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Berichte: Marokko soll Minderjährige zu Flüchtlingssturm mobilisiert haben

Von nachrichten.at/apa, 21. Mai 2021, 16:01 Uhr
SPAIN-MOROCCO-EUROPE-MIGRANTS
Marokkanische Migranten an der Grenze zur spanischen Exklave Ceuta. Bild: ANTONIO SEMPERE (AFP)

MADRID/RABAT. Spanische Medien veröffentlichten Berichte, denen zufolge Marokko den Flüchtlingsansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta nicht nur provozierte, sondern auch Minderjährige mobilisierte.

Spanien hat mit Marokko ein Rücknahmeabkommen von illegal eingereisten Migranten abgeschlossen, welches aber laut internationalem Recht nicht auf unbegleitete Minderjährige angewendet werden darf. Wie unter anderem die Tageszeitung EL Mundo am Freitag berichtet, soll die marokkanische Regierung im Internet sogar Gerüchte verbreitet haben, der portugiesische Fußball-Weltstar Cristiano Ronaldo spiele in dem von Marokko umgebenden spanischen Territorium an der nordafrikanischen Mittelmeerküste, um vor allem Kinder und Jugendliche zu animieren, ebenfalls den Grenzzaun zu überschreiten, an dem Rabat in der Nacht auf Montag die Grenzkontrolle ohne Erklärung und Ankündigung aussetzte.

Sehr wohl unterrichtet davon waren aber anscheinend alle fluchtwilligen Marokkaner. "Wir hörten bereits am Sonntagmorgen von Migranten, dass es am Abend keine Grenzkontrollen mehr zu Ceuta geben würde", erklärte Helena Maleno von der im marokkanischen Tanger stationierten spanischen Flüchtlingsorganisation Caminando Fronteras der Zeitung "ABC" vor einigen Tagen.

Die Lokalzeitung "El Faro de Ceuta" berichtet von marokkanischen Eltern aus den Nachbardörfern, die Facebook-Gruppen bilden, um ihre sich anscheinend in Ceuta befindlichen Kinder zu suchen. Bis zu 720 Kinder seien nach der Schule nicht nach Hause zurückgekehrt und nach Ceuta geschwommen, um Ronaldo spielen zu sehen, ohne ihren Eltern überhaupt Bescheid gesagt zu haben. Andererseits wurden laut spanischer Medien anscheinend von der Regierung in Rabat zudem die Gerüchte in Umlauf gebracht, Spanien würde die Ankömmlinge direkt aufs spanische Festland fliegen, von wo aus sie weiter in andere EU-Staaten wie Frankreich oder Deutschland gehen könnten.

Diplomatische Verstimmungen

Am Mittwoch ging auch Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles hart mit Rabat ins Gericht. Die Weigerung der marokkanischen Sicherheitskräfte, die Migranten am Montag und Dienstag vom Grenzübertritt nach Ceuta abzuhalten, komme einem Angriff auf die Grenze Spaniens und der EU gleich, sagte Robles im spanischen Nationalradio RNE.

Marokko habe zudem Minderjährige als Druckmittel gegen Madrid eingesetzt. Die Grenzpolizei habe "Kinder im Alter von sieben oder acht Jahren" passieren lassen. "Sie haben sie benutzt, unter Missachtung des Völkerrechts", sagte Robles. Es sei "inakzeptabel", das Leben von Kindern und anderen Menschen für politische Zwecke aufs Spiel zu setzen. Spanien werde diese Art der "Erpressung" nicht hinnehmen und lasse sich nicht unter Druck setzen, betonte die Ministerin.

Auch die spanische Bischofskonferenz forderte Marokko auf, Armutsflüchtlinge und Kinder nicht weiter für ihre geopolitischen Interessen zu instrumentalisieren. "Die Verzweiflung und Verarmung vieler Familien und Minderjähriger kann und darf von keinem Staat dazu genutzt werden, die legitimen Bestrebungen dieser Menschen für politische Zwecke auszunutzen", stellte der Madrider Weihbischof José Cobo klar.

Anfang der Woche stürmten über 8.000 Migranten die spanische Exklave. 5.600 Migranten wurden inzwischen wieder nach Marokko abgeschoben, unter ihnen auch zahlreiche Minderjährige, was von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert wurde.

Grund für die Aussetzung der Grenzsicherungen waren offensichtlich Verstimmungen in Rabat mit der Haltung Spaniens im Westsahara-Konflikt. Spanien hatte sich bereit erklärt, aus humanitären Gründen den an Covid erkrankten Führer der Polisario-Unabhängigkeitsbewegung in einem spanischen Krankenhaus zu behandeln. Die Frente Polisario kämpft für die Unabhängigkeit der Westsahara, die bis 1975 spanische Kolonie war und danach von Marokko entgegen einer UNO-Resolution einfach besetzt wurde.

