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Erfinder der Digitalkamera: „Scheitern gehört zelebriert“

Von Elisabeth Eidenberger, 19. Jänner 2012, 15:38 Uhr
Erfinder der Digitalkamera: „Scheitern gehört zelebriert“
Steven Sasson (61) mit seiner 1975 entwickelten „elektronischen Kamera“ Bild: Kodak

LINZ/NEW YORK. Es war Steven Sasson, der 1975 die Welt der Fotografie auf den Kopf gestellt hat. Der New Yorker hat die Digitalkamera erfunden und sprach darüber im Interview am 17. September 2011 mit den OÖNachrichten.

OÖN: Sie haben die Digitalkamera 17975 erfunden. Wann haben Sie zuletzt mit einer analogen Kamera fotografiert?

Sasson: Bewusst für eine analoge Kamera hab ich mich entschieden, als ich 1998 einen Ausflug zum Yellowstone-Nationalpark machte. Ich wollte sicher gehen, dass die Auflösung auch wirklich stimmt, wenn ich die vielen Tiere fotografiere. Danach hab ich endgültig zur Digitalkamera gewechselt.

OÖN: Sind Sie selbst ein guter Fotograf?

Sasson: Um Himmels willen, nein. Ich habe zwar viele Profi-Fotografen getroffen, ich selbst knipse aber nur gern.

OÖN: Wie kommt man auf die Idee, eine Digitalkamera zu erfinden? Wacht man eines Morgens auf und denkt sich: Heut ist ein guter Tag, etwas Revolutionäres zu erfinden?

Sasson: Nein gar nicht. Ich war damals frisch bei Kodak und mein Vorgesetzter wollte mich, glaube ich, einfach irgendwie beschäftigen. Er meinte, es gebe ein neues ladungsgekoppeltes  elektronisches Bauteil, das Charge-coupled Device. Ich sollte schauen, ob man das irgendwie nutzen kann. So ergab eines das andere.

OÖN: Wie kamen Sie dann auf die Digitalkamera?

Sasson: Ich überlegte mir, wie man die Bilder machen kann, auf welche Weise man sie ohne Filmrolle speichert und wie man sie danach betrachten kann. Schlussendlich wollte ich ein portables Gerät entwickeln, das elektronisch funktioniert und keine beweglichen Teile mehr in sich hat.

OÖN: Wie lange hat es gedauert, bis Sie Ihr erstes digitales Foto gemacht haben?

Sasson: Etwa ein Jahr. Bis dahin waren ich und mein Kollege nur zwei Typen, die in einem Labor vor sich hin gearbeitet haben. Niemand hat uns wirklich beachtet.

OÖN: Wie sah die Kamera aus?

Sasson: Ich finde ja, sie zwar ein wunderschönes Ding. Auch wenn andere sie ziemlich hässlich finden. Ich habe sie im Laufe meiner Karriere bei Kodak bei mir in meiner Schreibtischlade und habe sie immer mit übersiedelt, wenn ich ein anderes Büro gekriegt habe. Trotzdem ging sie irgendwie immer wieder verloren. Deshalb hab ich einen Sticker raufgeklebt mit der Aufschrift: „Please return to Steven Sasson.“ Das klappt ganz gut – ich krieg sie immer wieder.

OÖN: Wem haben Sie Ihre Erfindung als erstes gezeigt und wie?

Sasson: 1976 haben wir es erstmals intern in einem Konferenzraum präsentiert, und zwar Leuten, die wir davor noch nie gesehen hatten. Ich habe gewartet bis sie im Raum waren, hab die Kamera hochgehoben und ein Foto geschossen. Die 23 Sekunden, die das Speichern dann gedauert hat, habe ich technische Details erklärt. Dann hab ich ein zweites Bild gemacht und wieder 23 Sekunden erklärt – und dann sind die Fotos schon auf dem Bildschirm erschienen.

OÖN: Und die Reaktion?

Sasson: Ja, die war gut. Sie hatten gleich eine ziemliche Reihe an guten Fragen. Und, ehrlich gesagt, wir hatten nicht immer gute Antworten darauf.

OÖN: Warum?

Sasson: Die technischen Tricks konnten wir gut erklären. Die Fragen richteten sich aber vielmehr Richtung Zukunft: Welche Bildqualität wird die Kamera haben, wann wird sie sich auf dem Markt durchsetzen? Und so weiter. Es war so eine disruptive Technologie, eine revolutionäre Innovation, die eine unsere bestehenden Kameras mit Filmrollen möglicherweise vollständig verdrängen könnte – niemand konnte sich vorstellen, dass die Welt dafür schon bereit wäre.

OÖN: Und tatsächlich hat es noch 20 Jahre gedauert, bis sich die Digitalkamera wirklich durchgesetzt hat.

Sasson: Ja, weil es nicht nur die Kamera, sondern eine ganzes digitales System gebraucht hat, das erst entwickelt werden musste – zum Beispiel Speichermedien, Computer und Drucker.

OÖN: Haben Sie in dieser Zeit jemals das Gefühl gehabt: Ich lass es lieber bleiben?

Sasson: Oh ja, viele Male. Aber ich war so fasziniert von der Technologie und so überzeugt, dass wir wirklich etwas Großes bewirken können, dass ich dran geblieben bin. In Wirklichkeit konnte uns nichts aufhalten.

OÖN: Sie waren in Ihrer Erfinder-Zeit 25 Jahre alt – ein Vorteil oder Nachteil?

Sasson: Definitiv ein Vorteil. Ich stand am Anfang meiner Karriere, ich hatte nichts zu verlieren. Da darf man auch mal verrückte Sachen sagen und über die Zukunft spekulieren.

OÖN: Wenn Sie zurückblicken – würden Sie etwas anders machen?

Sasson: Vieles. Aber vor allem, finde ich, war ich zu zögerlich und habe zu viel auf Experten gehört, die mir immer wieder erklärt haben, warum meine Technologie nicht funktionieren wird. Ich hätte mich hinsetzen und ein Szenario der Zukunft niederschreiben sollen, um die Diskussion konkreter zu machen und Dinge zu beschleunigen. Kurz gesagt: Ich hätte ein bisschen lauter schreien sollen.

OÖN: Was würden Sie jungen Entwicklern für ihren Erfolg raten?

Sasson: Keine Angst vor dem Scheitern zu haben. Man wird immer dafür bezahlt, Antworten zu finden, effizient zu sein. Manchmal wäre es aber wichtiger, gute Fragen zu stellen. „Ich weiß es nicht“ zu sagen ist eben sehr ungemütlich. Ich finde, das Scheitern sollte viel mehr zelebriert werden. Heute noch mehr als früher.

OÖN: Wie viele Kameras haben Sie?

Sassons: Tja, wenn ich mich in meine Büro so umsehe, sicher acht oder neun, die auch wirklich benutzt werden.
 

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