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Musik

Kopfhörer #28: Die Nachdenkerin

Von Reinhold Gruber  24. November 2020 15:29 Uhr

Verlust will verarbeitet werden: Das hat Ane Brun am eigenen Leib erfahren.

Ane Brun veröffentlicht innerhalb weniger Wochen zwei Alben, die gut in die Zeit passen.

Die Nachdenklichkeit ist in dieser Zeit der kürzer werdenden Tage ein ganz normaler Lebensbegleiter. Heuer hätte es des Novembers gar nicht mehr bedurft. Corona hat sich tief in unsere Psyche eingegraben. Ist es also wirklich gut, wenn man sich dann auf Musik einlässt, die nicht einmal in der positivsten Interpretation als Stimmungsaufheller durchgehen würde? 

Es ist gut, wenn es sich um Ane Brun handelt. Sie serviert nach langer Pause im Abstand von wenigen Wochen gleich zwei neue Alben. Auf „After The Great Storm“ folgt jetzt vier Wochen später „How Beauty Holds The Hand Of Sorrow“. 

Ane Brun ist keine Marktschreierin. Das war sie nie. Aber die große Ruhe, die sie vor allem auf „How Beauty Holds The Hand Of Sorrow“ verbreitet, macht rasch deutlich, dass es dafür einen Grund geben muss. Den gibt es. Einen traurigen noch dazu, der nichts mit Corona oder sonstigen Welt-Verstimmungen zu tun hat.

Als ihr Vater 2016 verstarb, war das ein Verlust, der sie nicht nur emotional, sondern auch musikalisch etwas aus der Bahn warf. Denn normalerweise zieht die Norwegerin aus allem, was in ihrem Leben passiert, ihre Schlüsse, die in Musik münden. Beziehungen, Veränderungen, Herausforderungen – all das konnte sich Ane Brun immer von der Seele schreiben. Als sie ihren Vater verlor, ging auch dieses Selbstverständnis verloren, „an meinen Problemen zu arbeiten und weiter zu gehen“. Die Trauer ließ nichts mehr zu. Es funktionierte nicht mehr und es gab keine Lösung, wie Brun in der Rückschau zugibt.

Alles braucht seine Zeit

Es habe einige Zeit gedauert, um zu erkennen und „zu verstehen, dass die Zeit selbst der Schlüssel war“. Sie konnte warten und schuf zwei Alben, die beide ihre Handschrift tragen, aber wie separate Werke wirken. Das dunkle, das traurige, nach Innen gekehrte und extrem melancholische „How Beauty Holds The Hand Of Sorrow“. Und das in seiner musikalischen Grundstimmung etwas hellere und somit positiver wirkende „After The Great Storm“.

Auf beiden Alben gibt es Songs, die in ihrer ruhigen Gangart gefangen nehmen. „Closer“ etwa. Oder das wunderbare „Fingerprints“, in dem man den Schmerz des Vermissens spüren kann, ohne die Hoffnung ganz zu verlieren. Irgendwann geht wieder die Sonne auf. Das war schon immer so. November hin, Corona her. 

Ane Brun „After The Great Storm“, „How Beauty Holds The Hand Of Sorrow“ (Balloon Ranger Recordings)

 

Artikel von

Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber
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