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Reisen

Beim Grafen von Monte Christo

Von Christian Boergen   27. Februar 2016 00:04 Uhr

Beim Graf von Monte Christo
Besucher tauchen im Château d‘If in die Welt von Wahrheit und Dichtung ein.

Der Bootsausflug vom Alten Hafen in Marseille zum Château d’If ist eine Reise in die Vergangenheit. Alexandre Dumas’ Romanheld wird dort lebendig.

Viele haben den Weltbestseller "Der Graf von Monte Christo" von Alexandre Dumas gelesen oder eine der mehr als 20 Filmversionen gesehen: Dantès erwacht auf einer Insel vor Marseille zum Leben. Dort saß der junge Seemann 14 Jahre lang unschuldig in Kerkerhaft, bevor ihm die Flucht gelang. Mit einem unermesslichen Schatz ausgestattet, startete er als Graf von Monte Christo seinen Rachefeldzug.

Heute trägt die von Marseilles Vieux Port zum Château d’If verkehrende Fähre seinen Namen. Im Alten Hafen geht es vorbei an den Ständen der Fischhändler, vorbei am historischen Rathaus von 1670, in dem heute der Bürgermeister von Frankreichs zweitgrößter Stadt mit engen Mitarbeitern residiert. Es folgt das liebevoll restaurierte Fort Saint-Jean, das "Sonnenkönig" Louis XIV. 1660 in Auftrag gab.

Nach einer kurzweiligen Dreiviertelstunde auf dem offenen Meer ragt der Leuchtturm hoch über die 1591 bis 1598 von den Florentinern angelegte Ringmauer des Château d’If. Frankreichs König Franz I. ließ ab 1529 die Festung auf der gleichnamigen Frioulinsel zum Schutz des Handelshafens Marseille anlegen.

Da beim Bau tote Winkel vermieden wurden, geben sich die Befestigungen jeweils Flankenschutz. Das war so abschreckend, dass die Festung nicht mehr angegriffen und bald als Gefängnis genutzt wurde. Hohe Mauern und tückische Strömungen machten den Inhaftierten eine Flucht von der Insel praktisch unmöglich. Dieser Eindruck verstärkt sich nach dem Passieren des Florentiner Tores in der äußeren Ringmauer: Der eigentliche Kerker mit drei Wachtürmen steht, umgeben von freiem Gelände, auf einer Anhöhe im Zentrum der Insel. Hinein ging es über eine Zugbrücke, die mit Fallgitter und Wehrerker gesichert war. Kein Wunder, dass sich Edmond Dantès zu Tode hungern wollte, nachdem ihn Gérard de Villefort dort ohne Gerichtsverhandlung einkerkern ließ.

Der Weg zur Zelle des späteren Grafen von Monte Christo führt vorbei am von Regenwasser gespeisten Brunnen. Seine Zelle im ehemaligen Pulverturm verbindet ein Tunnel mit der winzigen Eckkammer seines Lehrmeisters Abbé Faria. Im Roman endet ein Fluchtversuch Farias in Dantès Zelle. Nachdem er ihn unterrichtet und einen Schlaganfall erleidet, verrät er Edmond ein Geheimnis. Es handelt sich um das Versteck eines Schatzes, der auf der unbewohnten Insel Montechristo vergraben ist.

Wahrheit und Fiktion

Wahre und erfundene Geschichten ranken sich um die Zellen auf Château d’If. Als erster bekannter Gefangener wurde 1582 der Chevalier Anselme wegen Verschwörung gegen das Königshaus inhaftiert und später erdrosselt. Seine Kaminzelle ist eine sogenannte "Pistole", die wohlhabenden Insassen Komfort und bessere Überlebenschancen gegen Zahlung der gleichnamigen Münze pro Tag bot.

Dass der Mann mit der eisernen Maske 1669 bis 1703 auf Château d’If gesessen haben soll, ist wohl ebenfalls Dumas’ Fantasie entsprungen. Der Romanautor widmete dem Zwillingsbruder von Ludwig XIV. den dritten Band seiner "Drei Musketiere". Belegt ist lediglich, dass der geheimnisvolle Gefangene seine Maske bis zum Tod 1703 tragen musste.

Unendlich viel mehr lässt sich auf Château d’If entdecken, bevor die Edmond Dantès in den Hafen von Marseille zurückkehrt.

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