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Wirtschaft

Fipronil-Eier: Rückholaktion in Oberösterreich

Von nachrichten.at/apa   11. August 2017 14:19 Uhr

Untersuchungen im Labor

LINZ. Nach dem Auftauchen von nach Österreich importierten Eiern, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sein könnten, ist in Oberösterreich eine Rückholaktion angelaufen.

Außerdem gab es Stichprobenkontrollen der Lebensmittelaufsicht. Das teilte der zuständige Landesrat Rudi Anschober (Grüne) am Freitag mit. Alle mit der Thematik befassten Offiziellen rieten in Reaktionen zu heimischen Eiern.

Bei zwei Großhändlern, die mehrere Hundert Kilo gekochte und geschälte Eier von in Deutschland als betroffen geltenden Chargen für die heimische Gastronomie importiert hatten, war eine Rückholaktion in der Umsetzung. Bei einem Betrieb war dies am Freitag schon vollständig abgeschlossen, weil die Packungen noch gar nicht ausgeliefert worden waren. Gezogene Proben wurden zur Analyse an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) weitergeleitet. Ergebnisse seien werden für Anfang kommender Woche erwartet.

Details dazu im Video: 

Gleichzeitig überprüfte die Lebensmittelaufsicht in Oberösterreich Betriebe, die stark im Eier-Import tätig sind. Vorerst wurden 25 Proben gezogen, die ebenfalls bis kommende Woche analysiert werden. Anschober erklärte: "Wichtig ist die Feststellung, dass nach bisherigem Informationsstand Frischeier im Handel direkt für die Konsumenten derzeit nicht betroffen sind". Alle österreichischen Produkte hätten sich bei Beprobungen als "sauber" erwiesen.

Anschober, ÖVP-Bauernbundpräsident Jakob Auer, der oö. Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger (ÖVP), der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber, und der Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, Franz Reisecker, rieten deshalb zur Verwendung heimischer Eier. Sie forderten darüber hinaus, nur eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung auch bei verarbeiteten Lebensmitteln und in der Gastronomie sowie in Großküchen biete Sicherheit.

Die AGES hat bisher (Stand 11.08.2017) Frisch-Eier, Backwaren, Hühnerfleisch, Kekse, Mayonnaise, Teigwaren und Waffeln aus dem österreichischen Einzelhandel auf Fipronil untersucht. "Alle bisherigen Ergebnisse waren negativ, das bedeutet, es konnte kein Fipronil in den Lebensmitteln nachgewiesen werden", teilte die AGES am Freitag mit.

Die von den Lebensmittelbehörden der Länder gezogenen Verdachtsproben würden derzeit von der AGES untersucht. Die Ergebnisse würden den Landesbehörden übermittelt werden, die bei Bedarf weitere Maßnahmen würden, hieß es. Die Tests laufen in einem Labor der Agentur in Innsbruck ab, wohin die von den Behörden gezogenen Proben geschickt werden. Die Untersuchungen dauern rund drei Tage. Die Methodik dazu sei vorhanden, man könne damit auch sehr geringe Konzentrationen an Fipronil nachweisen.

Die EU-Kommission will am 26. September ein Krisentreffen zu dem Fipronil-Skandal um mit Insektizid verseuchte Eier abhalten. Eine EU-Kommissionssprecherin sagte am Freitag in Brüssel, alle betroffenen Staaten sollten an dem "hochrangigen Treffen" teilnehmen.

Die Sprecherin sagte, das Treffen sollte mit einer gewissen Distanz zu den gegenwärtigen Vorgängen stattfinden, auch sollten bis dahin alle Fakten geklärt sein. Ziel sei es aus den derzeitigen Fällen Lehren zu ziehen und zu schauen, wie das EU-System für Lebensmittelsicherheit verbessert werden könnte.

In Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich wurden nach Angaben der EU-Kommission wegen dem Fipronil-Skandal bisher landwirtschaftliche Produktionsstätten geschlossen. Verseuchte Eier seien bisher nach Schweden, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Irland, Italien, Luxemburg, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien und Dänemark exportiert worden. Außerhalb der EU seien mit Fipronil verseuchte Eier auch in der Schweiz und in Hongkong festgestellt worden.

Es sei davon auszugehen, dass "rund 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert worden sind", berichtete die "Rheinische Post" (Freitag) unter Berufung auf eine Antwort des deutschen Landwirtschaftsministerium auf eine Anfrage der Grünen.

Wie viele der Eier in den Handel gelangten, lasse sich nicht mit Sicherheit abschätzen, berichtete die Zeitung mit Verweis auf das Landwirtschaftsministerium in Berlin weiter.

Insgesamt zwölf europäische Ländern meldeten bis Donnerstag Funde von Fipronil. Auch in Österreich bestätigte die Lebensmittelaufsicht Oberösterreich am Donnerstag erstmals, dass hierzulande verdächtige Eier aufgetaucht sind, die mit dem Insektengift verseucht sein dürften. 

Fipronil ist ein unter anderem bei Hunden und Katzen erlaubtes Insektengift, das gegen Hautparasiten wie Läuse, Milben und Flöhe wirkt. In hohen Dosen kann die Substanz für Menschen gefährlich sein. Wie sie genau wirkt, ist allerdings nicht bekannt.

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