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Gipfelgespräch mit Didi Constantini: Heute Held, morgen der Depp der Nation

Von Von Christoph Zöpfl, 04. September 2010, 00:04 Uhr
Didi Constantini
Didi Constantini, Österreichs Fußball-Teamchef, steht am Dienstag beim Spiel gegen Kasachstan unter Erfolgsdruck. Wieder einmal. Bild: Reuters

FLACHAU. Er tut so, als sei ihm alles wurscht: Dass die Kritiker immer lauter werden, dass sein Job wackelt, dass Radio-Moderatorinnen Witze über ihn reißen. Hauptsache, seine Mannschaft funktioniert. Ist Österreichs Fußballteamchef Didi Constantini wirklich so ein cooler Hund? Ein Gipfelgespräch.

OÖN: Denken Sie derzeit oft an Mykonos?.

Constantini: Warum an Mykonos?.

OÖN: Wenn Ihre Biografie stimmt, dann hatten Sie dort nach dem Ende Ihrer Laufbahn mit einem Freund eine Videothek und wollten ein Lokal aufbauen.

Constantini: Stimmt, genau, das war der Plan. Aber dann hat mich der Krankl Hansi angerufen und mich als seinen Co-Trainer nach Österreich zurückgeholt.

OÖN: Und jetzt sitzen Sie hier in Flachau im Regen und müssen sich über immer heftiger werdende Kritiken ärgern. Da wäre es doch auf einer griechischen Insel viel schöner ...

Constantini: Nein, nein, das passt schon. Das Aussteigen wäre nix für mich gewesen. Klar, dass ich mich hie und da über etwas ärgere, aber wenn ich das nicht aushalte, dann hätte ich diesen Job als Teamchef nicht annehmen dürfen.

OÖN: Sie sagen immer wieder, das ist ein geiler Job. Was ist denn so geil daran?

Constantini: Zum Beispiel wenn ich jetzt sehe, wie sich die Spieler freuen, wenn sie zum Team kommen, mit wie viel Einsatz sie dabei sind, dann ist das für einen Trainer einfach lässig.

OÖN: Weniger lässig ist es, wenn es sportlich nicht so läuft. Sie haben zuletzt viel Kritik einstecken müssen.

Constantini: Das habe ich davon, weil ich mir bei Freundschaftsspielen lieber Gegner aussuche, die besser sind als wir (Anm. Österreich/Nr. 60 der Weltrangliste verlor zuletzt gegen Kroatien/14 und die Schweiz /17 jeweils mit 0:1). Wenn du als Trainer g‘winnst, bist du der Hero, wenn du verlierst, der Depp der Nation. So ist das Geschäft. Das geht ja nicht nur mir so. Auch ein Gigant wie der Capello, der die Champions League gewonnen hat, wurde vernichtet, weil er mit England bei der WM in Südafrika rausgeflogen ist. Dass viele seiner Spieler nach der Meisterschaft völlig kaputt zur WM gekommen sind, hat keinen interessiert. Der Trainer ist schuld.

OÖN: ... auch dann, wenn Christian Fuchs gegen die Schweiz beim Stand von 0:0 einen Elfer verschießt ...

Constantini: Genau. Haut er den Elfer eini, hätten wir vielleicht gewonnen. Aber ich mach‘ ihm keine Vorwürfe, das bringt nichts. Der Depp bin sowieso ich.

OÖN: Nächste Frage: 4-4-2, 4-5-1, 4-1-4-1 oder vielleicht 3-3-3-1?

Constantini: Die Frage taugt mir. Ja, das ist jetzt modern geworden, dass man mit solchen Zahlen spielt. Da kennt sich ein jeder gleich aus.

OÖN: Ist Ihnen ein taktisches Konzept wurscht?

Constantini: Das Wichtigste ist der Spieler und nicht das System. Ich muss mir anschauen, welche Leute habe ich und was kann ich spielen. Oft muss ich lachen, wenn ich Analysen höre, dass eine Mannschaft ein 4-4-2 oder 4-2-3-1 oder sonstwas gespielt hat. Ein System wechselt während eines Spiels x-Mal. Aber schön, dass es so viele Fußball-Professoren gibt.

OÖN: Constantini, ein Trainer der „Old School“?

Constantini: Wenn Sie das so sehen, okay – Otto Rehhagel ist als Ur-Old-School-Trainer mit Griechenland Europameister geworden.

OÖN: Was wäre Ihr ideales taktisches System?

Constantini: Rein formal ein 4-5-1. Da hat man – vorausgesetzt der Gegner spielt ein 4-4-2 – zumindest theoretisch im Mittelfeld einen Mann mehr und kann ein Pressing spielen. Aber wie gesagt, nicht das System ist entscheidend, sondern jeder einzelne Spieler. Ich will eine laute Mannschaft auf dem Spielfeld sehen, die sollen sich ruhig gegenseitig anschreien. Wenn es zu leise ist, stimmt etwas nicht.

