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Wirtschaft

Synthetische ETFs haben in Österreich bei Steuern einen Nachteil

Von nachrichten.at/apa   10. Mai 2022 07:45 Uhr

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(Symbolbild)

WIEN. Passive Investmentfonds, oft als Exchange Traded Funds (ETFs) bezeichnet, die einen Index synthetisch mit Derivaten nachbilden, haben in Österreich gegenüber physisch replizierenden Indexfonds einen Steuernachteil, der die Netto-Performance um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte pro Jahr schmälern kann.

Das stellten österreichische ETF-Anleger in einem deutschen Wertpapierforum fest. Von Steuerexperten wird bestätigt, dass sich replizierende ETFs bei der Steuer berechenbarer verhalten.

"In der Tat weisen swap-basierte ETFs in der Regel einen höheren Anteil realisierter und damit steuerpflichtiger Substanzgewinne auf", erklärt Thomas Wilhelm, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Ausländischer Investmentgesellschaften in Österreich (VAIÖ) und Partner beim Steuerberatungsriesen EY, der mit seinem Team rund 10.000 ausländische Fonds, darunter auch viele ETFs wie jene von iShares, in Österreich vertritt, auf APA-Anfrage.

Dieser Umstand kann bei Swap-ETFs zu einer Überbesteuerung führen. "Ja, bei swap-basierten ETFs kann es in der Tat, während der Behaltedauer gehäuft zu einer Überbesteuerung (in Relation zur Performance) kommen, im Zeitpunkt des Verkaufs sollte sich dies jedoch idealerweise wieder ausgleichen", so Wilhelm. Übersteigt jedoch die Summe der bisher gezahlten KESt, die Steuer, die im Zeitpunkt der Veräußerung anfällt, ist ein Ausgleich der Überbesteuerung nur möglich, wenn man andere Wertpapiere hält, bei denen man im selben Kalenderjahr einen Gewinn realisieren kann.

Haltedauer wirkt sich positiv auf Rendite aus

Grundsätzlich gilt: Fällt während der Haltedauer keine oder kaum Kapitalertragssteuer (KESt) an, sondern erst bei Verkauf des Wertpapiers, ergibt sich ein Steuerstundungseffekt, der sich, je länger man den Fonds hält, durch den Zinseszins positiv auf die Rendite auswirkt. Wird hingegen während der Haltedauer schon ein großer Teil oder sogar zu viel KESt fällig, fallen Anlegerinnen und Anleger um diesen Effekt um. Es geht also um die Frage, wann wie viel KESt fällig wird. Am größten ist dieser Steuerstundungseffekt bei physisch replizierenden, thesaurierenden Aktien-ETFs.

Wie Wilhelm sagt, sind voll replizierende ETFs in puncto Steuern berechenbarer. Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Zusammensetzung der Fonds und den Besteuerungsvorschriften in Österreich. Voll replizierende Fonds halten nämlich tatsächlich jene Aktien, die im jeweiligen Index vertreten sind. Zu realisierten Substanzgewinnen kommt es meist nur bei Indexanpassungen oder bei größeren Anteilsrücknahmen. Synthetische ETFs hingegen investieren nicht direkt in jene Titel, die im Index enthalten sind, sondern halten völlig andere Wertpapiere als Basisportfolio. Die Wertentwicklung des Basisportfolios wird gegen die Wertentwicklung des abzubildenden Index getauscht. Dadurch kommt es häufig zu einer erheblichen unterjährigen Realisierung von Gewinnen.

Gewinne aus Swap-ETFs werden als Erträge gewertet

In Österreich basiert die Besteuerung von Wertpapieren und Investmentfonds auf dem Transparenzprinzip. Das heißt, Fonds sollen so besteuert werden als würde der Anleger die Papiere des Fonds selbst halten. Dies gilt auch für Tauschgeschäfte (Swaps) und andere Derivate, was wiederum bedeutet, dass die höheren, innerhalb eines Swap-ETF realisierten Gewinne als sogenannte ausschüttungsgleiche Erträge zu werten sind, die jährlich KESt-pflichtig sind.

Der Vermögensberater und auf Honorarbasis arbeitende Versicherungsmakler Wolfgang Staudinger, der mit seinem Start-up fynup die Performance unterschiedlicher Anlageformen und -hüllen berechnen kann, sagt, der maximale Unterschied bei der Frage, ob bei ETFs die KESt bereits zur Gänze während der Haltedauer anfällt oder erst zur Gänze am Ende der Sparphase nach 30 Jahren, liegt bei einer angenommenen Brutto-Rendite von 7 Prozent bei maximal 0,4 Prozentpunkten pro Jahr. Viel entscheidender bei einem langfristigen Anlagehorizont sei die Wahl die Hülle, die provisionsfreie, honorarbasierte Fondspolizze habe hier gegenüber dem Wertpapierdepot einen Steuervorteil, der bei hohen Renditen mehrere Prozentpunkte ausmachen könne. Staudinger rät aus einem anderen Grund von Swap-ETFs ab, da bei diesen nicht klar sei, ob das mit den Derivaten einhergehende Kontrahentenrisiko nicht doch einmal schlagend wird.

ETFs sind Fonds, die ohne Fondsmanager auskommen und lediglich einen Index wie den ATX oder den DAX nachbilden. Bei solchen passiven Fonds sind die Kosten für die Anlegerin oder den Anleger deutlich niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds. Laut der deutschen Stiftung Warentest kosten globale Aktien-ETFs nur etwa 0,3 bis 0,5 Prozent pro Jahr. Herkömmliche Investmentfonds kosten oft das Drei- bis Fünffache, gemessen anhand der Total Expense Ratio (TER).

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