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Peer Gynt als Tanz um die Wahrheit

Von Michael Wruss, 23. Jänner 2018, 00:04 Uhr
Peer Gynt als Tanz um die Wahrheit
V. l.: Jakob Feyferlik, Rebecca Horner Bild: APA

Edward Clug inszeniert Henrik Ibsens Gedicht als stimmiges Ballett.

Mit beeindruckenden Bildern und einer stringenten Erzählhaltung gestaltete der rumänische Choreograph Edward Clug Henrik Ibsens dramatisches Gedicht "Peer Gynt" als Ballett und griff dabei nicht nur auf die Schauspielmusik Edvard Griegs zurück, sondern auch auf das 1. Streichquartett, Klaviermusik und das Klavierkonzert des norwegischen Komponisten.

Peer Gynts Reise zur Selbsterkenntnis wird bei Edward Clug ein Tanz rund um die Wahrheit. Peer, der sich als Selbstschutz eine Traumwelt aufbaut, ist unfähig, soziale Kontakte zu schließen. Er ist Außenseiter, der seine Rolle genießt, von seiner Mutter dafür getadelt und zugleich darin bestärkt wird. Darauf nimmt auch die Bühne von Marko Japeli Bezug, die einen endlosen Weg, einen Kreis zeichnet, nur durch einen Felsen unterbrochen – etwas Unverrückbares, das Heimat bedeutet, aber von dem auch Bedrohung ausgehen kann.

Nun gestaltet Clug seine Reise zur inneren Identität nicht als Fantasy-Märchen, sondern als surrealen Psychotrip. So findet sich Peer im Irrenhaus wieder, wo ihm alle Gestalten als Leidensgenossen in der Zwangsjacke begegnen und ihn – endlich – krönen. Allerdings bloß zum König der Narren. Dem Wahn noch einmal entflohen, kehrt er heim, selbst der Tod scheint für ihn keine Wirklichkeit zu sein. Mit Solveig geht er in die Ewigkeit ein.

Musikalisch stand der Abend ebenso kompetent unter der Leitung von Simon Hewett, der mit dem Staatsopernorchester Griegs Romantik fein entstaubt hat und sehr präzise und dennoch emotional interpretiert – eine ideale Basis für die Tänzer und die vielfältige, perfekt auf die Tänzer abgestimmte Choreographie. Allen voran Jakob Feyferlik, der als Peer Gynt beinahe ständig auf der Bühne ist und den Wandel vom unbedarften Burschen zum möglicherweise doch geläuterten Greis perfekt meistert.

Nicht minder präzise und darstellerisch den Tod bis ins Lächerliche verzerrend agierte Andrey Kaydanovsky als ständiger Mahner. Herausragend auch die Gestaltung des psychologisch wichtigen Hirsches durch Zsolt Török. Rebecca Horner begeisterte als Frau in Grün.

Intensiv und inspiriert

Fein auch Nikisha Fogo als Anitra sowie Franziska Wallner-Hollinek und András Lukács in ihren Psychogrammen der Mutter und des Arztes Begriffenfeldt. Ebenso überzeugend Alice Firenze als Solveig, die in der letzten Szene besonders beeindruckte. Bestechend auch die Choreographie für das Corps de ballet, bewundernswert intensiv und inspiriert umgesetzt.

Ein absolut stimmiger Abend, auf den auch das Publikum dementsprechend begeistert reagierte.

Ballett: Henrik Ibsens "Peer Gynt" als Ballett von Edward Clug, Wiener Staatsoper, 21. 1.

OÖN Bewertung:

 

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