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Kultur

Wo Heimat war, soll auch Heimat bleiben

Von Silvia Nagl   22. April 2013 00:04 Uhr

Wo Heimat war, soll auch Heimat bleiben
Das ganze Leben ist manchmal eine ewige Baustelle (Björn Büchner, vorne)

Bejubelte Uraufführung von „Alpenvorland“ des Oberösterreichers Thomas Arzt in den Linzer Kammerspielen

„Land ist’s der Berge. Land ist’s der Seen. Land ist’s der Särge. Und Land wird vergehn, und vergessen was damals geschehn...“ – nur ein kleiner Auszug daraus, was Autor Thomas Arzt aus unserer Bundeshymne gemacht hat. Immer wieder werden in seinem Stück „Alpenvorland“ teils bekannte Melodientexte gleichsam zerstückelt, um einige Elemente ergänzt und wie neu zusammengefügt. So zu Beginn auch die oberösterreichische Landeshymne „Hoamatland“, allerdings aus dem Blickwinkel des Hunderls – zum Niederknien komisch! Diese Zwischenstücke wünscht der Autor vom Ensemble chorisch gesprochen. Regisseur Ingo Putz und das homogene, famose Schauspiel-Team meistern präzise, rhythmisch und mit viel Augenzwinkern und ohne einen einzigen Versprecher diese wahrlich nicht leicht umzusetzende Aufgabe: Chapeau!

Ein großer Wurf gelungen

Thomas Arzt ist kräftig zupackender, dramaturgisch klug aufbauender Situations- und auch sanfter und poetischer Figurenerzähler. Ihm ist der analytische Ernst ebenso zu Eigen wie die spielerische Ironie, der leichtfüßig tänzelnde Humor ebenso wie tiefschürfende Gedankenarbeit. Mit diesem Stück hat er im Vorjahr den Heidelberger Stückemarkt, den bedeutendsten Wettbewerb für deutschsprachige Nachwuchs-Autoren, gewonnen – womit vorausgesetzt werden darf, dass „Alpenvorland“ herausragend ist. Ja, damit ist ihm ein wirklich großer Wurf gelungen!

Die Figurenkonstellation ist nah am Leben geschrieben – in einer unserem Dialekt nahen Kunstsprache. Vier Männer und drei Frauen um die 30 treffen einander nach längerer Zeit wieder zum Grillfestl. Sie haben gemeinsame Schulvergangenheit – und, wie es eben so ist im Leben, die Wege haben sich getrennt. Nun sind sie am Baugrund von Hannes und Heidi, die ihr Vorhaben, ein Haus zu errichten, genau an jenem Flecken Erde verwirklichen wollen, wo sie alle Kindheit und Jugendtage verbracht haben: Dort, wo Heimat war, sollen Heimat und Glück bleiben. Alte Wunden, alte Streitereien, alte Zuneigungen und Abneigungen brechen wieder auf und werden, wie meist, niedergeschwiegen. Beim großen Dichter Ödön von Horváth sind „Stille“ und „Pause“ ständig präsent, Thomas Arzt drückt durch Bindestriche dieses vielsagende Nichtssagen aus.

Stephan Brandmayr hat mit groben Brettern eine Baustelle mit dem Charme einer Hornbach-Werbung auf die Bühne gebaut, wo Hannes (Björn Büchner) wie besessen schaufelt, nachdem ihn Heidi (Jenny Weichert) wegen dem aalglatten Banker Alf (Klaus Köhler) verlassen hat. Es sind allesamt genau dargestellte Charakterstudien, alle (auch in den Kostümen von Cornelia Kraske) sehr heutig. Jeden von ihnen scheint man irgendwie zu kennen: die aufmüpfige Sopherl (Katharina Wawrik), den träumerischen Moritz (Markus Subramaniam), den gutmütigen Bimbo (Manuel Klein) und die sich auf unbefriedigende Liebesabenteuer einlassende Vroni (ein beachtliches, reif wirkendes Landestheater-Debüt von Michaela Schausberger).

Nach zwei kurzweiligen, humorvollen Stunden jubelnder Applaus – auch und vor allem für den Autor.

„Alpenvorland“: Stück von Thomas Arzt; Landestheater Linz, Uraufführung am 20. 4.

OÖN Bewertung:

Autor Thomas Arzt

Thomas Arzt, 1983 in Schlierbach geboren, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Psychologie in Wien. Sein Bühnenerstling „Grillenparz“ (Hausberg von Schlierbach) wurde mit großem Erfolg 2011 am Schauspielhaus Wien uraufgeführt. Bei der derzeitigen Landestheater-Produktion „Land der Lämmer“ steuerte er ein Kurzstück bei. „Alpenvorland“ wird am 26. April im Theater Heidelberg aufgeführt, 2014 in Innsbruck.

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