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Jedem Abschied wohnt ein Zauber inne

Von Josef Lugmayr, 06. Jänner 2024, 17:04 Uhr
Jedem Abschied wohnt ein Zauber inne
Josef Lugmayr ist Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger der Diözese Linz. Bild: Diözese Linz/Appenzeller

Ja, der Titel irritiert – vor allem am Beginn eines neuen Jahres. Im berühmten Gedicht von Hermann Hesse lautet der oft zitierte Satz: "… jedem Anfang wohnt ein Zauber inne". Und doch geht es in seinen Versen immer auch um das Abschiednehmen, um das Zurücklassen des Alten.

Aber wer mag Abschiede wirklich? Vielfach sind sie mit Schmerz verbunden, das Loslassen mit einer gewissen Schwere, das Neubeginnen mit Unsicherheit und Angst. Wir müssen uns dabei oft mühevoll trennen von Liebgewordenem, müssen etwas Vertrautes zurücklassen und uns in eine ungewisse Zukunft begeben.

Viele Menschen erleben vor allem bei einem erzwungenen Neubeginn wenig Zauber, der reizt und zum Entdecken des Neuen motiviert. Wenn der Abschied noch schwer am Herzen liegt, ist der Blick nach vorne getrübt. Wenn etwa ein geliebter Mensch verstorben ist, steht zuerst der Trauerprozess an, der zu durchleben ist. Wenn eine langjährige Beziehung und Ehe getrennt wird, dann brechen vertraute Strukturen zusammen, der Lebenstraum von einer gemeinsamen Zukunft löst sich in Luft auf, alles muss neu geordnet werden, Verantwortlichkeiten müssen neu verteilt werden – das kostet Energie, macht oft traurig und müde. Wenn die Firma umstrukturiert wird, ich meinen Arbeitsplatz verliere und ganz neu beginnen muss, dann bindet das viele Kräfte. Vom Zauber des Neubeginns kann da noch lange nicht die Rede sein.

Unsere Existenz ist in der Regel durchzogen von solchen Brüchen, die den Lebensfluss stören und uns zum Innehalten zwingen. Die Erfahrungen des Abschiednehmen-Müssens sind manchmal hart. Sie brauchen Zeit zum Verarbeiten. Gleichzeitig fordern sie uns aber dazu heraus, uns mit dem Vergangenen auseinanderzusetzen. Und wir müssen für die Neuorientierung erst einmal auf die Suche gehen nach anderen Perspektiven.

Ich beobachte immer wieder mit Erstaunen, welche ungeahnten Kräfte (Resilienz) Menschen entwickeln, wenn sie große Belastungen ertragen müssen, wenn sie schwierige Übergänge gestalten und das Leben neu in die Hand nehmen müssen. Rückblickend wundern sie sich dann oft selbst, woher sie damals die Kraft genommen haben – aber sie war da!

Hilfreich ist es, wenn wir in so einer Situation nicht allein sind: wenn wir Freund:innen haben, die zuhören können, wenn wir uns vielleicht auch in einer Beratung professionelle Hilfe von außen holen. Beratungsstellen wie etwa BEZIEHUNGLEBEN.AT unterstützen Menschen genau bei dieser Aktivierung der positiven Lebenskräfte. Auch der Glaube kann in solchen Zeiten eine Stütze sein.

Abschied und Neubeginn brauchen immer unsere ganze Energie – Loslassen will geübt sein und Neu-Anfangen braucht Geduld, einen langen Atem und viel Vertrauen in das Gute. Es ist und bleibt ein Geheimnis, dass scheinbar im Tod das Leben ist, im Ende der Neubeginn, im Abschied der Start und der nächste Schritt. Darum wohnt auch dem Abschied ein Zauber inne. Beispiele dafür gibt es viele! Ich wünsche uns allen zum Jahresbeginn dieses Vertrauen in die guten Kräfte des Lebens.

Mystik und Geist erscheint in Kooperation zwischen den OÖNachrichten und der Katholischen Kirche in Oberösterreich.

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