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Wirtschaft

Der Mister Fotobuch ist Mühlviertler

Von Dietmar Mascher   25. April 2015 00:04 Uhr

Happy Foto
Bernhard Kittel hat die Fotoproduktion revolutioniert.  

FREISTADT. Am meisten fotografiert wird heute mit dem Smartphone, für die Wiedergabe ist allerdings das Fotobuch am beliebtesten. Warum, das lesen Sie im OÖN-Wirtschaftsmagazin „Pegasus“.

Wenn Sie vor fünf Jahren gesagt hätten, dass ich einmal mit dem iPhone fotografiere statt mit der Kamera, hätte ich einen fünfstelligen Euro-Betrag dagegen gewettet. Ich hätte verloren", sagt Bernhard Kittel. Der gelernte Fotograf, der 1978 in Freistadt die Firma Happy Foto gegründet hat, sieht in den Smartphones die Auslöser für den nächsten Paradigmenwechsel in seiner Branche. Und eine große Chance. "Der Fotoapparat ist vielleicht tot, das Foto allerdings noch lange nicht", sagt Kittel.

Dies lässt sich auch an Zahlen festmachen. Die Zahl der verkauften Fotokameras hat sich 2014 innerhalb eines Jahres halbiert. Nur noch 50 Millionen Stück wurden verkauft. Gleichzeitig steigt die Zahl der Fotos, die gemacht werden. Das hängt mit den Smartphones zusammen. 1,2 Milliarden wurden von ihnen 2014 verkauft. Und die Qualität steigt rapid. Kittel, der selbst als Taucher wunderschöne Fotos geschossen und dazu eigene Fotobücher herausgegeben hat, hat sich davon selbst überzeugt und eigene iPhone-Fotos zu Postergröße (80 x 120 cm) aufblasen und drucken lassen. Die Qualität ist bei den neuen Smartphones bestechend, vor allem wenn die Lichtsituation passt.

happy Foto Fotobücher via Smartphone
Die Fotobücher sind mittlerweile das Hauptgeschäft des Freistädter Unternehmens.

Die Fotobücher sind mittlerweile das Hauptgeschäft des Freistädter Unternehmens.

"Der kleine Landfotograf"

Darauf hat Kittel nun reagiert. Keine Sekunde zu früh, wie er selbst sagt. Denn der Markt für Fotodrucke befindet sich in einem ständigen Wandel, und Happy Foto als kleiner Spieler auf dem Markt drohte fast den Anschluss zu verlieren. "Früher hat es genügt, die schnellsten Produktionsmaschinen, die auf dem Weltmarkt verfügbar waren, auszulasten, um in europäischen Ländern als kleiner Landfotograf mit dem Branchenriesen CEWE mithalten zu können", sagt Kittel. CEWE ist das größte Fotolabor Europas, beschäftigt 3200 Mitarbeiter und setzt 523,8 Millionen Euro um.

Doch das Geschäft ist schwieriger geworden. Die verschiedenen Software-Versionen, die für die Erstellung von Fotobüchern notwendig sind, verschlingen Unsummen, viel Geld für ein vergleichsweise kleines Unternehmen mit 84 Mitarbeitern und 22,6 Millionen Euro Jahresumsatz.

happy Foto Fotobücher via Smartphone
Die Spaß-Abteilung bei Happy Foto: Lieblingsfotos in Posterformat, auf Leinwänden, Kaffeetassen und Acryl.

Die Spaß-Abteilung bei Happy Foto: Lieblingsfotos in Posterformat, auf Leinwänden, Kaffeetassen und Acryl.

Da hilft es auch nichts, dass Happy Foto vor 13 Jahren der erste Anbieter war, das den Upload für Fotobücher in Österreich geschaffen hat und vor acht Jahren bei den Fotobüchern ganz vorne dabei war. Die Abhängigkeit von der Software eines großen Anbieters, der mittlerweile von Fuji übernommen wurde und sukzessive Technologieführerschaft abgeben musste, hat Kittel veranlasst, sich nach einer Alternative umzusehen.

Erste Früchte aus Hongkong

Die Alternative hat der Mühlviertler Kittel in Hongkong gefunden. Dort hat er sich mit 50 Prozent an der Softwarefirma eines Österreichers beteiligt. Und diese Beteiligung trägt nun erste Früchte.

