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Innenpolitik

PISA: Österreichs Schüler sind beim Lesen nicht einmal mehr Mittelmaß

07. Dezember 2010 00:04 Uhr

PISA: Österreichs Schüler sind beim Lesen nicht einmal mehr Mittelmaß
PISA-Test 2009: Aus den erwartet schwachen wurden teilweise schockierende Ergebnisse.

WIEN. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) legt heute die schlechtesten PISA-Ergebnisse seit Bestehen der Studie vor. Noch schlimmer als ohnehin erwartet war der Absturz in der Lesekompetenz.

Dem sinnerfassenden Lesen galt diesmal das Hauptaugenmerk der im Dreijahresrhythmus durchgeführten PISA-Studie. Und Österreichs Schüler sind dabei von Platz 16 auf 39 aus dem Mittelfeld ins hintere Drittel abgestürzt, knapp vor der Türkei, Chile und Mexiko.

Es ist der vorläufige Tiefpunkt einer anhaltenden Negativentwicklung. Seit dem Jahr 2000 steigt die Zahl der 15- bis 16-jährigen österreichischen Schüler, die nicht in der Lage sind, einfache Texte zu lesen und gänzlich zu verstehen.

Schon 2006 traf dieser Befund auf jeden vierten Prüfling zu, weshalb man von 18.000 Risikoschülern sprach. Mit 490 Punkten landete Österreich damals beim Lesen im Mittelfeld. Diesmal waren es laut „Kurier“ nur noch 470 Punkte.

Ebenfalls 2006 lieferte die internationale Lesestudie PIRLS Alarmierendes über Österreichs Volksschüler. Demnach hatten 16 Prozent der Viertklässler (hochgerechnet 14.000 Kinder) Mühe mit einfachsten Leseaufgaben (Platz 12 unter 19 OECD-Ländern).

Aber auch in der Kategorie Naturwissenschaften kann Schmied beim PISA-Test nur schlechte Nachrichten überbringen. Von 511 auf 494 ist die durchschnittliche Punktezahl der österreichischen Schüler gesunken. Aus dem guten Platz 12 im vorderen Feld wurde Platz 30 im Mittelfeld.

Mittelmaß in Mathematik

Halbwegs moderat fiel das Ergebnis in Mathematik, der letzten von drei Kategorien, aus: Von 505 Punkten 2006 blieben im Vorjahr 496 Punkte. Dass damit ein Abrutschen von Rang 13 auf Rang 24 verbunden war, lag vor allem am diesmal weitaus größeren Teilnehmerfeld. Den 31-OECD-Staaten haben sich mittlerweile 34 Partner-Länder für die Studie angeschlossen. 2006 waren es noch insgesamt 57.

Mit Schanghai/China belegte in allen drei Kategorien ein Neuling den ersten Rang. Dahinter liegen diesmal Korea und Finnland, jene Länder, die sich 2006 die Spitzenplätze aufgeteilt hatten.

Rund 470.000 Schülern des Geburtsjahrgangs 1993 wurden die standardisierten Fragebögen (Mathematik, Naturwissenschaften, Lesen) vorgelegt. In Österreich waren es 6590 Schüler an 280 Schulen aller Typen.

Suche nach Ursachen

Für viele Experten liegt die Ursache für Lese- und Verständnisschwächen in der sozialen Herkunft, also in familiär bedingter Bildungsferne. In der Schule stehen die frühe Selektion, Mängel im Leseunterricht sowie in der Sprach- und Literaturförderung besonders in der Kritik.

Mit den PISA-Zahlen gibt es neuen Zündstoff im koalitionären Tauziehen um eine Schulreform. Schmied forderte noch gestern einen „Regierungspakt“ ein. Sie will die Neue Mittelschule als Einheitsmodell für alle 10- bis 14-Jährigen durchsetzen. Der (inoffizielle) VP-Plan sieht ein Festhalten am getrennten Weg Hauptschule/Gymnasium mit etwas erleichtertem Umstieg vor. Für Frühsprachförderung, Ausbau der Kinderbetreuung sowie der Ganztagsschule gibt es immerhin grundsätzliche großkoalitionäre Übereinstimmungen.

 

Reaktionen: Vorschul-Pflicht

Keine gegenseitigen Schuldzuweisungen wollte VP-Bildungssprecher Werner Amon nach dem PISA-Debakel. Er will nun die verpflichtende Vorschule, damit alle Schüler Deutsch beherrschen. Grünen-Bildungssprecher Harald Walser gab den Regierungen der vergangenen 20 Jahre „ein glattes Nichtgenügend“. Die FPÖ sprach vom „PISA-Debakel“.

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