Rabat sah die Behandlung des Unabhängigkeitskämpfers als Affront an. Spanien müsse einen hohen Preis dafür zahlen, wenn es Marokko "diskreditiere", schrieb Marokkos Minister für Menschenrechte, Mustapha Ramid, im Onlinedienst Facebook und bestätigte damit indirekt den bewusst ausgelösten Flüchtlingsansturm auf die spanische Exklave.

Unterdessen versuchen Marokkos staatlich gelenkte Medien das Verhalten der spanischen Grenzschützer zu diskreditieren, werfen ihnen Gewalt vor. Und bezichtigen Spanien sogar der Lüge. Die Aufnahmen eines spanischen Grenzschutzbeamten bei der Rettung eines Babys, welche durch die internationalen Medien gingen und das von Marokko ausgelöste humanitäre Chaos zeigten, seien bereits vor Jahren in der Türkei gemacht worden. Spanische TV-Aufnahmen und die Polizei widerlegten die Behauptungen der marokkanischen Regierung allerdings.

EU-Kommission warnt Marokko

Unterstützung erhielt Spanien im diplomatischen Konflikt mit Marokko nun erneut auch von der Europäischen Union. Die EU-Kommission warnte Rabat, die EU-Hilfen für das nordafrikanische Land zu überprüfen, sollte dieses nicht seinen Grenzschutzverpflichtungen nachkommen. Das berichtet die Zeitung El País. Seit 2007 habe Brüssel Marokko über 13 Milliarden Euro überwiesen, mit denen neben Entwicklungsprojekten auch der Grenzschutz und die Versorgung der Migranten aus anderen afrikanischen Staaten südlich der Sahara finanziert werden sollten.

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15  Kommentare
15  Kommentare
Neueste zuerst Älteste zuerst Beste Bewertung
xerMandi (2.161 Kommentare)
am 22.05.2021 13:21

Hey, das ist ja mal ein recht umfassender Artikel zum Thema. Ich bin durchaus positiv überrascht.

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haraldkoenig (1.147 Kommentare)
am 22.05.2021 12:11

Wow ich bin beeindruckt einen Artikel zum Thema Flüchtlinge die Kommentarfunktion ist offen, wie mutig von den OON

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supercat (5.153 Kommentare)
am 22.05.2021 10:35

Frau Alev Korun von den Grünen - gut bezahlt im Nationalrat sitztend, stellt die Forderung, dass Migranten und Asylanten unbegrenzt in Österreich aufgenommen werden und zugleich eine Mindestsicherung erhalten!!

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Istehwurst (13.376 Kommentare)
am 22.05.2021 09:50

Sofort alle Hilfszusagen abstellen ..... Enklaven auflösen!

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steve08 (232 Kommentare)
am 22.05.2021 08:18

Werft sie zurück ins Meer.

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kpader (11.506 Kommentare)
am 22.05.2021 07:13

Internationaler Bann gegen Marokko.

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Tenhor.Nemsi (709 Kommentare)
am 22.05.2021 02:26

FACEBOOK-BOTSCHAFT.
Der HBP hat aufgerufen, die "Institutionen" ernst zu nehmen.

Das fällt allerdings schwer, wenn die "4. Macht im Staat"
ERST HEUTE über die Ereignisse vom Montag berichtet ...

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Paganini (741 Kommentare)
am 22.05.2021 07:32

Sie nehmen Journalisten noch ernst? Hatte in meinem Leben viel mit solchen Typen zu tun. Mir graust noch heute!!!!!🤮

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u25 (4.850 Kommentare)
am 21.05.2021 22:41

Gut so

Entwicklungshilfe auf 0 reduzieren

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fhoellersberger (18 Kommentare)
am 21.05.2021 22:24

wer ist überrascht? Hände hoch!

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spektator (2.077 Kommentare)
am 21.05.2021 18:13

Klares kalkül....
Aber die EU ist selber schuld: warum soll man nicht 16jährige wie alle anderen die illegal eine Grenze überschreiten wieder zurückweisen?

Alleine die demographische Entwicklung in den Herkunftsländern der Migranten sollte uns zu denken geben!
siehe
https://www.oemz-online.at/display/ZLIintranet/Die+strategische+Bedeutung+der+Entwicklung+in+der++Sahelzone

alleine in Nigeria werden pro Jahr mehr Kinder geboren als in der ganzen EU

Wollen die regierenden Eliten in Brüssel dieses Europa UNSEREN Kindern kaputt machen ????

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Adler55 (17.204 Kommentare)
am 21.05.2021 20:43

Ja , die AGIEREN SOWAAS VON OFFENSICHTLICH :::FÜR MÜNDIGE

Die agieren sowas von offensichtlich GEGEN unser Europa !!

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Adler55 (17.204 Kommentare)
am 21.05.2021 20:45

Die agieren sowas von offensichtlich GEGEN unser Europa !!

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zakamenem (1.021 Kommentare)
am 21.05.2021 21:33

Was soll denn dieses Geschreibsel

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Adler55 (17.204 Kommentare)
am 21.05.2021 23:23

Mei , vor lauterSorge um UNSER Europa.... kann schon mal vorkommen traurig

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