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Gesundheit

Alkohol ist ein schlechter Seelentröster

02. Dezember 2020 00:04 Uhr

Alkohol ist ein schlechter Seelentröster
Die Grenze zwischen Genuss und Sucht verläuft fließend.

Man kann abhängig werden, das Immunsystem wird geschwächt, und die Sturzgefahr steigt.

Sorgen, Existenzängste, verstärkter Arbeitsdruck, familiäre Belastungen, Einsamkeit – die Folgen der Corona-Pandemie bringen viele Menschen an ihre Grenzen. Der Griff zu Alkohol als "Seelentröster" scheint verlockend, ist aber gefährlich. Studien bestätigen, dass der Alkoholkonsum während der Corona-Pandemie zugenommen hat. "Es spricht auch nichts gegen ein Feierabend-Gläschen hier und da, aber werden daraus regelmäßig mehrere und wird es zur Gewohnheit, steigt die Gefahr für Abhängigkeit", sagt Maria Leibetseder, Klinische Psychologin im Klinikum Rohrbach. Außerdem schwäche Alkohol den Körper und erhöhe das Unfallrisiko. Speziell von älteren Menschen wird Alkohol schlechter vertragen. Die Konsequenzen können schwerwiegend sein.

Alles für den nächsten Schluck

Der Weg in die Abhängigkeit ist oft relativ kurz und die Grenze zwischen Genuss und Sucht verläuft fließend. "Der Körper gewöhnt sich an die Alkoholmenge, und es wird immer schwieriger, den Konsum zurückzufahren", erklärt Leibetseder. "Abhängigkeit bedeutet, dass die Betroffenen nicht mehr frei entscheiden können, ob sie trinken möchten oder nicht. Sie trinken immer weiter, auch wenn der Alkohol ihnen schadet. Es können Entzugssymptome wie Schwitzen, Frieren und Zittern bis hin zu Gliederschmerzen, Schlafstörungen oder Halluzinationen auftreten, wenn Betroffene versuchen, weniger oder keinen Alkohol mehr zu trinken." Häufig vernachlässigen Betroffene soziales Umfeld und Beruf. Dreht sich alles nur noch um den nächsten Schluck, rät die Expertin dringend, eine Ärztin, einen Arzt oder eine Beratungsstelle zu konsultieren.

Doch auch wenn keine Abhängigkeit besteht, rät die Psychologin davon ab, allzu häufig zu Alkohol zu greifen. Unter anderem schwächt übermäßiger Alkoholkonsum das Immunsystem, weil die Anzahl der weißen Blutkörperchen, der sogenannten Monozyten, gesenkt wird – diese braucht der menschliche Körper aber für eine gesunde Immunabwehr. Außerdem kann übermäßiger Alkoholkonsum Depressionen auslösen und bestehende Erkrankungen wie beispielsweise Osteoporose, Diabetes und Bluthochdruck verstärken sowie das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Je älter man wird, umso weniger Alkohol verträgt man auch. Der Körper verändert sich nicht nur äußerlich – auch die Leber arbeitet langsamer und der Stoffwechsel wird zunehmend träge, weshalb Alkohol nicht mehr so gut abgebaut werden kann. Dazu kommt, dass der Wassergehalt im Körper mit den Jahren sinkt und der Blutalkoholspiegel schneller steigt.

Schäden im Gehirn

"Vielleicht hat jemand früher drei oder vier Gläser Wein oder Sekt noch relativ gut vertragen, merkt aber mit zunehmendem Alter, dass dem nicht mehr so ist – dann sollte auch der Konsum entsprechend zurückgehen", sagt Maria Leibetseder. Zudem muss die Leber oft gleichzeitig Alkohol und Medikamente verarbeiten. Auch Organe wie Magen und Bauchspeicheldrüse können Schaden nehmen und Gehirnzellen können absterben, was unter Umständen zu Gedächtnisstörungen führt und sogar das Demenzrisiko erhöht.

Zusätzlich geht mit Alkoholkonsum eine erhöhte Sturzgefahr einher. Das ist nicht nur angesichts der Pandemie mit stark ausgelasteten Spitälern wesentlich. Vor allem bei älteren Personen kommt es oft zu Verletzungen.

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