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Die neuen Seiten des Julian le Play

Von Reinhold Gruber, 25. Juli 2023, 18:34 Uhr
Julian le Play hat einiges verändert und ist doch bei sich geblieben. Bild: Florian Moshammer

Wer ändert, ist auf der Suche. Julian le Play hat gefunden. Ein Gespräch über neue Songs und neuen Style.

Die Tage vor der Veröffentlichung seines neuen Albums „Tabacco“ Anfang Juli war der 32-jährige Wiener sehr angespannt, wie er sagt, und für seine Umgebung nur schwer auszuhalten. Die Veränderungen im Songwriting, in der Band und letztlich auch in seinem Style haben den Druck erhöht, jetzt „nicht zu vergeigen“. Mittlerweile hat Julian die Sicherheit, dass alles so richtig ist.

Woher kam der Antrieb für die Veränderung?

Julian le Play: Der Drang, dass irgendwas immer anders sein muss, weil ich mich sonst langweilen würde, wird nie aufhören. Vor zwei Jahren ist einiges zusammengekommen, dass eine Mattheit in mir ausgelöst hat.

Hatte das mit Corona zu tun?

Julian le Play: Einerseits schon. Ich bin ein Mensch, der gerne unterwegs und nicht viel zu Hause ist. Plötzlich ging das nicht mehr. Andererseits hatte ich nach zehn Jahren des Musikmachens das Gefühl, mich zu wiederholen. Im Nachhinein betrachtet bestand die Gefahr, erwachsen zu werden. Ich habe mich zu resilient gefühlt. Ich wollte alles kontrollieren und habe da gemerkt, es tut mir nicht gut.

Wie hat sich das ausgedrückt?

Julian le Play: Ich fühlte mich, als ob ich etwas versteinert wäre. Ich hatte keinen richtigen Zugang zu meinen Emotionen, wurde sogar etwas verbissen. Und dann war ich 2022 in Mexiko und bin einem Aussteigerressort gelandet. Das habe ich nur gebucht, weil ich mir dachte, dass mir der Vibe gefallen wird. Dann gab es dort Angebote wie „finde deinen inneren Zweck“ oder „ekstatisches Tanzen“, was ich witzig fand – bis ich selbst, weil es zehn Tage lang geregnet hat, mit Menschen in Kursen saß, die alle auf der Suche waren. Dabei habe ich gecheckt, dass ich gar nicht so viele Gründe gibt, um sich Gedanken zu machen, in eine Schwere zu fallen.

Was passierte dann nach der Rückkehr?

Julian le Play: Endlich konnten wir die Tour nachspielen, die wir durch Corona verschieben musste, und meine alte Band hatte keine Zeit, weshalb ich mir neue Musiker links und rechts von mir gesucht habe, und habe begonnen, mich mit Mode zu beschäftigen. Als ich nach Hause gekommen bin, habe ich mich in meiner alten Kleidung nicht mehr so wohlgefühlt und habe mit einer Stylistin zu arbeiten begonnen, mich auch mit David Bowie beschäftigt und gemerkt, dass Kunst nicht beim Mastern eines Albums aufhört, sondern weitergeht. Das Visuelle hat mich mehr zu interessieren begonnen.

Hatte dies auch Auswirkungen auf die Tour?

Julian le Play: Wir haben fünf Mal so viel Gas gegeben wie zuvor, weil bei allen dieser Drang zu spüren war, endlich wieder live spielen zu können. Das war der Kick-Start für das Jahr, in dem dann „Tabacco“ entstanden ist.

Das Album war also von dieser Erfahrung geprägt?

Julian le Play: Nach der Tour bin ich mit meinen drei besten Freunden dann direkt nach La Gomera geflogen, wo auch viele Aussteiger waren. Dort ist dann der erste Song „Tabacco“ entstanden, wo ich gemerkt habe, dass ich süchtig werde nach diesem Lebensstil. Irgendwie habe ich gemerkt, dass ich das brauche. Und dann war ein sehr bunter Sommer, wo ich ganz viel erlebt habe. In diesem Sommer ist dieses Album entstanden.