OÖN: Viele sehen in Österreich eine goldene Fußballer-Generation heranwachsen. Sie auch?

Constantini: Ja super, von allen Seiten kommen jetzt die Jahrhundert-Talente daher. Im Ernst: Mir geht das ein bisschen zu schnell. Wenn ein Junger einmal halbwegs einen geraden Schuss zusammen bringt, wird er schon mit Lob überschüttet. Das ist nicht gut.

OÖN: Um in die Nationalmannschaft zu kommen, braucht man keinen geraden Schuss, es genügt schon, mit dem Hintern zu wackeln. Das hat zumindest Rapid-Trainer Peter Pacult behauptet.

Constantini: Da hat der Peter nicht ganz unrecht gehabt. Ich musste damals eine neue Mannschaft zusammenbauen, weil die alte war ein zerstrittener Haufen mit Null Spaßfaktor. Da habe ich junge Leute geholt, die kaum wer gekannt hat. Aber meine Entscheidungen können nicht so schlecht gewesen sei, wenn ich mir so anschaue, wie sich ein Dragovic, Jantscher, Beichler oder Pehlivan entwickelt haben.

OÖN: Beim Start in die EM-Qualifikation am Dienstag gegen Kasachstan erwartet jeder von Österreich einen Sieg. Geht da etwas schief, werden viele Ihren Kopf fordern. Ist das der Grund, warum Sie zuletzt bei einer Pressekonferenz sehr grantig wirkten?

Constantini: Nein, das ist doch klar, dass du als Trainer weg bist, wenn deine Mannschaft nichts gewinnt. Auch die Kritik kratzt mich nicht, die Grundlage im Leben ist aber, dass man einander einen Respekt entgegenbringt. Bei der Pressekonferenz war ich nicht gut drauf, weil ich eine Stund‘ vorher erfahren hab, dass der Bua von einem Freund gestorben ist. Der war 27 Jahre alt. Da ist mir wieder bewusst geworden, dass Fußball nicht wirklich das Wichtigste auf der Welt ist.

Didi und das Stubaital

Wintereinbruch im August: Beim Teamcamp der Nationalmannschaft in Flachau, wo die Fußballer im mondänen Lacknerhof logieren, tragen diese Woche die Berge schon ein weißes Schneehauberl. Das mit den OÖN vereinbarte Gipfelgespräch wurde daher nicht wie ursprünglich geplant nach einer Wanderung in einer Berghütte, sondern bei einem Italiener im Tal geführt. Natürlich hätten wir mit dem Snowjet-Sessellift Richtung Grießenkareck schweben können, um ein alpines Ambiente vorzutäuschen, aber diesen Aktionismus haben wir Constantini erspart, obwohl er schon ein Bergfex ist. In seinem familiären Basislager in Telfes im Stubaital tankt er auf 1100 Meter Seehöhe Energie. Nach zwei Knieoperationen ist er dort auch flott unterwegs, nur „mein Doktor darf das halt nicht wissen“.

Eine zweite Energie-Tankstelle liegt auf Null Meter Seehöhe. In Sharm el Sheik am Roten Meer hat Constantini als „Pensionsvorsorge“ einige Appartements die er vermietet, eines bewohnt er selbst ab und zu.

Zum Thema „Geld“ hat er ein erdiges Verhältnis. „Wenn Leute, die viel verdienen, sagen, Geld sei nicht wichtig, dann ist das ein Affront jenen Leuten gegenüber, die jeden Euro umdrehen müssen. Natürlich ist Geld wichtig. Und wenn man mit dem, was man am liebsten macht, viel Geld verdienen kann, dann ist das ein Geschenk des Himmels. Wer das nicht kapiert, ist ein Trottel.“

Familienmensch und Feuerwehrmann

Dietmar „Didi“ Constantini wurde am 30. Mai 1955 in Innsbruck geboren und spielte als Profi für Wacker Innsbruck, den LASK, Union Wels, dem FavAC und dem Wiener Sportclub. Als Legionär war er ein Jahr lang in Griechenland (AO Kavala).

Die Trainerlaufbahn begann er als Assistent von Walter Skocik bei Al Ittihad in Saudiarabien, dann war er Co. von seinem Trauzeugen Hans Krankl bei Rapid. Beim ÖFB-A-Team war er schon als Assistent von Ernst Happel, in Folge galt Constantini als „Feuerwehrmann“, der im Ernstfall einsprang. Seit März 2009 ist er ÖFB-Teamchef. Seine beliebten Nachwuchs-Camps organisiert er immer noch.

Constantini ist verheiratet und hat zwei Töchter. Der Familienmensch lebt in Telfes im Stubaital.

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