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Vertreibung: Starkes Signal aus Brünn

Von OÖN, 21. Mai 2015, 00:04 Uhr
Bild: Archiv

BRÜNN. Stadtrat in Tschechien bedauert Unrecht an Sudetendeutschen und will Versöhnung.

Die südmährische Metropole Brünn (tschechisch Brno) bedauert die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Dies steht in einer "Erklärung der Versöhnung und der Zukunft", die die Brünner Stadtvertretung am Dienstag gebilligt hat.

"Die Stadt Brünn bedauert aufrichtig die Ereignisse vom 30. Mai 1945 und den folgenden Tagen, wo Tausende Menschen zum Abgang aus der Stadt aufgrund des Prinzips der Kollektivschuld oder ihrer Sprache gezwungen wurden", heißt es in dem Dokument in Anspielung auf den "Brünner Todesmarsch" von 26.000 deutschsprachigen Altösterreichern, bei dem etwa ein Zehntel der Menschen gestorben ist. Aufgehetzte Tschechoslowaken hatten die Vertreibung als Rache für die NS-Gräuel selbst übernommen.

"Wir bringen den Wunsch zum Ausdruck, dass jedes ehemalige Unrecht verziehen werden kann und dass wir uns nicht mit der Vergangenheit belasten", sagte dazu der Brünner Oberbürgermeister Petr Vokral von der Protestbewegung ANO des Vizepremiers und Finanzministers Andrej Babis. Laut Vokral ist man sich bewusst, zu welchen menschlichen Tragödien und gesellschaftlichen Verlusten es damals gekommen sei. Die Erklärung bringe eine Hoffnung zum Ausdruck, dass es aufgrund der Kenntnisse der historischen Ereignisse nicht mehr möglich sein werde, dass sich derartige Sachen in Brünn wiederholten. "Es handelt sich um eine Hoffnung, dass wir uns die Ereignisse vom Mai 1945 im Gedächtnis behalten als ein unseliges Memento", meinte Vokral. Alle sollten das "alte Unrecht vergessen und sich gemeinsam der Zukunft zuwenden", fügte der Oberbürgermeister hinzu.

Die Erklärung war höchst umstritten, konnte aber mit der Mehrheit der liberalen ANO-Partei durchgesetzt werden. Vertreter der konservativen ODS-Partei und der sozialdemokratischen CSSD blieben der Sitzung fern. Die Stadtverordneten der Kommunistischen Partei stimmten dagegen. Südmährens Regionspräsident Michal Hasek (CSSD) sagte, Politiker sollten die Vergangenheit nicht bewerten. Von den Kommunisten war diese Haltung erwartet worden, gelten diese doch als verdeckte Antreiber der wilden und nicht durch internationale Abkommen gedeckten Vertreibungen. Zugestimmt hatten die Vertreter der TOP 09-Partei des ehemaligen Außenministers Karel Schwarzenberg.

Brünn möchte die neue Haltung jedenfalls dauerhaft beweisen: Bürgermeister Vokral hat das Jahr 2015 zum "Jahr der Versöhnung" erklärt und Zeitzeugen zu den Gedenkfeiern eingeladen. 70 Jahre nach dem "Brünner Todesmarsch" wird der Opfer gedacht: Am 30. Mai findet ein "Marsch des Lebens" von der österreichischen Grenze zurück nach Brünn statt.


114.000 Sudetendeutsche in Österreich

Vaclav Havel, der Schriftsteller und erste Präsident der Tschechoslowakei nach der Befreiung vom Kommunismus, war der erste hohe Politiker, der sein Bedauern über die Vertreibung der deutschsprachigen Bürger nach 1945 ausgedrückt hat. Wegen seiner Verdienste um die „Samtene Revolution“ konnte Havel diese unpopuläre Erklärung ohne Schaden machen.

Drei Millionen deutsche Tschechoslowaken mussten das Land verlassen, aus der von den Alliierten erlaubten „geordneten Umsiedlung“ wurden vielfach wilde Vertreibungen, die durch tschechische Politiker auf allen Ebenen noch angeheizt wurden.

Nach Österreich sind 360.000 Sudetendeutsche gekommen, geblieben sind 114.000, vor allem in Ober- und Niederösterreich sowie in Wien.

Der Brünner Todesmarsch gilt als eines der Symbole der gewaltsamen Aussiedlungen.

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14  Kommentare
14  Kommentare
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Karlchristian (4.584 Kommentare)
am 21.05.2015 15:22

oder sind sie schon außer Kraft gesetzt

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haudegen (1.168 Kommentare)
am 21.05.2015 16:03

Sie werden bei Besitzansprüchen und ähnlichen Dingen noch angewendet.
In seiner Weihnachtsansprache 1946 konnte Benes stolz verkünden: „Das diesjährige Weihnachten bekommt eine besondere Bedeutung, einen eigenen Charakter auch dadurch, dass wir es in unserem Vaterland erstmals ohne Deutsche feiern. Mit dieser Tatsache wurde eines der großen Kapitel unserer Vergangenheit liquidiert.“

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( Kommentare)
am 23.05.2015 15:18

Willst mit deinem Zitat etwas ausdrücken?


