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Der U(h)rsprung

Von Manfred Wolf und Martin Dunst   28. März 2015

Die Kirchenuhr per Hand umstellen

Sommerzeit: In der Nacht auf Sonntag wird wieder die Zeit umgestellt – von zwei auf drei Uhr. Erstmals galt die Sommerzeit übrigens 1916.

  • In der Nacht auf Sonntag wird wieder die Zeit umgestellt - von zwei auf drei Uhr.
  • Erstmals galt die Sommerzeit übrigens 1916.

Der U(h)rsprung

Um an den für Beleuchtungszwecke zur Verfügung stehenden Brenn- und Heizkosten zu sparen, wird in der österreichisch-ungarischen Monarchie, in den von uns besetzen Gebieten Russlands und des Balkans, sowie im Deutschen Reiche ... die Zeit im Sommer um eine Stunde vorgelegt. Demgemäß wird der 1. Mai 1916 am 30. April 1916 abends 11 Uhr nach der bisherigen Zeitrechnung beginnen." - Linzer Tagespost, 21. April 1916

Drei Mal – von 1916 bis 1920, von 1940 bis 1948 und 1980 – wurde in Österreich(-Ungarn) die Sommerzeit eingeführt. Die Begleiterscheinungen waren schon 1916 ähnlich jenen von heute, allerdings, in Anbetracht des Ersten Weltkrieges, durchaus nachvollziehbar. Es gab Beschwerden.

So schrieb ein Familienvater an die Redaktion der Tagespost: "Unsere Kinder dürfen nun ... früher aufstehen, um vor Schulbeginn ihren Verpflichtungen nachkommen zu können. Ob das in einer Zeit, wo viele unserer Kinder ohnehin nicht ordentlich genährt sind, sehr zweckdienlich ist, sei dahingestellt." Es half alles nichts, ab 1. Mai galt die Sommerzeit. Allerdings nicht lange: 1919 wurde darauf verzichtet, nach 1920 wurde sie schon wieder abgeschafft.

Die Gründe für die Umstellung waren stets ökonomischer Natur. Ein zusätzlicher Aspekt kam während des Zweiten Weltkrieges zu tragen: Eine Stunde mehr Tageslicht kam der Rüstungsindustrie entgegen. Von 1940 bis 1942 wurde die Sommerzeit ganzjährig beibehalten. Die Zeitumstellung hielt sich danach in Österreich noch bis 1948, eine Hochsommerzeit (Umstellung um eine weitere Zeit) wie in Deutschland gab es in Österreich allerdings nicht.

Kein Rütteln an Sommerzeit

Zeitumstellung
Die Sommerzeit kommt.

Kein Rütteln an Sommerzeit

Dann dauerte es bis 1980, als die Uhren erneut die Sommerzeit anzeigten – damals als Konsequenz auf die Ölkrise. Seit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 gilt die Sommerzeit als verbindliche Vorschrift der Europäischen Union – unbefristet. Alle fünf Jahre bestätigt die EU die Termine.

"Sollte an der Zeitumstellung gerüttelt werden, müsste ein etwaiger Änderungsvorschlag zunächst auf europäischer Ebene geklärt werden", sagt Harald Hoyer vom Wirtschaftsministerium. Allerdings gibt es dafür keinen Anlass, wie eine Studie der EU aus dem Jahr 2014 zeigt: Demnach sehen eine Mehrheit der Mitgliedsstaaten sowie Wirtschafts- und Konsumentenorganisationen keine Notwendigkeit an einer Änderung.

Der Ursprung der Zeitumstellung liegt gewissermaßen in der Erfindung der Räderuhr im 13 Jahrhundert. Ab dem 18 Jahrhundert gab Uhren flächendeckend an den Kirchtürmen. "Die Uhr veränderte den Alltag der Menschen und presste ihn in ein starres System", sagt der Linzer Historiker Roman Sandgruber. "Bis dahin vertrauten die Menschen der Sonne und wussten, wann was zu tun war – alles regelte sich von alleine."

Kühe

Aus dem Takt

Empfindliche Menschen kann die Umstellung ziemlich aus dem Gleichgewicht bringen. Weltweit sind sich Forscher uneins über die Konsequenzen der Sommerzeit. Russische Studien sprechen gar von einer Zunahme der Herzinfarkte um 50 Prozent.

So drastisch sieht das einer der führenden Schlafforscher Österreichs nicht: "Wir erleben eine Art Mini-Jetlag beim Wechsel zur Sommerzeit. So als würden wir nach Griechenland fliegen", sagt Universitätsprofessor Manfred Walzl von der Landesnervenklinik "Sigmund Freud" in Graz. Was im Urlaub keine Rolle spiele, könne sich im beruflichen Alltag negativ auswirken. "Patienten berichten häufig von Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, viele fühlen sich matt und abgeschlagen, zumindest in den ersten drei, vier Tagen nach der Umstellung." Gesteigerte Unfallzahlen um bis zu 30 Prozent in den ersten Sommerzeit-Tagen sollen laut internationalen Studien die Folge sein.

Walzl relativiert: "Eulen, die so genannten Nachtmenschen, werden unter dem morgendlichen Minus am Schlafkonto viel eher stöhnen als die Lerchen, also die Morgenmenschen." Der Mediziner empfiehlt: "Am besten gönnt man sich in den Tagen vor der Zeitumstellung mehr Ruhe. 20 Minuten früher ins Bett – dann hat man bis zum Montag die Fehlstunde wieder ausgeglichen."

Kühe lieben die Konstanz

Auch Nutztiere reagieren sensibel auf die Zeitumstellung. "Vor allem Kühe sind diesbezüglich empfindlich, würden nervös werden, wenn sich bei eingespielten Melkzeiten etwas ändert", sagt Amtstierarzt Dieter Deutsch vom Land Oberösterreich. Die Landwirte wüssten das aber und würden entsprechend früher aufstehen. Er persönlich würde die Umstellung auch eine Woche lang spüren: "Ich fühle mich schon aus der Bahn geworfen. Meine Kinder sind auch grantiger als sonst. Ich könnte gut auf die Sommerzeit verzichten."

1916

  • 28. März: Naturgemäß dominiert der Weltkrieg die Meldungslage. Der erste Bericht handelt von der Pariser Konferenz: „Die Ergebnisse der bisherigen Beratung, die zwischen den verschiedenen Teilhabern der verbündeten Firma (polemisch für Alliierte, Anm.) zur Vernichtung Deutschlands und Österreich-Ungarns in der einen oder der anderen Form stattgefunden haben, berechtigen zu der Annahme, dass auch diesmal nicht allzu Gefährliches beschlossen werden wird ...“
  • 1. April: Berichtet wird unter anderem von der Erstürmung des Ortes Malancourt in Frankreich nebst beiderseits anschließender französischer Stellungen. Sowie vom Zusammenbruch russischer Stellungen.
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