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Wirtschaft

"Personalisierte Medizin könnte für Med-Uni ein Innovationsmotor sein"

Von Ulrike Rubasch   12. März 2014 00:04 Uhr

"Personalisierte Medizin könnte für Med-Uni ein Innovationsmotor sein"
Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, in Linz

LINZ. Personalisierte Medizin könnte für die Linzer Medizin-Uni ein zukunftsträchtiger Schwerpunkt sein, sagt Reimund Neugebauer, der Präsident der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft.

Das ist Europas größte Organisation für angewandte Forschung mit mehr als 22.000 Mitarbeitern. Auf ihr Konto gehen unter anderem die Erfindung des mp3-Kompressionsformats für Ton-Dateien oder die Erfindung von LED-Lampen. Neugebauer stellte Österreichs Forschung beim Innovations-Tag der WKOÖ in Linz kein schlechtes Zeugnis aus.

Wie ist es um die Innovationskraft Österreichs bestellt?

In Europa zählt Österreich mit Platz 9 im Innovations-Index nicht zur führenden Gruppe, weltweit liegt Ihr Land auf Platz 23 und damit im vorderen Feld. Österreich ist gut aufgestellt in Sachen Forschung. Doch vom Wirkungsgrad der eingesetzten Forschungsmittel bezogen auf das, was hinten herauskommt, ist durchaus noch Potenzial da.

Wo gibt es Verbesserungsbedarf?

Wir haben in Österreich eine Untersuchung bei rund 70 Unternehmen durchgeführt. Das Ergebnis hat gezeigt, dass Kreativitätstechniken sehr gut angewendet werden, aber Defizite bei der Vernetzung und bei Open Innovation vorhanden sind. Also: Die Bereitschaft, in Netzwerken zu arbeiten und neue Dinge etwa mit Kunden offen zu entwickeln, ist noch relativ gering.

Haben die Österreicher Angst, ihr Wissen zu teilen?

Eine gewisse Ingenieurs- und Unternehmerkultur gebietet Vorsicht, die ja auch oft gut ist. Man muss nicht auf jede technische Blase aufspringen, denn nur 50 von 2000 Ideen werden ein erfolgreiches, marktreifes Produkt. Aber wie gesagt, Österreich steht nicht schlecht da, etwa beim weltweiten Pro-Kopf-Anteil von forschungsintensiven Waren. Da liegt Österreich direkt hinter Deutschland und weit vor den USA.

Österreich hinkt bei der Forschungsquote den Zielen hinterher. Es scheint, dass für Bankenrettung Milliarden verfügbar sind, ein paar Millionen für die Forschung hingegen nicht.

Wenn Politik Gesellschaft gestalten will, muss sie in die Zukunft und somit in Menschen investieren. Österreich hat seine Schätze in den Köpfen der Menschen, nicht im Boden.

In Oberösterreich soll rund um die Medizinische Fakultät eine Forschungslandschaft entstehen. Was braucht es für einen international beachteten Erfolg?

Wenn Spitzenforschung passieren soll, muss man vorhandene Stärken ausbauen, aber auch auf neue Felder wie personalisierte Medizin setzen und in internationale Verflechtung investieren. Personalisierte Medizin meint, dass zum Beispiel Medikamente viel besser auf die kranke Person abgestimmt werden müssen. Dazu muss jeder Mensch schnell und einfach analysiert werden, um zu wissen, welche Dosis an Medikamenten beim Herrn Neugebauer richtig ist, wenn er Kopfweh hat. Das wird in Europa sehr wichtig werden. Ich bin überzeugt, dass sich hier in Zukunft völlig neue Marktchancen auftun werden – ähnlich wie bei der Erfindung von mp3. Damals haben wir in Deutschland nicht einmal einen Abnehmer für diese Technologie gefunden. Heute sind allein bei uns 9000 Arbeitsplätze auf Basis von mp3-Applikationen entstanden. Das Wichtige ist, dass Forschung ergebnisoffen sein soll. Das kann auch Auftragsforschung sein. Der Reiz hier ist – anders als bei Grundlagenforschung –, dass wir die Welt dabei nicht erklären, sondern verändern.

 

Innovationstag 2014

Zum zweiten Mal trafen sich rund 300 Unternehmer in der Wirtschaftskammer Oberösterreich, um sich dem Thema Innovation zu widmen. Wirtschaftskammerpräsident Rudolf Trauner warnte, dass Österreich bei verschiedenen Innovations-Ranglisten zuletzt zurückgefallen sei. „Uns droht ein Rückfall ins Mittelmaß.“ Er forderte 200 Millionen Euro zusätzliche Bundesmittel im Jahr für Oberösterreich, um die Benachteiligung gegenüber anderen Bundesländern auszugleichen.

Henrietta Egerth legte die neuen Akzente in der Förderstrategie der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) dar. Sektionschef Michael Losch sprach über die künftigen Schwerpunkte der österreichischen Technologie- und Innovationspolitik.

 

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