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WM 2018

Otto Baric: "Alle glauben fest daran, dass sie Großes schaffen können"

11. Juli 2018 00:04 Uhr

Otto Baric: "Alle glauben fest daran, dass sie Großes schaffen können"
Otto Baric, Ex-Teamchef Kroatiens und Österreichs

ZAGREB. Halbfinale: Für den ehemaligen österreichischen und kroatischen Nationaltrainer ist heute der Teamgeist der Auswahl aus seiner Heimat der Trumpf gegen England (20 Uhr).

Otto Baric wird auch mit 85 Jahren des Fußballs nicht müde. Für einen kroatischen Sport-TV-Sender analysiert der frühere österreichische und kroatische Teamchef in Zagreb die WM in Russland. Der Erfolgslauf der kroatischen Nationalmannschaft, die heute gegen England um den Finaleinzug spielt (20 Uhr), kommt für ihn nicht überraschend.

"Kroatien kann schon seit längerer Zeit mit den besten Mannschaften mithalten", erklärte Baric. "Dass sie so weit kommen, ist höchstens eine kleine Überraschung." Von den Namen her ist Kroatiens Semifinaleinzug tatsächlich keine Sensation. Luka Modric, Ivan Rakitic, Mario Mandzukic, Marcelo Brozovic, Ivan Perisic – vor allem im Mittelfeld sind die Südosteuropäer mit überbordendem Talent gesegnet. "Der Schlüssel ist die sehr gute Stimmung zwischen Trainerstab und Spielern. Sie alle glauben fest daran, dass sie Großes schaffen können. Das ist sehr wichtig in einem Turnier."

Der 51-jährige Teamchef Zlatko Dalic war vor der WM als Trainer ein eher unbeschriebenes Blatt. Er hatte in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gearbeitet. Als Teamchef baute er eine Wohlfühloase. "Die Verständigung im Verband ist viel besser als früher, besser als viele Jahre", erklärte Baric, der Kroatien selbst zur EM 2004 geführt hat. Damals war bereits in der Vorrunde Schluss. Das Entscheidungsspiel verlor seine Truppe damals 2:4 – ausgerechnet gegen England. "Sie waren damals einfach besser, wir hingegen hatten viele Probleme im Umfeld. Ich musste dann gehen", erinnert sich Baric.

England auf Augenhöhe

Die "Three Lions" von 2018 sieht er auf Augenhöhe mit den Kroaten. "Sie sind ein guter Gegner, aber überhaupt nicht besser als wir. Sie haben eine größere Liga, größeres Potenzial und leider auch mehr gleichwertige Spieler", sagte Baric. Kroatien habe "besondere Spieler", aber nur 14 "mit Niveau für die Spitze". Sperren und Verletzungen, wie die Knieblessur von Sime Vrsaljko, seien schwierig zu verkraften. Durch den Ausfall des erprobten Rechtsverteidigers wird die eingespielte Innenverteidigung Dejan Lovren/Domagoj Vida gesprengt – ein schwerer Schlag für Kroatiens Final-Ambitionen für Baric.

Nach überzeugenden Siegen in der Gruppenphase wurde für die Kroaten in den K.o.-Runden plötzlich alles komplizierter. Gegen Dänemark und Russland konnten sie nicht mehr an die Vorrunden-Leistungen anknüpfen und schafften jeweils erst im Elfmeterschießen den Aufstieg. "Manchmal braucht man auch das nötige Glück, so ist das im Fußball", sagte Baric. Die Extra-Schichten könnten gegen England aber den Unterschied ausmachen, befürchtet der siebenfache österreichische Meistertrainer (Wacker Innsbruck, Rapid, Salzburg). "Kroatien ist schon ein bisschen müde, das könnte ein Vorteil für England sein."

"Das Niveau ist gut"

Der Endrunde in Russland stellte Baric ein zufriedenstellendes Zeugnis aus. "Das Niveau ist gut. Aber ich kann nicht sagen, dass es eine sehr gute WM ist", erklärte Baric und verwies auf den seiner Meinung nach zu großen Niveau-Unterschied insbesondere zwischen den Kontinenten. Dementsprechend wenig kann er einer zukünftigen XXL-WM mit 48 Teams abgewinnen. "Die Idee mit 48 Mannschaften ist idiotisch. Bei einer WM wollen die Leute die Besten sehen. So viele gute Nationen gibt es nicht."

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Die lange Karriere vom Otto Baric

Geboren: 19. Juni 1933 in Eisenkappel

Stationen als Spieler:
1946–52: Dinamo Zagreb
1952–58: Metalac Zagreb
1958–63: Lokomotiva Zagreb

Klubs als Trainer:
1964–67: Lokomotiva Zagreb
1967–69: SC Rüsselsheim
1969–70: Germania Wiesbaden
1970–72: Wacker Innsbruck
1972–74: LASK
1974–76: NK Zagreb
1976–79: Dinamo Vinkovci
1979–80: Dinamo Zagreb
1980–82: Sturm Graz
1982–85: SK Rapid
1985–86: VfB Stuttgart
1986–88: SK Rapid
1988–89: Sturm Graz
1989–91: Vorwärts Steyr
1991–95: SV Austria Salzburg
1996–97: Dinamo Zagreb
1997–98: Fenerbahçe Istanbul
1998–99: LASK
1999–01: Österreich
2001–02: SV Austria Salzburg

Nationalmannschaften:
1995–96: Kroatien (Co-Trainer)

1999–01: Österreich
EM-Qualifikation 2000 verpasst, WM-Qualifikation 2002 im Play-off gegen die Türkei verpasst

2002–04: Kroatien
EM-Teilnahme 2004

2006–07: Albanien
EM-Qualifikation 2008 verpasst

Erfolge:

7x österreichischer Meister
1971, 1972 mit Innsbruck
1983, 1987, 1988 mit Rapid 1994, 1995 mit Salzburg

1x kroatischer Meister
1997 mit Dinamo Zagreb

3x österreichischer Cupsieger
1984, 1985, 1987 mit Rapid

1x kroatischer Pokalsieger
1997 mit Dinamo Zagreb

Finalist im Pokal der Pokalsieger
1985 mit Rapid

Finalist im UEFA-Pokal
1994 mit Salzburg

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