In diesen Tagen bringt Happy Foto eine App für das iPhone auf den Markt, mit der man Fotobücher auf dem Handy mit bis zu 300 Fotos erstellen kann. Das funktioniert auch offline. "Wenn man in den Urlaubsflieger einsteigt, kann man schon auf dem Nachhauseweg sein Fotobuch erstellen", sagt Kittel. Die Features der Smartphones wie etwa das stimmenbasierte Eingabesystem Siri können dabei ebenso genutzt werden wie Hintergründe und Bildbearbeitungsmodi, die Kunden von der PC-Software kennen.

Wenig später soll die Fotobuch-App auch für Android-Smartphones und alle anderen gängigen Tablets verfügbar sein. "Meine Vision ist, dass das Smartphone erkennt, dass zuletzt verstärkt fotografiert worden ist, und die App von sich aus vorschlägt, ein Fotobuch zu erstellen", sagt Kittel.

Eigenes Design

In den nächsten drei Jahren will Kittel fünf Millionen Euro in die Softwareentwicklung in Hongkong investieren. Neben der Software für die mobilen Geräte sollen in Hongkong auch Designs für ClipArt und Hintergründe sowie Themenumgebungen für Fotobücher entworfen werden. Die Rechte dafür stellen nämlich auch einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor dar.

happy Foto Fotobücher via Smartphone
Bernhard Kittel hat die Fotoproduktion in Österreich mitbeeinflusst. Dazu zählte auch der Bau moderner Produktionsstraßen. »Industrie 4.0 haben wir schon lange.«

Bernhard Kittel hat die Fotoproduktion in Österreich mitbeeinflusst. Dazu zählte auch der Bau moderner Produktionsstraßen. »Industrie 4.0 haben wir schon lange.«

Mit der Fotobuch-App will Kittel nicht nur jüngere Kunden ansprechen, sondern er möchte auch erreichen, dass sich die Auslastung der Maschinen besser über das gesamte Jahr verteilt. Denn derzeit konzentriert sich der Großteil des Geschäfts auf die beiden Monate vor Weihnachten. "Da könnten wir viele Mitarbeiter einstellen", sagt der 62-jährige Unternehmer im Gespräch mit den OÖNachrichten.

Noch stärker sind die Schwankungen bei der herkömmlichen Fotoausarbeitung. An schwachen Tagen werden bei Happy Foto in Freistadt 50.000 Fotos bestellt, an starken Tagen aber eine Million. Der Anteil am Gesamtumsatz ist aber rückläufig.

happy Foto Fotobücher via Smartphone
Die klassische Fotoausarbeitung ist zwar rückläufig. An manchen Tagen werden aber eine Million Bilder erzeugt.

Die klassische Fotoausarbeitung ist zwar rückläufig. An manchen Tagen werden aber eine Million Bilder erzeugt.

"Fotobuch hält 100 Jahre"

Dem Fotobuch prophezeit Kittel dagegen ein längeres Leben. "Computer und Smartphones können abstürzen, ein Fotobuch hält hundert Jahre", sagt der Unternehmer, der sich als das schwarze Schaf seiner Familie bezeichnet. Als einziges von vier Geschwistern habe er nicht studiert, nach der fünften Klasse Gymnasium die Schule abgebrochen. Mit der Fotografenlehre habe er aber die Lust am Unternehmertum gefunden, seinen MBA hat er mit 52 nachgemacht.

Die Bereitschaft, ständig zu lernen und Dinge zu verändern, sei auch die einzige Chance, wie man als Mittelständler gegen große Konkurrenz überleben könne, sagt Kittel, der mit Happy Foto Marktführer in Österreich, Tschechien und der Slowakei ist und auch in Deutschland und Bulgarien auf dem Markt ist. Von den 84 Mitarbeitern sind 70 in Freistadt beschäftigt, unmittelbar nach der Grenze sind noch zwölf tschechische Mitarbeiter für die Marktbetreuung zuständig.

 

Zahlen

50 Millionen Fotokameras wurden weltweit im Jahr 2014 verkauft. Das war ein Rückgang um 50 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Dafür wurden 2014 1,2 Milliarden Smartphones verkauft. Allesamt mit Kameras, die auch eifrig genutzt werden. Denn die Zahl der geschossenen Fotos nimmt weiter zu.

62 Prozent aller Fotos, die in Österreich gemacht werden, werden mit dem Smartphone geschossen. Mit der neuen Generation wie iPhone 6 lassen sich Bilder, die bei guten Lichtverhältnissen gemacht wurden, auf Postergröße ausdrucken.

Eine Million Fotobücher im Jahr stellt allein der Freistädter Fotospezialist Happy Foto her. Daneben werden auch Spezialprodukte wie Fototassen, Poster, Fotoleinwände und individuelle Dankes- oder Einladungskarten produziert.

 

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