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Barfuß über den See

Von Gerhard Merk, 05. März 2016, 00:04 Uhr
Barfuß über den See
Der Iseosee in Norditalien ist das nächste Projekt des Verpackungskünstlers Christo. Eine Hommage an seine verstorbene Frau. Bild: srt Volz

Floating Piers im Iseosee: Verhüller Christo lässt im Sommer Besucher über das Wasser wandeln.

Er verlangt keinen Cent Eintritt, empfiehlt aber eins: Bitte barfuß! Nur auf bloßen Sohlen, sagt Christo, hole man sich diese "sexy Erfahrung", wenn man auf dem Wasser geht. Drei Kilometer schaukelnde Stege wird er bis zum Sommer über den Iseosee legen. Zwei davon enden direkt vor der Villa des Waffenfabrikanten Beretta.

"The Floating Piers" (18. Juni bis 3. Juli 2016) nennt der Künstler sein jüngstes Art-in-Nature-Projekt. Die Installation ist eine Hommage an seine 2009 verstorbene Frau Jeanne-Claude. Beide waren vor über 80 Jahren an demselben Tag geboren worden. Sie in Marokko, er in Bulgarien. Sie verliebten sich, als der junge Hungerkünstler ihre Mutter porträtierte.

Gemeinsam haben die beiden den Berliner Reichstag und die Pariser Pont-Neuf in Folie gepackt. Als Team legten sie einen laufenden Zaun ("Running Fence") durch die Hügel Kaliforniens. Allein vier Millionen Besucher flanierten beglückt durch ihre rosa "The Gates" in New Yorks Central Park. Und jetzt also dieser See im hintersten Norditalien: Eiszeitliche Gletscher haben sein Bett aus den Bergamasker Alpen gehobelt. Zwischen steilen Ufern liegt die riesige Schildkröte des Monte Isola auf dem Wasser, eine von Europas höchsten Binneninseln.

Christo gleich verzaubert

Christo war sofort bezaubert von den "wunderschönen Dörfern, Kirchen, römische Ruinen". Im Geist legte er eine Trasse vom Festland zum "Inselberg" und weiter zum Mini-Eiland San Paolo – wo er überraschend auf offene Türen stieß. Waffenfabrikanten suchen ja nicht eben das Spotlight, aber Inselherr Ugo Gusalli Beretta erlaubte gleich zwei Schaukelstege zu seinem "Hideaway" und lässt den Mauerring des früheren Klosters sogar auf Tuchfühlung umrunden. Derzeit setzen Taucher 140 tonnenschwere Anker für die Pontonstege. Aus 200.000 Polyäthylen-Würfeln werden jeweils hundert Meter lange Segmente montiert und in einem stillen Seewinkel zwischengeparkt. Ihre Tragfähigkeit und Stabilität bei Wellengang waren zuvor im Schwarzen Meer getestet worden. Spezialisten tüfteln gerade an einem Programm, das 16 Tage lang die Besucher zu neu geschaffenen Parkplätzen lotsen wird.

Im Sommer werden dann drei Kilometer safrangelbe Stege den Uferort Sulzano mit der hoch aufragenden Insel Monte Isola und dem idyllischen Winzling San Paolo vernetzen. 16 Meter breit sind die schimmernden Flanierwege. Bezogen mit lichtfestem Nylon der Grevener Firma Setex.

Man wandelt direkt auf den Wellen, Christo verspricht Schmetterlinge im Bauch: "Es ist wie auf einem Wasserbett, ein Boot fährt vorbei und du spürst es kommen." Zehn Millionen Euro lässt sich Christo das Kunstwerk kosten. Der Künstler mit Atelier in New York verweigert sich Sponsoren und öffentlichen Zuschüssen, beschäftigt Helfer nur gegen Lohn. Seine Projekte finanziert er ausschließlich aus dem Verkauf seiner Zeichnungen und Entwürfe.

"Ich möchte frei sein."

"Ich möchte frei sein." Die großzügigen Offerte des Künstlers haben die Politiker zwischen Brescia und Bergamo beflügelt. In nur einem Jahr war das Projekt durchgewinkt (beim Berliner Reichstag hatte es mehr als zwei Jahrzehnte gedauert).

Die sonst stille Franciacorta an der Autobahn von Mailand (100 km östlich) nach Venedig (200 km westlich) sieht sich im Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Selbst die eigenen Landsleute südwärts vom Po hatten diesen Genießerwinkel mit seinen Käsealmen und köstlichen Fischmenüs bisher hauptsächlich über seinen elitären Spumante wahrgenommen. Jenen Schaumwein mit Champagner-Ambition, der den Prosecco aus dem benachbarten Veneto das Prickeln lehrt. In urigen Kellern wie in adeligen Palazzi rüsten sich lombardische Winzer mit stilvollen Verkostungen für den Ansturm der Kunstfreunde aus aller Welt. Da ist zum Beispiel das Weingut "Lo Sparviere", zu Deutsch der Falke. Es gehört den Berettas, die schon mehr als 500 Jahre im Waffengeschäft sind. Sie können auch anders und lassen zu Christos Premiere Sektkorken knallen.

Weitere Informationen: The Floating Piers vom 18. Juni bis 3. Juli 2016, Details unter www.thefloatingpiers.com sowie www.christojeanneclaude.net.

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2  Kommentare
2  Kommentare
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Gugelbua (31.920 Kommentare)
am 06.03.2016 08:33

dieser esoterische Quatsch hat doch eine gewisse Faszination auf Menschen grinsen

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observer (22.207 Kommentare)
am 05.03.2016 11:12

Das wär doch was für den Haderer, der hat doch mal so eine Karikatur gemalt - eine geschmacklose in meinen Augen. Jetzt könnte er dort selbst über das Wasser wandern und sich dann so wie der damals Dargestellte fühlen ...

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