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„Du machst die Augen zu und hoffst“

Von Von Christoph Zöpfl   30. März 2009 00:04 Uhr

Robert Wagner will mit Stefan Matschiner nichts zu tun haben.

LINZ. Leichtathletik-Manager Robert Wagner glaubt, dass der mutmaßliche Dopingmittel-Verteiler Stefan Matschiner nicht die Zentralfigur eines großen Netzwerkes ist. Er selbst habe ein reines Gewissen.

OÖN: Wenn man in Oberösterreich auf Doping-Spurensuche ist, stößt man immer wieder auf dieselben Namen. Matschiner, Stechemesser, Kiesl und auch Robert Wagner ...

Wagner: Die Szene ist klein und überschaubar. Es ist klar, dass ich in diesem Umfeld unterwegs bin, das muss aber nicht heißen, dass ich ein Bestandteil eines Netzwerkes sein muss.

OÖN: Kennen Sie Matschiner näher und trauen Sie es ihm zu, Doping im großen Stil organisiert zu haben?

Wagner: Ich kenne Matschiner, möchte aber nichts mit ihm zu tun haben. Ich glaube, es taugt ihm sehr, in der Öffentlichkeit zu stehen, auch wenn es um Negativgeschichten geht. Dass er ein großer Macher in der Doping-Szene ist, glaube ich eher nicht. Dafür ist er nicht clever genug. Nur wird es jetzt schwer werden, seine Hintermänner zu erwischen. Denn die haben sich längst aus dem Staub gemacht und die Spuren verwischt.

OÖN: Wird in Österreich jetzt trotzdem ein Doping-Sumpf freigelegt?

Wagner: Die großen Doping-Zeiten sind vorbei. Vor 10, 15 Jahren war das anders, aber jetzt funktioniert die Kontrolle vor allem in Mitteleuropa ganz gut. In Österreich haben das einige lange nicht wahrhaben wollen, aber schön langsam haben sie es bei uns auch gecheckt. Wobei auch die Politik in der Vergangenheit eine besondere Rolle gespielt hat. Früher wurde viel zugedeckt, da war plötzlich die Mühle zu, wenn sich jemand getraut hat, die richtigen Fragen zu stellen.

OÖN: Sie hatten immer wieder Sportler unter Vertrag, die wegen Dopings gesperrt wurden. Es fällt schwer zu glauben, dass Sie nie gewusst haben, was da läuft.

Wagner: Ich bin mir sicher, dass jeder Trainer es bald merkt, wenn ein Athlet zu dopen beginnt. Die Leistungskurve, der veränderte Körper – wenn ein Trainer behauptet, er habe von nichts gewusst, dann lügt er entweder oder er ist ein völliger Schwachkopf.

OÖN: Und ein Manager merkt nichts?

Wagner: Du machst die Augen zu und hoffst. Du willst es gar nicht wissen. Das ist so, wie jemand hofft, dass seine Frau keinen Freund hat, und gewisse Hinweise einfach ignoriert. Ich habe aber meine Zusammenarbeit mit österreichischen Athleten beendet, weil es damals zu wenige Trainingskontrollen in Österreich gegeben hat.

OÖN: Sind Sie vom Saulus zum Paulus geworden?

Wagner: Fakt ist, dass ich mit dem Internationalen Leichtathletikverband IAAF im Kampf gegen das Doping eng zusammenarbeite. Ich habe nur dann eine Zukunft als Manager, wenn alle Athleten Bestandteil eines dopingfreien Sports sind. Die Erfolge meiner Athleten sind seit vielen Jahren sehr limitiert, aber dafür kann ich guten Glaubens sagen, dass ich nur Athleten nehme, von denen ich überzeugt bin, dass alles in Ordnung ist. Auch wenn ich dafür belächelt werde, dass meine Gruppe nicht mehr so gut ist.

OÖN: Glauben Sie, dass der Kampf gegen das Doping wirklich einmal zu gewinnen ist?

Wagner: Derzeit nicht, es wird wohl noch eine oder zwei Athleten-Generationen dauern. Am schlimmsten sind die gängigen Ausreden, dass ohnehin alle dopen und man es ohne Doping nicht schaffen kann. Hier muss ein Umdenken stattfinden.

OÖN: Ist das nicht naiv?

Wagner: Nicht unbedingt. Gerade in der Leichtathletik kommt man vor allem in den technischen Disziplinen auch clean in die Weltklasse. Beim Hochsprung kannst du dopen, was du willst, wenn die Technik nicht passt, hilft das nicht. Das Laufen ist wieder eine andere Geschichte.

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