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Single – mit sich in bester Gesellschaft

Die Linzer Psychologin Isabella Woldrich über freiwillige und unfreiwillige Singles. "Wer einen Partner sucht, muss zuerst selbst glücklich sein, um attraktiv zu wirken", sagt die Expertin.

Single – mit sich in bester Gesellschaft

. Bild: colourbox

Die Welt der Singles ist zweigeteilt. Die einen genießen ihr Solodasein, haben es sogar selbst gewählt. Sie sind mit sich in bester Gesellschaft. Die anderen suchen – teils sogar verzweifelt – einen Partner und geraten dabei in einen Teufelskreis. "Das ist gemein, wenn du dieser Typ Single bist, dann strahlst du aus: Nimm mich! Und das schreckt ab. Man klammert zu schnell und schlägt das andere Geschlecht in die Flucht", sagt die Linzer Psychologin Isabella Woldrich.

Dabei ist es heutzutage völlig normal geworden, länger Single zu sein. "Die Jungen werden in den Luxus hineingeboren und haben dann das primäre Ziel, ihren Lebensstandard, den sie vom Elternhaus gewohnt sind, zu erhalten. Daher steht die Karriere an erster Stelle und eine Beziehung ist in dieser Zeit zweitrangig", sagt Woldrich. Die Partnersuche verlagert sich zeitlich nach hinten. "Die Lebenserwartung ist im Vergleich zu früher gestiegen, da haben wir auch viel mehr Zeit, uns das Leben einzuteilen", sagt die Expertin.

Natürlich gibt es auch nach wie vor jene, "die mit 22 heiraten und Kinder bekommen. Aber da gilt oft die Devise: Wir müssen nicht unbedingt zusammenbleiben. Die materiellen Zwänge sind weggefallen." Viele brechen dann aus der Beziehung aus, um sich als Single selbst zu verwirklichen. Das liegt laut Woldrich daran, "dass wir noch nicht gelernt haben, dass man auch, wenn man sehr verschieden ist, ein Paar sein kann".

Freiwillig Single sind auch viele ältere Menschen, die sich sagen: "Ich tue mir eine Beziehung nicht mehr an."

Die meisten Singles wünschen sich aber irgendwann wieder einen Partner und haben dann oft Schwierigkeiten, jemanden zu finden.

"Ich habe sehr hohe Ansprüche und möchte keinen Kompromiss eingehen", nennen Alleinstehende in einer Studie von Elite-Partner als einen der Hauptgründe für ihr Single-Dasein. "Diese Menschen tragen noch Lasten aus alten Beziehungen mit sich und wollen einen Wunderpartner, der all die schlechten Eigenschaften der Ex-Männer nicht hat. Das kann nicht funktionieren", sagt Woldrich.

Auswege aus der Singlefalle

Man müsse nach einer gescheiterten Beziehung erst wieder lernen, mit dem eigenen Leben glücklich zu sein. "Dazu ist es wichtig, wieder eigene Hobbys zu haben und nach seinen Interessen zu leben, sich nicht abhängig von anderen zu machen. Dann wirkt man wieder attraktiv für das andere Geschlecht." Wichtig ist auch, sich einen stabilen Freundeskreis aufzubauen, mit dem man seine Vorlieben teilen kann.

Und eine "Tatortanalyse" sollte auch nicht fehlen. Denn viele fischen in den falschen Gewässern nach einem Partner. Ein schüchterner Mensch ist beispielsweise in einem In-Lokal nicht richtig aufgehoben. "Für einen solchen Menschen ist es besser, er geht dorthin, wo er von der Gruppe getragen wird. Das ist beispielsweise der Fall, wenn er einem Verein beitritt, in dem er seine Interessen lebt und Gleichgesinnte trifft", sagt Woldrich. "Wichtig bei der Partnersuche ist vor allem, dass das, was ich fordere, auch mit dem zusammenpasst, was ich zu bieten habe."

"Ich bin ein glücklicher Single“

Stefan Bumberger aus Ansfelden ist 38 Jahre alt und wandert seit drei Jahren auf Solopfaden. „Vorher war ich fünf Jahre lang in einer Beziehung. Es war schon eine harte Umstellung, auf einmal wieder alleine zu sein“, sagt er und fügt hinzu: „Meine Freunde haben mir sehr geholfen, mein Leben in den Griff zu bekommen. Wenn man sich in der Wohnung verkriecht, bringt das schließlich auch nichts.“

Jetzt ist er „glücklicher Single. Mir geht es im Großen und Ganzen gut“. Er genießt seine Freiheit, etwa nach dem stressigen Job als Disponent heimzukommen und seine Ruhe zu haben. Fieberhaft auf der Suche nach einer Frau ist Stefan Bumberger nicht. „Ich habe schon einen 17-jährigen Sohn. Nachwuchs gibt’s also bereits. Warum soll ich mir da einen Stress machen?“, sagt er. Der Ansfeldner hat hingegen viele weibliche Bekannte, „die mit aller Gewalt einen Mann suchen“. Warum das so ist, erklärt er sich so: „Ich glaube, für viele Frauen ist es härter Single zu sein, als für Männer, weil sie mehr Zuneigung brauchen.“
Probleme, Frauen kennenzulernen, hat der 38-Jährige nach eigenen Angaben nicht. „Ich wäre nicht abgeneigt, aber die Richtige war bisher noch nicht dabei.“

Zahlen & Fakten

33,9 Prozent der Oberösterreicher leben laut Statistik Austria allein, das sind immerhin 206.400 Männer und Frauen. Die Single-Hochburg ist Linz mit mehr als 50.000 Einpersonenhaushalten. Der Großteil der Alleinlebenden sind ältere Frauen. Die Zahl der Ein-Personen-Domizile stieg binnen zehn Jahren um 21,4 Prozent.

Gründe für das Singlesein:
„Ich habe sehr hohe Ansprüche.“ (35 Prozent)
„Ich bin eher schüchtern.“ (35 Prozent).
„Ich fokussiere mich zur Zeit auf meinen Job und meine Karriere.“ (31 Prozent).
„Ich treffe immer wieder bindungsunwillige Menschen.“ (29 Prozent).
„Die Vorteile des Singlelebens sind mir auf Dauer wichtiger als eine Partnerschaft.“ (24 Prozent).
„Ich bin wenig attraktiv.“ (18 Prozent)
„Ich verdiene zu wenig Geld.“ (18 Prozent)
„Mein Bildungsniveau schüchtert viele ein.“ (18 Prozent)
„Ich kann mich schwer festlegen, weil es eventuell noch besser passende Partner gibt.“ (17 Prozent)
„Ich bin zu alt.“ (14 Prozent)

Quelle: ElitePartner-Studie

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Artikel Sabine Novak 19. April 2014 - 00:05 Uhr
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