Es ist wohl kein Zufall, dass das Album mit „Schlafwandler“ ein sehr ruhiges Lied an den Anfang stellt. Was wolltest du dem Hörer damit auf den Weg geben?

Julian le Play: Vielleicht, dass ich mich nicht verstecke. Es ist einer der persönlichsten Tracks, in dem es um die Liebe geht. Normalerweise habe ich solche Songs dann gerne auf dem Album versteckt, ans Ende gestellt. Ich wollte damit gleich einmal die Menschen öffnen, aufmachen, hinhören. Ich habe gar nicht so viel darüber nachgedacht.

Die Lust am Leben, die Leidenschaft, mit allen Sinnen zu spüren, könnte als großes Thema über dem Album stehen. Hast du auch die Lust an der eigenen Musik wieder neu entdecken müssen?

Julian le Play: Ja, fast keiner dieser Songs auf dem Album ist geplant passiert. Ich wollte etwas erleben, war unterwegs und habe Julian le Play für mich im Kasten abgestellt, viele Menschen getroffen und diese Songs sind nebenbei entstanden. Überall sind mir die Ideen gekommen. Wo ich mich nicht angestrengt habe, sind mir die Ideen zugeflogen und habe schon auch sehr verbissene Phasen hinter mir, in denen ich Songs mit einem Ziel, etwa dem Erreichen einer Erwartungshaltung, geschrieben habe. Ich war wahnsinnig glücklich, dass die Lieder jetzt praktisch zu mir gekommen sind. Natürlich ist dadurch die Lust am Songschreiben wiedergekommen, weil es mit so einer Leichtigkeit passiert ist. Es war schon einmal viel schwerer.

Hat das auch mit dem Loslassen zu tun, dass plötzlich eine Leichtigkeit entsteht, die man sich oft herbeisehnt und plötzlich ist sie da, weil man nicht krampfhaft danach sucht?

Julian le Play: Sicher. Wenn du etwas nicht willst, dann überfällt es dich plötzlich von hinten. Das ist in der Liebe ja auch so. Was mich überfallen hat, hat mich überrascht, weil es musikalisch eher Dinge waren, die ich im Alter von 18, 19 Jahren gehört habe. Es ist ein Pop-Album, aber es hat hie und da folkige Elemente, es ist rockiger, es sind Songs entstanden, die ich mir vorher nicht zugetraut hätte. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, auch das Produzieren. Ich habe in Wien mit zwei Freunden ein Kreativhaus, die „Villa Lala“, aufgesperrt. „Tabacco“ ist das erste Album, wo diese Villa musikalisch zur Geltung gekommen ist. In dem Haus gibt es 14 Studios, elf verschiedenen Produzenten, Songwriter, ein Fotograf – das hat über zwei Jahre ein Eigenleben bekommen, dann bin ich mit meinen Songs gekommen. Von da weg ist die Produktion passiert und die anderen Charaktere sind dazugekommen, haben Spuren auf dem Album hinterlassen. Das ist alles nacheinander passiert und ich habe noch nie so wenig daran gedacht, was danach passiert. Ich habe das Arbeiten mit den Leuten genossen. Dadurch hat sich mein komplettes Umfeld verändert. Es ist eigentlich nichts mehr wie vor drei Jahren. 

Ist „Tabacco“ somit auch der Beginn einer neuen Dekade von Julian le Play?

Julian le Play: Ja, das hat meine Freundin auch gesagt.   

Julian le Play „Tabacco“ (Troubador Tonträger), Konzert: 25. August, Posthof Linz

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Autor
Reinhold Gruber
Lokalredakteur Linz
Reinhold Gruber
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1  Kommentar
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nichtschonwieder (8.990 Kommentare)
am 25.07.2023 18:48

Schon mehr als fad.....zum vergessen.

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