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Gesundheit

Lust auf mehr Liebesleben

Von Claudia Riedler   17. Oktober 2018 00:04 Uhr

Lust auf mehr Liebesleben
Je befreiter der Zugang einer Frau zu ihrem Liebesleben, umso schöner auch für den Partner.

Sexualexpertin Gabriela Mann im Interview über die Anatomie der weiblichen Sexualität.

Über das weibliche Liebesleben wird nicht viel geredet, oft ist es wenig erfüllend. Warum das so ist, weiß Gabriela Mann. Die deutsche Sexualberaterin studierte in Los Angeles am Institute of Integrated Sexuality, wo Psychologie, Somatik und Neurowissenschaften verbunden werden. Bei einem Seminar in Linz erklärt sie, wie man das Wissen über die Anatomie in die Praxis für ein erfülltes Sexualleben umsetzen kann.

 

OÖN: Sie reden über die Anatomie weiblicher Sexualität. Um welche Körperregionen geht es?

Gabriela Mann: So absurd es klingen mag, vor allem ist es wichtig, dass wir über die Geschlechtsorgane Bescheid wissen. Zum Beispiel ist die Anatomie der Klitoris anders, als die meisten denken. Viele denken, sie ist nur das Köpfchen über den Schamlippen. Tatsächlich ist das aber nur das Tüpfelchen auf dem i. Darunter geht die Klitoris über in ein Stäbchen und dann in zwei Klammern, die sich um den Vaginaleingang legen und mit Schwellkörpern versehen sind. In diesem Sinne sind Klitoris und Penis identisch. Sie entwickeln sich auch aus den gleichen embryonalen Zellen. Wenn wir das wissen, können wir aktiv daran arbeiten, die Lustnerven der gesamten Klitoris zu stimulieren. Darüber hinaus spielt die Sensibilisierung der Nerven in Brüsten, Po und Haut eine Rolle, wenn es um die Lust geht.

Was verstehen Sie unter der weiblichen Ejakulation?

Fast dasselbe wie die männliche Ejakulation, nur dass kein Samen dabei ist. Um die Harnröhre herum liegt ein Schwellkörper. Wenn dieser besonders erregt und stimuliert wird, sammelt sich in den Drüsen eine Flüssigkeit an, das Ejakulat. Wenn eine sehr hohe Erregung besteht, entleert sich dieser Schwellkörper. Da er bei hoher Erregung anschwillt, drückt er von hinten auf die Blase. Darum haben viele Frauen beim Sex das Gefühl, dringend auf die Toilette zu müssen. Aus lauter Angst davor krampfen sie das Gesäß zusammen. Dadurch geht die Lust flöten und der Orgasmus bleibt aus. Darum ist es wichtig, tief zu atmen, die Erregung zu spüren und sich zu trauen, dem Lustgefühl nachzugeben.

Warum haben eigentlich so viele Frauen Probleme, einen Orgasmus zu bekommen?

Etwa 70 Prozent haben Orgasmusprobleme. Leider werden die meisten Frauen noch so erzogen, ihre Lust zu unterdrücken. Und das merkt sich das Stammhirn dann. Lust kann nur zum Orgasmus führen, wenn sie sich ausbreiten darf. Viele Frauen atmen zu flach und trauen sich nicht, ihre starke Erregung zu zeigen. Es liegt auch daran, dass Frauen mehr damit beschäftigt sind, dem anderen zu gefallen und es ihm recht zu machen, anstatt für eigene Bedürfnisse einzustehen.

Gibt es auch körperliche Ursachen?

Die meisten Frauen haben akute oder chronische Verkrampfungen im Vaginalbereich und empfinden dadurch eine gewisse Taubheit beim Geschlechtsverkehr.

Was kann man gegen diese Verkrampfungen tun?

Ich leite meine Klientinnen an, das Gewebe zu resensibilisieren und Lust im Beckenbodenbereich freizuschaufeln. Mit dem Jade-Ei, ähnlich dem Kegelball für das Beckenbodentraining, lässt sich die Verkrampfung lockern und die Muskelkraft trainieren.

Was prägt die Vorstellung der Frauen über ihre eigene Sexualität, ihren Körper, ihr Liebesleben?

Natürlich prägen die Medien Frauen und Männer und vermitteln das Bild, dass die weibliche Sexualität vor allem zur Befriedigung der männlichen Sexualität existiert. Dieses Bild haben Frauen seit ihrer Kindheit vermittelt bekommen. Danach handeln sie unbewusst.

Was ist Ihr wichtigster Rat für ein erfülltes Sexualleben?

Vagina einschalten, dann schaltet sich der Kopf automatisch aus. Das kann man lernen. Das Allerwichtigste ist aber tatsächlich, dass die Frau sich nicht um die Befriedigung des Gegenübers kümmert, sondern in ihre Empfindungen eintauchen kann. Ohne eigenen Genuss wird es keinen Orgasmus geben. Und der Witz ist, je befreiter der Zugang einer Frau zu ihrem Liebesleben ist, umso befriedigender ist es auch für das Gegenüber.

Wie verändert sich die weibliche Sexualität im Laufe der Jahre?

Was ich beobachte, hat vor allem etwas mit Gesellschaftsformen und nicht so viel mit Anatomie zu tun. Natürlich ist es so, dass in den Wechseljahren oft etwas Neues passiert, dass manche Frauen erst einmal das Gefühl haben, trockener zu sein. Was ich aber vor allem beobachte, ist, dass Frauen um die 30 herum damit anfangen, sich mit ihrer Sexualität auseinanderzusetzen. Sie denken: "Wow, so kann es ja nicht die nächsten 40 Jahre weitergehen. Ich möchte jetzt auch mal zum Orgasmus kommen." Anfang 20 sind sie oft noch sehr damit beschäftigt, ihr Liebesleben von ihrem Äußeren abhängig zu machen. Erst später scheint es ins Bewusstsein zu dringen, dass ein erfülltes Liebesleben wenig mit Aussehen zu tun hat.

Welche Botschaft haben Sie an die Männer?

Ein Mann, der sexuelle Befriedigung und Höhepunkte nur auf eine Art und Weise erreichen kann – durch starke Penetration der Vagina mit dem Penis –, lässt sich den besten Sex seines Lebens entgehen. Tatsächlich kann der Mann lernen, multiple Orgasmen zu haben. Wie wäre es mit einem Orgasmus, der länger als drei Sekunden andauern kann? Und das Beste daran ist, wenn ein Mann das gelernt hat, dann ist er für jede Frau ein traumhafter Liebhaber. Frauen fahren einfach darauf ab, wenn Geschlechtsverkehr sinnlich ist und länger als 20 Minuten anhält.

Workshops zum „Frauenerwachen“

In der „yogalounge“ in Linz steht das kommende Jahr unter dem Motto „Frauenerwachen“, mehrere Veranstaltungen beschäftigen sich mit Themen rund um die Weiblichkeit.

Es finden das ganze Jahr über Workshops statt. Darunter auch jener mit Gabriela Mann: Anatomie der weiblichen Sexualität, am 27./28. Oktober.

Nähere Infos und Anmeldung unter www.frauen-erwachen.net

 

 

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