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Koscher essen: Eine Frage der Identität

Von Dietlind Hebestreit, 17. Jänner 2024, 05:22 Uhr
Koscher essen: Eine Frage der Identität
Zum Pessach-Fest und davor ist gläubigen Juden nur ungesäuertes Brot erlaubt. Viele andere Vorschriften fürs Kochen und Essen gelten rund ums Jahr. Bild: Colourbox

Tag des Judentums: In der Tora ist geregelt, was und wie gläubige Juden essen dürfen. Eine der wichtigsten Vorgaben ist die Trennung von Fleisch und Milch.

Sie sind ein kleines Grüppchen: Rund 50 Menschen bilden die jüdische Gemeinde in Linz. Anlässlich des „Tags des Judentums“ fand gestern unter dem Titel „Alles koscher“ ein Vortrag auf der Privat-Universität Linz statt, bei dem sich alles um das Thema Essen drehte. Der Wiener Rabbiner Schlomo Hofmeister gab Einblick: „Man darf niemals Fleisch und Milch gemeinsam zubereiten, essen oder einen Nutzen daraus ziehen. Das Verbot wird in der Tora dreimal wiederholt.“ Die Tora umfasst die fünf Bücher Mose und ist die Hauptquelle jüdischen Rechts.

Strenge Regeln beim Essen

Gemeinsam bedeutet, dass Milch und Fleisch nicht innerhalb einer Mahlzeit vorkommen darf. Je nachdem in welchem Land, muss zwischen dem Verzehr eine gewisse Zeit vergehen: „Im deutschen Judentum und auch in Österreich ist es üblich, zwischen den Mahlzeiten mindestens drei Stunden zu warten. In anderen Ländern wie Polen und Russland sind es sechs Stunden.“ All das beziehe sich auf „harte milchige Lebensmittel“ wie Käse. Bei „weichen milchigen Lebensmitteln“ beträgt die Wartezeit nur eine Stunde.

Koscher essen: Eine Frage der Identität
Schlomo Hofmeister, Rabbiner in Wien

Andere Essensregeln sind, dass Schweinefleisch nie auf den Tisch kommt, dass zu gewissen Feiertagen bestimmte Lebensmittel verboten sind (etwa vor und zum Pessach-Fest der Konsum von gesäuertem Brot) oder dass am Samstag überhaupt nicht gekocht werden darf. Ob es für diese und andere Regeln einen Mittelweg gibt? Hofmeisters Antwort ist unmissverständlich: „Vorschriften sind nicht optional.“ Die Tora sei „geschrieben worden, bevor die Welt geschaffen wurde“. Alles, was darin stehe, sei unverrückbares Gesetz. Im Unterschied zu unserer christlich geprägten Gesellschaft wird nicht zwischen profan und sakral unterschieden. Alles, was der fromme Jude tut, ist von Gesetzen streng geregelt. Das betrifft Essen und Kleidung genauso wie den Tagesablauf mit zahlreichen Gebeten, Berufliches, Sexualleben und Kindererziehung.

Sogar Katzenfutter ist koscher

Gesetze wirken so weit, dass sogar das Katzenfutter koscher sein muss und bei der Zubereitung von „fleischigen und milchigen Speisen“ nicht dasselbe Geschirr verwendet werden darf. Was laut Rabbiner zu tun ist, wenn man eine Vorschrift verletzt: Man muss gestehen, was man falsch gemacht hat, emotional bereuen, den ernsthaften Vorsatz fassen, das Vergehen nicht zu wiederholen – und dadurch verursachten Schaden wiedergutmachen. Eine Ohrenbeichte wie im Katholizismus gebe es nicht: „Jeder ist für seine Handlungen selbst verantwortlich. Es gibt keinen Mittler zwischen Gott und Mensch.“

Rezept: Tschulnt
Bild: Colourbox

Rezept: Tschulnt

Zutaten: ½ kg Wachtelbohnen, 1 große Zwiebel, 4 geschälte Kartoffeln, 4 Eier, 1 kg Schermrippe, 2 EL Honig

Zubereitung: Zwiebel in dicke Ringe schneiden, in einen großen, backrohrfesten Topf geben, darauf die Bohnen, das in große Stücke geschnitten Fleisch und die Kartoffel geben, mit Wasser auffüllen und aufkochen. Den Schaum, der entsteht, abschöpfen. Zirka 4 Kaffeelöffel Salz und viel Pfeffer dazugeben. Dann die ganzen Eier (mit Schale) vorsichtig oben auflegen, die Eier müssen nicht zur Gänze mit Wasser abgedeckt sein. Zum Schluss 2 Esslöffel Honig einfließen lassen.

Den Backofen auf 100 Grad aufheizen und den Topf über Nacht im Backrohr lassen. In der Früh nachschauen, ob nicht zu viel Wasser fehlt, sonst noch Wasser dazugeben und den Saft kosten, ob die Würzung passt. Den Ofen ausschalten und den Topf im Backrohr lassen, damit der Saft etwas dicklicher wird. Dazu gibt es Nockerl.

„Tschulnt kann man vor Sonnenuntergang am Freitag schon für den Schabbat zubereiten, an dem man ja nicht kochen darf“, sagt Charlotte Herman, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, von der dieses Rezept stammt.

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Autorin
Dietlind Hebestreit
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