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Kultur

"Ich fühlte mich gebrandmarkt"

Von Ludwig Heinrich  13. November 2019 00:04 Uhr

Schauspielerin Martina Gedeck 

Martina Gedeck über ihre Rolle in "Herzjagen", zu sehen am 13. November in ORF 2.

Nach dem Roman von Julya Rabinowich drehte Elisabeth Scharang den Fernsehfilm "Herzjagen", den ORF 2 heute um 20.15 Uhr ausstrahlt. Deutschlands Top-Star Martina Gedeck spielt die Hauptrolle der Caroline Binder, die sich einer Herzoperation unterziehen muss und danach nur unter größten Schwierigkeiten wieder zurück ins Leben findet.

OÖNachrichten: War die Caroline für Sie eine besonders schmerzhafte Rolle?

Martina Gedeck: Schon, obwohl arbeitsmäßig alles bestens aufgestellt war. Wir Schauspieler hatten untereinander die besten Beziehungen, es war wie ein Freundeskreis.

Aber es war sicher eine große Herausforderung, diesen Charakter zu entwickeln.

Weil sie nach der Herzoperation mit Alpträumen und Panikattacken zu kämpfen hat. Das geht hin bis zu suizidalen Gedanken. Ein besonders wichtiger Aspekt ist in diesem Augenblick, dass der liebende Partner viel Geduld aufbringen muss, den anderen in der Krise nicht loslassen darf.

Der Vater der Buchautorin Julya Rabinowich starb mit 50 einen plötzlichen Herztod. Auch Sie haben 1999 Ihren Lebensgefährten Ulrich Wildgruber verloren, der schwere Herzprobleme hatte. Schwingt das mit, wenn man eine solche Rolle verkörpert?

Ja, weil auch ich damals mit dem Gefühl konfrontiert war, verlassen und unverstanden zu sein, weil ich so allein war. Ich fühlte mich gebrandmarkt und ausgeschlossen, litt unter Ängsten und Schmerzen. Um seine Trauer verarbeiten zu können, muss man sich wohl abkapseln. Vor eineinhalb Jahren habe ich auch meinen Vater verloren. Das Gefühl, dass man nach dem Verlust eines geliebten Menschen plötzlich nicht mehr in sein Leben hineinpasst, ja, das kenne ich sehr gut.

Wie haben Sie sich beim Spielen gefühlt?

Es war interessant, all die Gefühlszustände von Caroline zu erforschen. Gerade Schmerz, habe ich erkannt, hat sehr viel mit dem Leben zu tun, mehr, als wenn man immer nur gute Laune hat. Und es ist sicher kein Zufall, dass uns viele Menschen, die depressiv sind, äußerlich als notorisch gut gelaunt erscheinen. Renitenz, Schmerz, Verlassenheit – das ist manchmal die Wolke, die einen beschützt. Bei Caroline kommt auch Wut dazu, die Wut auf das Glück.

Wenn man ein paar Wochen vor der Kamera in diesen Menschen geschlüpft ist, wie leicht kommt man dann wieder raus?

Ich bin in der Tat eine Zeitlang nicht rausgekommen. Erste Reaktion nach dem letzten Drehtag war, dass ich gleich in die Ferien flüchtete. In die Schweiz, zu meinem Mann.

Gewiss konnten Sie auch positive Aspekte mitnehmen.

Das war die Zusammenarbeit mit Regisseurin Elisabeth Scharang. Ich bin mit ihr faktisch auf Entdeckungsreise gegangen. Wir haben jeden Drehtag Neues entdeckt, und das hat mich sehr erfüllt. Mit Elisabeth war ich wirklich sehr positiv unterwegs.

Sie kommen immer wieder zu Dreharbeiten nach Österreich. Genießen Sie das?

Ja, das hat vor zwanzig Jahren mit Xaver Schwarzenberger angefangen. Seither war ich fast jedes Jahr zum Arbeiten hier, und dabei kam es zu wunderbaren Begegnungen und Beziehungen. Ich reise immer mit starken Glücksgefühlen an.

Wie geht es beruflich weiter?

Ich habe im Sechsteiler "Oktoberfest – 1900" mitgewirkt. Dabei geht es um die Entstehung des Münchner Oktoberfestes, aber von einer ganz anderen Seite her betrachtet. Vieles davon haben wir in Prag gedreht. Ich wirke auch im neuen Kinofilm "Wunderschön" von Karoline Herfurth mit.

Das ist deren dritte Regiearbeit?

Ja, und im Mittelpunkt stehen fünf Frauen, die immer damit beschäftigt sind, wie sie mit ihrem Körper umgehen sollen, die mit sich hadern und gerne hübscher und dünner wären. Ich bin die Älteste, die noch dazu um ihre Ehe kämpfen muss. Joachim Król ist mein Film-Ehemann. Zudem darf ich mich bereits wieder auf einen Wien-Ausflug freuen, denn am 1. Dezember habe ich im Konzerthaus eine Lesung von Marlene Haushofers "Die Wand". Ich habe ja auch in der Verfilmung mitgespielt. Bei der Lesung habe ich Violinbegleitung, mit Musik von Johann Sebastian Bach.

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Ludwig Heinrich

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