Gelten Benes-Dekrete noch? Was besagten sie?


Ich konnte Anfang der Siebziger tschechische Städte besuchen, die Ostdeutschen wurden dort derart geschnitten, dass sie oft weinten.

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landler42 (188 Kommentare)
am 24.05.2015 15:03

Benesch ist ein weiterer Nachkriegsverbrecher, wie andere auch in Polen, der kaltbluetig eine praegende Ethnie in Boehmen und Maehren das Recht auf Heimat abgesprochen hat. Die Deutschen lebten in dieser Landschaft seit 1000AD. Warum werden die Beneschdekrete nicht annuliert und einer gergelten Aufarbeitung zugefuehrt. Ist es blosser politischer Opportunismus, Nichtanteilnahme oder Feigheit?

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haudegen (1.168 Kommentare)
am 21.05.2015 15:18

Die wilde Vertreibung der Sudetendeutschen (Altösterr.) hat schon Anfang Mai 1945 begonnen und erst im Juli 1945 richtete die tschechoslowakische Regierung das Ersuchen, auf der nächsten Konferenz die Vertreibung der Sudetendeutschen zu billigen. Das Kapitel XIII der Potsdamer Beschlüsse vom 2. August 1945 trug den Titel „Geregelte Überführung der deutschen Bevölkerung“ und hatte folgenden Wortlaut:
Die drei Regierungen haben die Frage von allen Seiten erwogen und sind zu der Ansicht gelangt, dass eine Überführung deutscher Bevölkerungselemente, die in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn geblieben sind, nach Deutschland vorgenommen werden muss. Sie sind sich darüber einig, dass diese Überführung auf eine geregelte und menschliche Weise erfolgen soll (264.100 Menschen vermisst bzw. als tot erklärt?).
Die tschechoslowakische Regierung wird gleichzeitig hiervon in Kenntnis gesetzt, inzwischen weitere Ausweisungen einzustellen, bis der Bericht im Kontrollausschuss fertiggestellt ist.

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Seitenblicke (5 Kommentare)
am 21.05.2015 13:38

Ist doch wirklich positiv, daß man von Vertreibungen und Entschuldigungen dafür liest. Da gab es aber auch Fälle, wo Sudetendeutsche lebendig angenagelt wurden. Darf man bei den nahezu unerträglichen Gedenkfeiern zur Befreiung auch Fragen stellen? Lt. dem Tagebuch von Adenauer sind von 12 Millionen Vertriebenen Verlierernationen ca. 6 Millionen umgekommen. Sind die Flächenbombardements schon aufgearbeitet worden? Bei den Kriegsgefangenen Verlierern kamen 1,3 Millionen um. Angeblich haben unsere US Sieger und unsere französischen Sieger 900.000 Wehrmachtsangehörige systematisch verhungern lassen. Wird das wissenschaftlich aufgearbeitet? Zeit wärs.

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Sturzflug (6.545 Kommentare)
am 24.05.2015 15:35

mit den KZ-Opfern und der deutschen Untermenschenpolitik haben Sie natürlich wohlweislich vergessen.
Ist ja schon 70 Jahre her! Wen interessiert das heut noch.

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gscheidle (4.082 Kommentare)
am 21.05.2015 13:22

Wäre endlich an der Zeit, das nicht nur die Verbrechen der Verlierer, sondern auch die der Sieger bedauert werden. Wie soll jemals wirklich Frieden zwischen ehemaligen Gegnern entstehen, wenn immer wieder alte Wunden aufgerissen werden. Ich denke siebzig Jahre sollten doch einmal genug sein, um ehemaligen Feinden die Hand reichen zu können. Was haben wir Spätgeborenen mit den damaligen Feindseeligkeiten noch zu tun?

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Gugelbua (31.648 Kommentare)
am 21.05.2015 10:17

soll muß das genau so immer wieder vorgekaut werden wie uns die Vergangenheitsbewältigung.

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( Kommentare)
am 21.05.2015 11:43

Richtige.

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kratzfrei (19.103 Kommentare)
am 21.05.2015 01:31

"aus der von den Alliierten erlaubten „geordneten Umsiedlung“
Wie großzügig sie auch waren diese Alliierten - die Sudetendeutschen hatten das Recht ihre Habe und Heimat zu verlassen.
Verbrieft mit Amt und Siegel hat man sich dabei wohl zurüchkgelehnt und die Beobachtung der Ereignisse aus der Ferne einer näheren Überprüfung vorgezogen.
Sogar eine Erlaubnis die Deportation als "Umsiedlung" deklariert, wurde erteilt.
Wenn da nur nicht viele vor Rührung in Tränen ausgebrochen wären.
Naja jedenfalls hat es sehr lange gedauert bis man sich nach Havel auch aus Brünn seiner Vergangenheit versucht zu stellen.

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( Kommentare)
am 21.05.2015 04:07

Zitat?

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landler42 (188 Kommentare)
am 23.05.2015 15:05

Alles abrufbar im Internet!!

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am 23.05.2015 15:22

mehr, und es sind keine Manieren, sich etwas aus den Fingern zu saugen und zu sagen, jemand anderer wärs gewesen.

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