkt das Männlein-Laufen. Das spielt sich an der Fassade der Frauenkirche ab, wo sich neben der Uhr ein Tor öffnet und mit Glockengeläut ein Herold erscheint. Ihm folgen Posaunenbläser, Flötenpfeifer und ein Trommler. Dann haben die Kurfürsten ihren Auftritt vor dem Kaiser, verneigen sich, bevor die Prozession nach Glockenschlägen von zwei Männern in Türkentracht im Inneren der Uhr verschwindet.

Zur Zeit Albrecht Dürers im 15./16. Jahrhundert blühte Nürnberg auf. Das Fachwerk-Wohnhaus des Malers ist renoviert und kann besichtigt werden. Das gilt auch für das Germanische Nationalmuseum, wo Dürers Werke ausgestellt sind. Die Sammlung rund um das spätmittelalterliche Karthäuserkloster umfasst 1,3 Millionen Objekte. Vom steinzeitlichen Faustkeil über Jugendstil-Möbel bis zu Spielzeug reicht das Spektrum des Nationalmusems, vor dessen Tür der Israeli Dani Karavan die Straße der Menschenrechte gebaut hat.

Zwei Bodenplatten, ein Baum für das Recht der Natur und 27 Säulen stehen für die 30 Artikel der Erklärung der Menschenrechte und zeigen, wie weit sich das weltoffene Nürnberg von jener Stadt entfernt hat, in der die Nationalsozialisten ihre Reichsparteitage abhielten.

Probieren sollten Besucher ein Schäufele. So heißt die ofenfrische Schweineschulter im Nürnberger Traditionslokal Böhm’s Herrenkeller. Derart gestärkt lohnt ein Besuch des Museums der Deutschen Bahn. Dort geht es auf Zeitreise zurück zu noblen Warteräumen und Bahnsteigkanten, bis hin zum nachgebauten Adler, Deutschlands erster Eisenbahn.

Auf den Spuren des Adlers rollt der Zug in die Schwesterstadt Fürth. Der Rathausturm bietet eine phänomenale Aussicht auf die Stadt mit dem Kleeblatt-Wappen. Das Verwaltungsgebäude von 1850 ist dem Palazzo Vecchio in Florenz nachempfunden. Ungewöhnlich ist das Glockenspiel im 52 Meter hohen Turm, wo täglich um 12:04 Uhr „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin erklingt.

Als 1499 die Juden aus Nürnberg vertrieben wurden, nahmen die Fürther sie gegen Schutzgeld-Zahlung auf. Schon damals waren die Schwesterstädte Rivalen. Per Reglement von 1719 wurden jüdische den christlichen Kaufleuten gleichgestellt. Die Fürther Toleranz fand 1933 im Naziterror ein jähes Ende. Mit der Inschrift „Fremde kamen und haben den Tempel zerstört“ erinnert die ewige Flamme eines japanischen Künstlers an ermordete Mitbürger.

Das Denkmal kombiniert einen siebenarmigen Leuchter mit ebenso vielen Samenkapseln. Eine davon ist im Jüdischen Museum Franken, gegenüber dem Fürther Rathaus aufgegangen. Erinnert wird dort auch dem in Fürth geborenen US-Ex-Außenminister Henry Kissinger. Anschaulich vermitteln ein Raum und eine Führung, was koscher ist, etwa Fisch mit Flossen und Schuppen, oder spezielle Gummibärchen.

Eine Stiftung, die sogar Nürnberger nach Fürth zieht, geht auf den jüdischen Bleistift-Fabrikanten Heinrich Berolzheimer zurück: Die Comodie, Bayerns erfolgreichstes Privattheater, glänzt mit jährlich 300 Vorstellungen.

Zweiter Anlass für Fürth-Besuche von Nürnbergern ist die Michaeliskirchweih Ende September/Anfang Oktober. Dann pilgern 1,5 Millionen Gäste zum Volksfest, das um 700 Jäahre älter ist als jenes in München.

Weitere Informationen: Tourismus-Zentrale Nürnberg, tourismus.nuernberg.de. Tourist-Info Fürth, fuerth.de.

 

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Nürnberg und Fürth

Nürnberg und Fürth

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Frankenderby

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gründeten sich die Fußballvereine 1. FC Nürnberg (1900) und SpVgg Fürth (1903), schnell entwickelte sich eine Rivalität, die besonders brisant wurde, da beide Mannschaften lange Zeit zu den besten Klubs Deutschlands gehörten.

Spiele zwischen ihnen werden als Frankenderby bezeichnet. Bislang fanden 256 Derbys statt: 137-mal gewann Nürnberg, 71-mal die Fürther, 46-mal endete das Spiel unentschieden. Zwei weitere Spiele wurden abgebrochen.

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