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Brauchtum

Lichtgestalten des Advents und was ihnen heilig ist

Von Roswita Fitzinger  30. November 2019 00:04 Uhr

Sie sind Teil aller Weltreligionen. Namenstage erinnern an sie. Sie werden als Schutzpatrone und bei Krankheiten angerufen. Die katholische Kirche kennt mehr als 6000 Heilige. Eine vorweihnachtliche Spurensuche.

Die Heiligen sind weder Übermenschen noch perfekt zur Welt gekommen. Sie sind wie wir, wie jeder von uns, sie sind Menschen, die, bevor sie die Herrlichkeit des Himmels erlangten, ein normales Leben geführt haben, mit Freuden und Schmerzen, Mühen und Hoffnungen. Was aber hat ihr Leben verändert? Als sie die Liebe Gottes erkannt haben, sind sie ihm mit ganzem Herzen nachgefolgt, bedingungslos und ohne Heuchelei. Diese Worte stammen von Papst Franziskus. Auch wenn die Bedeutung von Heiligen im Schwinden ist, gelten sie als Vorbild für Menschlichkeit.

4. Dezember: Heilige Barbara

Über ihre Schönheit und ihren scharfen Verstand berichten die Legenden von der heiligen Barbara. Sie war eine Märtyrerin des 3. Jahrhunderts. Als sie sich taufen ließ, erboste das den heidnischen Vater derart, dass er sie dem römischen Statthalter Marcianus auslieferte. Dieser ließ Barbara foltern, konnte sie aber nicht zur Entsagung ihres Glaubens bewegen. Ein blühender Zweig in ihrer Gefängniszelle spendete ihr Trost, besagt die Legende. Barbara wurde enthauptet. Der rachsüchtige Vater selbst soll das Urteil vollstreckt haben. Gleich darauf traf ihn ein Blitzschlag – am 4. Dezember 306.

Weil sie lange in einem Turm in der Finsternis eingesperrt war, wurde die hl. Barbara unter anderem zur Schutzpatronin der Bergleute, die ihre schwere Arbeit auch zum größten Teil in der Finsternis des Berges verrichten müssen. Sie gilt als Symbol der Wehr- und Standhaftigkeit. Noch heute ist es am Gedenktag der heiligen Barbara vielerorts Brauch, Kirschzweige zu schneiden und in einer Vase mit Wasser ins Haus zu stellen. Wenn die Zweige bis Weihnachten blühen, wird das als gutes Zeichen für die Zukunft gewertet.

Barbara war ein junges Mädchen, das für ihre Überzeugung einstand. Auf der Suche nach einem aktuellen Pendant kommt einem etwa Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg in den Sinn, die ihrerseits viele inspirierte, wie etwa die Gymnasiastin Ida Bersch. Die Schärdingerin initiierte die „Friday for Future“-Proteste in Oberösterreich und erhielt dafür den Solidaritätspreis der Diözese Linz.

6. Dezember: Heiliger Nikolaus

Eine der bekanntesten Heiligengestalten der Vorweihnachtszeit ist der hl. Nikolaus – der Schutzpatron der Kinder, Reisenden und Seeleute. Nikolaus lebte im 4. Jahrhundert und war Bischof in der Stadt Myra, dem heutigen Demre in der Türkei. Die Verehrung war von Beginn an von der Erinnerung an seine Güte und Hilfsbereitschaft bestimmt. Nikolaus von Myra gilt als ein Heiliger, der die Hand reicht – auch anderen Konfessionen und Religionen, er wird in der Ostkirche ebenso verehrt wie im Westen.
Zahlreiche Legenden ranken sich um den hl. Nikolaus. So verschenkte er unter anderem das Geld, das er von seinen Eltern erbte, an die Armen und Hilfsbedürftigen. Der Überlieferung nach bewahrte er auch seine Heimatstadt Myra vor einer Hungersnot, indem er die Seeleute eines vor Anker liegenden Kornschiffes überzeugte, der Bevölkerung einen Teil des Getreides zu überlassen.
Wie es ist, zu hungern und zu frieren, erfuhr Wolfgang Puchner in seiner Kindheit. Als Priester leitete der Steirer ein Internat für 80 moslemische Buben in Istanbul, kümmerte sich um eine Delogiertensiedlung in Graz ebenso wie um 100 Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. 1990 gründete der mittlerweile 90-Jährige die VinziWerke, die sich um Menschen kümmern, die aus der Bahn geraten sind und deshalb in Armut leben. Mittlerweile zählt die Organisation österreichweit 40 Einrichtungen, in denen täglich bis zu 450 Menschen Unterkunft finden und 1400 Personen mit Essen bzw. Lebensmitteln versorgt werden.

8. Dezember: Heilige Maria

„Mariä Empfängnis“ ist vom Festinhalt her ein oft missverstandenes Fest. Es wird nicht, wie irrtümlich häufig angenommen, die Jungfräulichkeit Mariens gefeiert, sondern die Überzeugung der Kirche, dass Maria ohne Sünde gewesen ist. Mariä Empfängnis stellt die Einzigartigkeit der Gestalt Marias in den Mittelpunkt.
In Österreich hat der Feiertag am 8. Dezember eine jahrhundertelange Tradition, die bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurückreicht. In der NS-Zeit wurde der Feiertag zwar abgeschafft, aber nach Ende des Krieges führte ein von hunderttausenden Österreichern getragenes Volksbegehren zu seiner Wiedereinführung. Der Nationalrat beschloss im Jahr 1955, dass der 8. Dezember wieder als Feiertag begangen werden soll – als Dank für die wiedererlangte Freiheit Österreichs.
Auf eine besondere Art der Mutterschaft kann auch Kinderdorfmutter Simone Winkler verweisen (siehe Artikel links).

13. Dezember: Heilige Lucia

Der Legende nach entstammte die 286 in Syrakus auf Sizilien geborene Lucia (übersetzt „die Leuchtende“) einer vornehmen Familie. Sie wollte schon früh Jungfrau bleiben und ihr Leben Gott widmen und gilt als das erste Opfer der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian im frühen 4. Jahrhundert. Sie versorgte Christen, die sich in Katakomben versteckt hielten, mit Lebensmitteln. Um die Hände frei zum Tragen zu haben, setzte sie sich einen Kranz mit Lichtern auf den Kopf. Als sie sich weigerte, einen reichen Mann zu heiraten, verriet sie dieser beim Kaiser, der sie hinrichten ließ.
Bis zur Gregorianischen Kalenderreform 1582 wurde Lucia am Mittwintertag, dem dunkelsten Tag des Jahres, gefeiert. Ihr Gedenktag ist hierzulande nicht so gebräuchlich wie beispielsweise in Italien, wo Lucia eine Volksheilige ist, oder in Skandinavien, wo an diesem Tag viele Lichterbräuche populär sind. Sie verweist als lichtvolle Gestalt auf den Sieg des Lichts über die Dunkelheit.

Licht bringt Jahr für Jahr die OÖNachrichten-Leserschaft zu den Landsleuten, die in Not geraten sind. Durch ihre Spenden kann das OÖN-Christkindl seit mehr als 50 Jahren die Sorgen etwas lindern und zumindest zu etwas helleren Weihnachten verhelfen.

 

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