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Wirtschaft

Die Rebellen der Volksbank Almtal bieten Wien die Stirn

Von Alexander Zens   18. April 2015 00:04 Uhr

Die Rebellen der Volksbank Almtal bieten Wien die Stirn
Das Finanzministerium verlangt, dass sich 41 regionale Volksbanken zu acht Instituten zusammenschließen.

SCHARNSTEIN/WIEN. Die kleine Volksbank Almtal leistet vehementen Widerstand gegen die von Wien geplante Fusionswelle im Volksbankensektor. Von einer „Enteignung der Genossenschafter“ spricht der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Drack. Die Finanzmarktaufsicht droht mit der Abwicklung der Bank, die wirtschaftlich bestens da steht.

Die Volksbank Almtal leistet Widerstand gegen die Fusionswelle im Volksbankensektor. Das Institut mit Sitz in Scharnstein und rund 100 Millionen Euro Bilanzsumme ist eine von bundesweit nur noch drei "Abtrünnigen", die von der Finanzmarktaufsicht (FMA) nicht eingefangen werden konnten.

Wie berichtet, wurde im November beschlossen, dass aus 41 regionalen Volksbanken acht werden sollen – etwa die Volksbank Oberösterreich. Das ist ein Teil des Restrukturierungsplans zur Aufarbeitung des Debakels des Spitzeninstituts Volksbanken-AG (ÖVAG), für das auch die Steuerzahler herhalten mussten.

Die Volksbank Almtal will aber nicht fusionieren, weil sie mit mehr als 30 Prozent Eigenkapitalquote und überdurchschnittlichen Ergebnissen gut dasteht.

Finanzministerium und FMA haben allen Rebellen sogar mit der Abwicklung ihrer Bank gedroht.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volksbank Almtal und Unternehmer Klaus Drack sagt: "Ich bin nicht überzeugt von dem Konzept aus Wien." Das Sparpotenzial sei nicht nachvollziehbar, Kreditvergaben würden länger dauern, Fehlentscheidungen zunehmen. Jobs gingen verloren.

Eine Zwangsfusion wäre eine Enteignung der Genossenschafter, sagt Drack. Er sehe nicht ein, warum eine gut wirtschaftende Bank für die Misere der ÖVAG in Wien einstehen solle und diese nun das Weisungsrecht gegenüber den Volksbanken habe.

"Wir haben den Vorstand beauftragt, alternative Zukunftsszenarien zu prüfen", sagt Drack.

Ein Beispiel wäre eine Stand-Alone-Lösung, bei der die Almtaler nicht fusionieren, aber weiter die Servicefunktionen des künftigen Spitzeninstituts in Anspruch nehmen. Angesichts bestehender Verträge schließt Drack den Gang vor Gericht nicht aus.

Generalversammlung im Mai

Für Anfang Mai hat die Volksbank Almtal nun die von der FMA lange geforderte Generalversammlung einberufen. "Die Genossenschafter werden entscheiden, welcher Weg gegangen wird", sagt Drack. Knapp 2000 Unternehmer, Landwirte, Privatpersonen und Mitarbeiter sind Mitglieder.

Die Volksbanken seien eine Schicksalsgemeinschaft eingegangen, sagt FMA-Chef Klaus Kumpfmüller: "Nun müssen sie zusammenbleiben, um einen schlagkräftigen Sektor aufzustellen. Es wird kein Ausscheren geben." Eine Stand-Alone-Lösung rechne sich nicht, weil die Dienstleistungen des Spitzeninstituts oder Rechenzentrums nicht mehr zu den bisher günstigen Konditionen verfügbar sein würden.

"Die Volksbanken haben über Jahre als Gesellschafter der ÖVAG deren Entscheidungen, die zu Fehlentwicklungen führten, mitgetragen", sagt Kumpfmüller. Als kleine Bank habe man keine Einsicht gehabt oder die Chance, etwas zu verhindern, kontert Drack.

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