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Kultur

Der Soundtrack, wenn die Welt vor die Hunde geht

Von Lukas Luger 23. Oktober 2019 00:04 Uhr

Der Soundtrack, wenn die Welt vor die Hunde geht
Neil Young, ein Mann mit einer wichtigen Mission

Neil Young zeigt sich auf "Colorado" in ausgezeichneter Form.

"Alte Burschen mit jungen Seelen, die zusammen Musik machen." So nüchtern wie treffend beschreibt Neil Young (73) sein am Freitag erscheinendes, endlich wieder mit seiner Stammcombo Crazy Horse eingespieltes Album "Colorado". Einer dieser Burschen ist Nils Lofgren, der zum ersten Mal seit 1973 wieder mit dabei ist. Klimawandel, die Vernichtung unserer natürlichen Ressourcen, die unermessliche Gier der Konzerne – seit Jahrzehnten wettert die kanadische Rock’n’Roll-Ikone Young gegen die drohende Zerstörung unseres Planeten. So aktuell wie in diesen "Fridays For Future"-Zeiten war seine Botschaft aber sicherlich noch nie. Die Welt geht vor die Hunde – und Neil Young hat mit "Colorado" den furiosen Soundtrack dazu geschrieben.

Klang das thematisch relativ ähnlich gelagerte "The Monsanto Year" aus dem Jahr 2015 noch wie die zähe Vertonung eines Protestmanifests, so hat Young für seine neue Platte nicht nur eine treffendere und poetischere Ausdrucksweise gefunden. Er hat diesmal auch zehn viel, viel bessere Songs geschrieben!

Von allererster Güte

Bereits die ersten zwei Stücke sind von allererster Güte. Die rustikale Folk-Nummer "Think Of Me" erfreut mit toller Mundharmonika alle "Harvest"-Fans. Fast 14 Minuten mäandert die kämpferische Gitarren-Orgie "She Showed Me Love" dahin, die in bissigen Worten jene "old white guys" geißelt, die unsere Umwelt ruinieren. Herr Young kann’s aber auch ruhiger. Das herrlich seelenvolle "Olden Days" durchzieht mehr als nur ein Hauch Nostalgie, die hauchzarte Ballade "Green Is Blue" ist keineswegs eine Analyse der österreichischen Innenpolitik, sondern eine eindringliche Ballade über die Untätigkeit des Menschen im Angesicht des nahenden ökologischen Kollapses.

Gleich die Abschaltung des ganzen Wirtschaftssystems propagiert Young in "Shut It Down", neben "Rainbow Of Colours" das einzige schwächere Lied auf der innerhalb von nur elf Tagen in den Rocky Mountains aufgenommenen Platte. So düster "Colorado" stellenweise klingt, mit dem wunderschönen, akustischen "I Do" lässt Neil Young sein 39. Album dann doch auf einer hoffnungsvollen, positiven Note enden. Und haut nebenbei einen Klassiker für die Ewigkeit heraus.

 

Artikel von

Lukas Luger

Redakteur Kultur

Lukas Luger
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