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Eine perfekt choreografierte Operetten-Gaudi

Von Helmut Atteneder, 24. Oktober 2022, 00:04 Uhr
Eine perfekt choreografierte Operetten-Gaudi
Stimmlich hervorragend, als Duo harmonisch: Carina Tybjerg Madsen als Gräfin Mariza und Matjaz Stopinsek als Tassilo Bild: Palffy

"Gräfin Mariza": Gelungener Mix aus Revue, Cirque du Soleil und augenzwinkernder Genrebetrachtung im Musiktheater.

"Komm mit nach Varasdin ..." Dieser gesungenen Gassenhauer-Einladung aus Emmerich Kálmáns Erfolgs-Operette "Gräfin Mariza" sind schon viele Veranstalter und Musiktheater gefolgt. Der Version von Regisseur Thomas Enzinger haftete am Samstag bei der Premiere am Linzer Musiktheater das Merkmal der spektakulären Alleinstellung an. Da wird gesungen, ja, da wird getanzt, ja – aber entscheidend ist hier das "Wie". Baron Koloman Zsupán (Jonathan Hartzendorf) rappt, versucht sich an Michael Jacksons Moonwalk, und das Tanzensemble (Choreografie Evamaria Mayer) agiert in rosaroten Glitzerkostümen überbordend.

Befreit vom K-.u-.k.-Mief

Ein erster, lang beklatschter Höhepunkt einer Inszenierung, die beste Unterhaltung in Form von augenzwinkernder, aber stets professioneller Gaudi ist. Thomas Enzinger (Intendant der Lehar-Festspiele in Bad Ischl) ist so etwas wie der Genre-Primus, seine Operetten sind befreit vom Mief der K.-u.-k-Monarchie. Beim Landestheater griff man heuer wieder auf seine Routine und die offensichtlich nie enden wollende Inspiration zurück, wohl wissend, dass Enzinger aus dem an sich eher inhaltsleeren (Liebes-) Stoff mehr machen wird als die jährliche Quotenoperette am Haus. Enzingers "Gräfin" beleidigt das Genre nie, sie nimmt sie auf die leichte Schulter, ohne sich darüber lustig zu machen.

Famoser Tanz

Dieses Umfeld generiert auf der von Bernd Franke schön gestalteten Bühne ein munteres Spektakel. Ensemble, Chor (Leitung Elena Pierini) und Bruckner Orchester (Dirigent ist der wie immer eloquente und inspirierende Marc Reibel) agieren mit großer Spielfreude. Götz Lanzelot Fischer schöpft bei den Kostümen farb- und ideenreich aus dem Vollen.

Absolut herausragend ist das von Evamaria Mayer choreografierte Tanzensemble. Mayers Handschrift wird von den acht Tänzerinnen und Tänzern mit großer Professionalität und herausragendem Können teils atemberaubend umgesetzt. Die Tanz-Performance gereicht in dieser Inszenierung zum i-Tüpfelchen. Von ihr wird man noch länger als Erstes reden, wenn diese Linzer "Gräfin Mariza" angesprochen wird.

Carina Tybjerg Madsen gibt in der Titelpartie der Gräfin ein starkes Debüt als fixes Linzer Ensemblemitglied. Anfangs eine Spur nervös – was sich aus dem starken Vibrato heraushören lässt –, gewinnt sie stets an Selbstsicherheit und agiert mal als lebenslustige, mal als frustrierte, aber immer adrette Gräfin stets nachvollziehbar und glaubwürdig. Matjaz Stopinsek gibt einen starken Graf Tassilo, der die fordernde Partie stimmlich sicher im Griff hat. Gleiches gilt für Michael Wagner (Populescu), Fenja Lukas (Lisa) und Karina Jay Bailey (Manja). Sorin Stefan treibt als Geiger die Handlung virtuos voran. Jonathan Hartzendorf begeistert als vielseitiger Baron Zsupán mit Stimme, Tanz, Witz und Zauberkunst.

Witzig ist der Auftritt von Fürstin Chlumetz (April Hailer) und ihrem Kammerdiener Penizek (Markus Raab). Letzterer ersetzt die Mimik der Fürstin, der selbige "dank" zu heftig ausgefallener Schönheitschirurgie abhandengekommen ist. Wobei diese Sequenz eindeutig zu lange ausfällt. Der rote Faden der Figur des Mädchens (zauberhaft: Isabela Guadalupe Mehr) ist vernachlässigt und bleibt so großteils rätselhaft.

  • Fazit: Unbedingt hingehen und sich blendend unterhalten lassen.
  • OÖN-Christkindl-Gala: Der Reinerlös der "Gräfin Mariza" am 1. Dezember, 19.30 Uhr, im Linzer Musiktheater geht an das OÖN-Christkindl für Landsleute in Not. Karten: landestheater-linz.at
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Autor
Helmut Atteneder
Redakteur Kultur
Helmut Atteneder

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