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Kultur

Markus Poschners nächster phänomenaler Streich

Von Michael Wruss   28. April 2018 00:04 Uhr

Markus Poschners nächster phänomenaler Streich
Markus Poschner

Das Bruckner Orchester und sein Chefdirigent boten in Linz ein neues sowie außergewöhnliches Klangerlebnis.

Wenn das Publikum vor lauter Spannung den Atem anhält und zwischen den Sätzen sogar auf das bei uns schon obligatorische Husten verzichtet, dann muss etwas Besonderes passiert sein. Und das war die Interpretation von Bruckners VII. Symphonie durch das Bruckner Orchester unter Markus Poschner am Donnerstag im nur mäßig besetzten Brucknerhaus.

Was bei Anton Bruckner meist zu kurz kommt, ist die Orchestration, die Meisterschaft der klanglichen Farbigkeit, die man vielfach nicht aus seinen Partituren herausliest. Genau hier hat Markus Poschner bei seiner Interpretation angesetzt. Nicht künstlich aufgesetzt, sondern ganz natürlich aus der Steuerung der Gruppen erwachsen.

Das bedeutet ein akkurates Einfordern disziplinierter Pianissimi in den Streichern, um sonst oft im Klangrausch untergehende Figuren hörbar zu machen, und die Bereitschaft, das Augenmerk nicht unbedingt auf die höchsten Stimmen zu lenken, sondern auch die zweiten Geigen dann zu Gehör zu bringen, wenn sie inhaltlich etwas Wichtiges zu sagen haben. Gleichzeitig reduziert diese Vorgehensweise die bei Bruckner übliche dynamische Massierung, und schafft ein durchsichtiges Klangbild, das Details offenlegt, ohne die pathetische Größe zu verlieren. Somit war Bruckners VII. tatsächlich neu zu erleben, weil viel Bedeutsames, was sonst unter der ohnehin bekannten Oberfläche verschwindet, sich Gehör verschaffen konnte. Ideen zu haben, ist das eine, aber es bedarf in einem Orchester vieler Partner, um diese auch umsetzen zu können.

Und hier hat Markus Poschner sein Bruckner Orchester voll hinter sich gehabt, das bereitwillig an die dynamischen Grenzen gegangen ist und in allen Registern außergewöhnlich klangschön und absolut makellos gespielt hat. Die Konzentration war förmlich zu fühlen und der Wille, hier Großes zu leisten, unüberhörbar. Zu Recht jubelte das Publikum über die absolut gelungene Wiedergabe.

Nicht nur Bruckner wurde zelebriert, sondern im ersten Teil auch Jean Sibelius’ VII. Symphonie. Zwei Werke, die einander ergänzen und an diesem Abend zur Freude des Publikums sogar überhöhten.

Brucknerhaus: Konzert mit dem Bruckner Orchester unter Markus Poschner, 26.4.

OÖN Bewertung:

 

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