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Berufe mit Zukunft

"Manchmal reicht es, einfach die Hand von jemandem zu halten und ihm zuzuhören"

Von Sonderthemen-Redaktion   29. Januar 2022 00:04 Uhr

"Manchmal reicht es, einfach die Hand von jemandem zu halten und ihm zuzuhören"
"Weil Helfen so einfach sein kann" lautet das Motto von Sandra. In ihrem Beruf erleichtert und erhellt sie anderen Menschen den Alltag.

Nach fast 27 Jahren in der Pflege hat Sandra Petz aus Hörsching einen Neuanfang gewagt und sich als mobile Betreuerin selbstständig gemacht. Uns hat sie erzählt, warum sie in diesem Beruf endlich angekommen ist und welche Momente sie besonders berühren.

Spazieren gehen, kochen, bei Alltagsaufgaben oder der Körperpflege unterstützen oder einfach Gesellschaft leisten und zuhören – all das gehört zu den Aufgaben von Sandra Petz. Sie ist als mobile Betreuerin in Ober- und Niederösterreich im Einsatz. Den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit hat Sandra im vergangenen Oktober gewagt. Davor war sie lange Zeit als Pflegehelferin – später "Pflegeassistentin" – tätig.

"Seit 1997 war das Krankenhaus mein Arbeitsplatz", erzählt die 44-Jährige. "Ich bin stolz auf alles, was ich in dieser Zeit gelernt und geleistet habe, und dankbar für die vielen Erfahrungen, die ich machen durfte." Irgendwann aber sei der Zeitpunkt gekommen, an dem sie merkte, dass sie etwas verändern musste.

Gefühl, sich im Kreis zu drehen

"Mir kam es vor, als würde ich mich im Kreis drehen; ich hatte Sehnsucht nach einer neuen, erfüllenden Aufgabe. Dass ich einer Arbeit nachgehen möchte, mit der ich anderen helfe, stand für mich aber immer außer Frage." Eine Freundin von Sandra hatte sich zu der Zeit bereits in der mobilen Betreuung selbstständig gemacht und ihr davon erzählt. "Ich dachte mir, dass das etwas wäre, das perfekt zu mir passen würde", so Sandra Petz. "Denn ich bringe das notwendige Know-how und die Fähigkeiten mit." Natürlich musste der berufliche Neustart wohlüberlegt werden. "Schließlich ist es eine Riesenentscheidung, die Sicherheit eines Jobs nach so vielen Jahren aufzugeben und den Sprung in etwas Neues zu wagen."

Doch die Oberösterreicherin packte es an, kündigte im Krankenhaus, meldete das freiberufliche Gewerbe an, gestaltete Visitenkarten und begann, Werbung in eigener Sache zu machen. Und siehe da: Es dauerte nicht lange, da meldete sich schon der erste Klient. "Ein Sohn, der jemanden für die Betreuung seiner Mutter suchte, schrieb mich über Facebook an", erzählt Sandra. "Und so startete ich also in mein zweites Berufsleben."

Zuerst beschnuppert man sich

Wie aber läuft eine solche Betreuung in der Regel ab? "Die Leute rufen mich an oder schreiben mir und wir vereinbaren ein unverbindliches Kennenlernen", erklärt Sandra. "Dabei beschnuppert man sich erstmal gegenseitig und ich kläre ab, was der Klient von mir erwartet. Auch der Preis und der Umfang des Betreuungsbedarfs werden vereinbart." Letzerer sei ganz individuell, so Sandra. "Zu manchen Klienten fahre ich dreimal pro Woche, zu anderen einmal wöchentlich oder alle 14 Tage." Mehr als vier Klienten pro Tag habe sie aber nie eingeplant, um allen ihre volle Aufmerksamkeit und Energie widmen zu können. Ihre Aufgaben sind vielfältig: "Es handelt sich nicht um eine mobile Pflege, sondern um Betreuungsangebote. Meine Tätigkeiten reichen von der Gartenarbeit über das Spazierengehen mit dem Hund bis hin zum Einkaufen oder der Nagelpflege. Ich unterstütze meine Klienten in vielen Bereichen des Alltags." So verschieden wie ihre Aufgaben sind auch die Menschen, die die Betreuung in Anspruch nehmen: "Zu meinen Klienten gehören unter anderem eine 55-jährige Dame, die aufgrund einer MS-Erkrankung im Rollstuhl sitzt, aber auch mehrere Personen, die über 80 Jahre alt sind."

Schöne und vor allem berührende Erlebnisse gäbe es in dem Beruf viele. "Sehr bewegt hat mich, als eine 91-jährige Dame vor Freude weinte, als ich nach meinem Urlaub wieder vor ihrer Tür stand. Sie hatte Angst, dass ich nicht mehr kommen würde." Anderen, die sich ebenfalls beruflich verändern und den Schritt in diese Branche wagen wollen, würde Sandra Petz raten: "Traut euch! Wenn man das Gefühl hat, anzustehen, sollte man etwas ändern, auch wenn man dafür seine Komfortzone verlassen muss!" Anfangs bedurfte es natürlich auch bei ihr viel Selbstmotivation. "Ich habe sogar eine Art Tagebuch geschrieben, mit motivierenden Sätzen wie: Ich kann das! Ich schaffe das!", lacht Sandra. "Ich habe aber auch das Glück, dass mein Partner und meine Familie mich voll und ganz unterstützen." Apropos Familie: Auch Sandras 20-jährige Tochter Selina ist mittlerweile in die Fußstapfen der Mama getreten und als mobile Betreuerin tätig. "Sie macht das ganz toll und bekommt viel positives Feedback", so Sandra stolz. Die Hörschingerin hat den Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut, ganz im Gegenteil. "Ich bin angekommen", sagt sie und das spürt man auch.

Kontakt: auf Facebook unter "Sandra Petz" oder telefonisch unter 0660 / 97 999 52.

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