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Schlag nach bei den Mönchen: Martin Grubinger im OÖN-Interview

Von Von Ludwig Heinrich, 15. Oktober 2010, 00:04 Uhr
Schlag nach bei den Mönchen
Percussion-Weltstar Martin Grubinger Bild: Felix Broede

Er ist als Schlagzeuger und Multipercussionist Weltklasse: Martin Grubinger, Jahrgang 1983, mit Mutter aus dem Hausruck, Vater aus dem Thalgau, Ausbildung am Mondsee, am Bruckner-Konservatorium und am Mozarteum. Jetzt hat er eine ungewöhnliche CD veröffentlicht: „Drums’n’Chant“. Da musiziert er mit Gästen zu den gregorianischen Gesängen von Mönchen.

OÖN: Erblich belastet sind Sie auch?

Grubinger: Ja, mein Vater ist Lehrer für Schlagzeug am Mozarteum. Wenn wir zu Hause üben, darf die Mutter die Lautstärke ertragen. Aber ich hab’ ihr genug Stöpsel besorgt.

OÖN: Das Schlagzeug war von Anfang an Ihre Leidenschaft?

Grubinger: Ja, dafür habe ich auch die Matura sausen lassen, bin mit 16 aus der Schule. Seither widme ich mich ausschließlich meinen Instrumenten, übe – meist in unserem schallgedämpften Studio daheim im Hausruck – freiwillig bis zu zehn Stunden am Tag.

OÖN: Heute treten Sie mit allen möglichen Spitzenorchestern in den bedeutendsten Konzerthallen der Welt auf. Wie gefällt es Ihnen, wenn man Sie als Wunderkind bezeichnet?

Grubinger: Einerseits stimmt das Wort nicht. Andererseits ist es peinlich. Was man zu einer solchen Karriere braucht, sind ein paar Ingredienzien. Eins: Ein bissl Talent. Zwei: Lehrer, die einen in die richtige Richtung weisen. In diesem Zusammenhang muss ich unbedingt auf die musikalische Qualitätsarbeit, die am Mondsee und überhaupt in ganz Oberösterreich geleistet wird, hinweisen. Drei: Freude und Liebe zum Instrument. Vier: Disziplin und Verzicht auf diverse Dinge. Wenn etwa die Freunde am Nachmittag ins Schwimmbad gehen, zu Hause bleiben und üben. Fünf: Gescheite Berater im Hintergrund. Es geht auch darum, zum richtigen Zeitpunkt, mit etwas Technik ausgestattet, die richtigen Leute zu treffen.

OÖN: Percussion und der Gesang der Mönche der Benediktinerabtei von Münsterschwarzach. Wie passt das zusammen?

Grubinger: Gar nicht, glaubte ich. Es begann damit, dass mich Christian Leins, der Produzent der Deutschen Grammophon, ansprach, als ich im vorigen Sommer bei den Salzburger Festspielen auftrat. Er meinte: „Ich möchte gerne, dass du dich mit gregorianischer Musik beschäftigst.“ Mein erster Gedanke: Zwei Pole, die in keinster Weise in Zusammenhang zu bringen sind.

OÖN: Wie war es möglich?

Grubinger: Die Neugier. Ich begann, mir die Gesangstexte aus dem Lateinischen zu übersetzen, habe dafür auch meinen alten Lateinlehrer aktiviert. Dann habe ich die Notation analysiert und gelernt, habe Kollegen eingeladen, die mit mir zu Hause die Choräle nachgesungen haben. Um Gefühl dafür zu bekommen. Schließlich begann ich, rhythmische Schablonen zu setzen. Ich bin immer mehr reingewachsen, kam zum Schluss: Diese Musik wird von Klöstern und von der katholischen Kirche getragen. Wenn man diese Kirche als globale Institution sieht, dann sind ja auch die Percussion-Instrumente global orientiert.

OÖN: Ihre Arbeit ging dann aber noch darüber hinaus?

Grubinger: Ich lud Künstlerkollegen ein, um unterschiedliche Zugänge zu finden. Etwa aus Afrika und Südamerika. Ich holte Albrecht Mayer, den Solo-Oboisten der Berliner Philharmoniker, einen türkischen Sänger, eine Ney-Flötistin aus Istanbul, und für zwei Jazz-Choräle lud ich den ehemaligen Trompeter von Rainhard Fendrich ein. Ich denke, bei all dem ist eine Klangsprache rausgekommen, die irgendwie neu ist, und die über das Fundament des katholischen Glaubens hinausgeht. Der türkische Sänger etwa singt ein muslimisches Lied, diverse Instrumente kommen aus anderen Kulturen und Religionen.

OÖN: Gibt es eine Chance, das Programm der CD auch auf der Bühne zu sehen?

Grubinger: Nein. Das Ganze ist wie ein Concept-Car, das eine Autofirma entwickelt, das aber nie in Serie gehen kann. Dieser Aufwand von 300 Instrumenten, genau auf die Chöre abgestimmt, ist logistisch nicht zu bewältigen. Da müssen Sie schon, eine Bitte in aller Bescheidenheit, das Album kaufen.

OÖN: In der Saison 2011/12 werden Sie Artist in Residence im Wiener Konzerthaus. Am 1. April und 6. Juli treten Sie wieder im Brucknerhaus auf, am 23. August bei den Salzburger Festspielen. Im vergangenen August jedoch haben Sie ein Konzert in Kärnten abgesagt, nicht aus Krankheitsgründen. Warum dann?

Grubinger: Ich engagiere mich im Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Die gesellschafts- und kulturpolitischen Bedingungen in Kärnten stimmen für mich derzeit einfach nicht.

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