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Kultur

Kunstszene: Von Sammlungen und An-Sammlungen

Von Sarah Estermann   27. September 2011 00:04 Uhr

Kunstszene
Arbeit von Erich Steininger

Der Trend, dass Wirtschaftsunternehmen Kunst kaufen, ist schon seit Längerem zu beobachten, besonders in finanzstarken Regionen wie Oberösterreich. Man spricht hier von so genanntem „Corporate Collecting“.

Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, nur stellt sich hin und wieder die Frage, ob jede Ansammlung von Kunstobjekten gleich eine Sammlung im engeren Sinne ist. Natürlich, nicht jeder ist ein Liaunig, nicht jeder ein Essl. Der dahinterstehende Impuls ist auch nicht immer in erster Linie die Leidenschaft, der Anspruch herausragende Kunst zusammenzutragen oder, weniger idealistisch, das Investieren in wertsteigernde Objekte.

Der Linzer ICON Wirtschaftstreuhand GmbH geht es nach eigener Aussage vielmehr um das Schaffen eines Kommunikationskanals, um Identitäts- und Imagebildung. Über die Kunst soll es zu einem Austausch kommen, zum Beispiel bei Vernissagen. Aber: Wen soll eine so konventionelle Auswahl an eher durchschnittlicher Kunst locken?

Zur Zeit zeigt ICON erstmals ihre zwischen 2009 und 2011 gesammelten Werke, an die 70 klein- und mittelformatige Grafiken, und darüber hinaus Werke von Erich Steininger. Die Büroräume selbst eignen sich durchaus zur Präsentation von Kunst. Durch eine intelligente Architektur, die sich den Ansprüchen von Kunstwerken weitgehend anpasst, entsteht eine nicht uninteressante Koexistenz zwischen Arbeits- und Schauraum. Große Glaseinlässe ermöglichen einen Einblick in die Büros, in denen Werke aus der An-Sammlung gehängt sind.

Im Foyer sind die Arbeiten von Erich Steininger ausgestellt, 1939 im Waldviertel geboren, Studium an der Akademie der Bildenden Künste von 1963 bis 1970. Wie kaum ein anderer österreichischer Künstler hat er sich mit höchster Konzentration dem Medium Holzschnitt gewidmet.

Ästhetisch überzeugend

Es sind das Entwickeln einer unendlich scheinenden Formenvielfalt und der Kontrast Hell-Dunkel bzw. Farbe-Nichtfarbe, die den Mittelpunkt seiner Arbeit darstellen. Seine großformatigen Werke spiegeln eine Entwicklung vom Figurativen ins Abstrakte wider. Linien werden verdichtet, zu Gesamtkompositionen vernetzt. Im Gegensatz zu einigen anderen gezeigten Künstlern überzeugen seine Arbeiten zumindest unter ästhetischen Gesichtspunkten. Ein Wunsch: Mehr Mut und Gespür bei Ankäufen und weniger Nebenerwerbskünstler.

Info: bis 30. September in der ICON GALERIE, Stahlstraße 14, Linz, Mo-Fr 8-12 Uhr.

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