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Landespolitik

Reformer erhöhen den Druck auf die Bischöfe

07. November 2011 00:04 Uhr

Reformer erhöhen den Druck auf die Bischöfe
Wie reagiert die Bischofskonferenz? Kardinal Christoph Schönborn und Bischof Egon Kapellari

LINZ. Was tut eine römisch-katholische Pfarre, wenn sie keinen Priester für die Sonntagsmesse hat? Mit ihrer Antwort auf diese Frage haben fünf Reforminitiativen am Wochenende in Linz den Druck auf die Bischöfe erhöht, die von heute bis Donnerstag in Salzburg tagen.

Einig sind sich die Reformer mit der Kirchenleitung über die Bedeutung der Eucharistiefeier: Der Gottesdienst, in dem durch die Wandlung nach dem Verständnis der Kirche Christus in Brot und Wein gegenwärtig wird, sei „Höhepunkt, Kraft und Quelle des Glaubens“. Doch immer öfter würden Priester für die Eucharistiefeier fehlen, lautet die Kritik. Dann muss ein Wortgottesdienst als Ersatz dienen.

Mit dieser Situation sollen sich die Gläubigen laut der Laien-Initiative, der Plattform „Wir sind Kirche“, der Pfarrer-Initiative, der „Priester ohne Amt“ und einer Salzburger Gruppe nicht abfinden müssen: Wenn ein Bischof keinen Priester schickt, dann „werden die Gemeinden unter Berufung auf das Allgemeine Priestertum ihre Verantwortung wahrnehmen, um die Feier der Eucharistie (...) weiterhin zu ermöglichen“.

Auf Nachfrage der OÖNachrichten bestätigten Vertreter von Laien-Initiative und „Wir sind Kirche“, dass damit auch eine Feier ohne Priester gemeint sein kann. „Wenn keine Priester da sind, müssen wir zwangsweise zur Urkirche zurück“, sagt Renate Bachinger von der Laien-Initiative. Damals habe es noch keine geweihten Priester gegeben. „Lieber wäre uns, wenn der Priestermangel durch geänderte Zulassungsbedingungen entschärft würde“, sagt Bachinger. Also fordern die Reformer eine Diskussion über das Ende des Zölibats und die Frauenweihe.

Mit Hans Peter Hurka von „Wir sind Kirche“ betont Bachinger, dass sich die Empfehlung nicht gegen die Priester wendet. Hurka räumt ein, dass mit der Befolgung der Reformer-Empfehlung ein kirchenrechtliches Problem entstehen kann. „Aber das ist nicht unser Anliegen.“ Es gehe nicht um ein formales Nachspielen einer Eucharistiefeier, sondern darum, dass die Gemeinden ihren Glauben authentisch feiern. „Das kann nicht verboten sein“, sagt Hurka. Bekannt ist aber, dass in der Diözese Innsbruck Untersuchungen gegen eine Gruppe wegen „privater“ Eucharistiefeiern laufen. Als Strafe droht die Exkommunikation.

Mehrheit für „Ungehorsam“

Die Pfarrer-Initiative um Obmann Helmut Schüller veranstaltete gestern auch ihre Generalversammlung in Linz. Es war das erste solche Treffen nach dem „Aufruf zum Ungehorsam“, der Aufsehen erregt hatte. 81 Mitglieder aus ganz Österreich waren gekommen und haben den Kurs des Vorstands bestätigt, wie Schüller den OÖNachrichten sagte. Kritik hätte es am Begriff „Ungehorsam“ gegeben. Letztlich habe sich aber die überwiegende Mehrheit für die Beibehaltung ausgesprochen. Nun plant die Pfarrer-Initiative eine Ausweitung ihrer Tätigkeit.

Von der heute beginnenden Bischofskonferenz erwarten sich die Reformbewegungen, dass die Hirten auf ihre Anliegen eingehen. Auch die Interessengemeinschaft der Laientheologen der Diözese Linz hatte den Bischöfen jüngst ein „Hinhören“ auf die Reformer empfohlen: „Wir glauben, dass in diesen Initiativen der Heilige Geist wirksam ist.“ (nie)

 

Kirchenrecht

Kirchenrechtlich ist festgelegt, dass nur mit einem Priester die Messe gefeiert werden kann: „Zelebrant, der in der Person Christi das Sakrament der Eucharistie zu vollziehen vermag, ist nur der gültig geweihte Priester.“ (Can. 900)

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