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Weltspiegel

Notopoulou: "Manche sterben, weil sie nicht behandelt werden"

Von Josef Achleitner   17. Dezember 2013 00:04 Uhr

Notopoulou: "Manche sterben, weil sie nicht behandelt werden"
Katerina Notopoulou

LINZ/THESSALONIKI. Initiative aus Oberösterreich unterstützt "Klinik der Solidarität" im kriselnden Griechenland.

Die griechische Finanzkrise nimmt im Gesundheitswesen dramatische Folgen an. Weil sich immer mehr Menschen auch bei schweren Erkrankungen die Behandlung nicht mehr leisten können, haben Ärzte und Gewerkschafter in der Industriestadt Thessaloniki eine "Klinik der Solidarität" gegründet. Oberösterreichische Gewerkschafter unterstützen das Haus mit einem nachhaltigen Projekt.

Es gibt zwar zaghaft gute Nachrichten aus Griechenland, was die Finanzsituation und den Aufbau eines finanzierbaren Staatswesens betrifft. Das reale Leben spiegelt den vorsichtig positiven Befund der EU und des Währungsfonds aber überhaupt nicht wider, findet die junge Psychologin Katerina Notopoulou. Sie arbeitet seit zwei Jahren ehrenamtlich in der "Klinik der Solidarität" in Thessaloniki und berichtete bei einem Besuch in Linz auf Einladung der Gewerkschaft vida und der Betriebsräte der Barmherzigen Schwestern und der Barmherzigen Brüder über die Lage.

An die 100 Patienten werden hier täglich ambulant behandelt, von der Zahnmedizin bis zur Psychotherapie, und bekommen Medikamente kostenlos. Kinder erhalten Schutzimpfungen, die der klamme Staat in den Schulen abgeschafft hat. Das Gebäude stellt der Gewerkschaftsdachverband GSEE, er trägt auch die Grundkosten für den Betrieb. Das Personal inklusive der Ärzte arbeitet ehrenamtlich. "Die Menschen können sich die Behandlung in den noch offenen Spitälern – ein Teil wurde geschlossen, manche wurden privatisiert – nicht mehr leisten. Sie würden ohne dieses Angebot unbehandelt bleiben. Manche sterben auch, weil sie nicht behandelt werden", sagt Notopoulou.

Behandlung unerschwinglich

Seit Beginn der Krise hat der hochverschuldete Staat auf Druck der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds das ohnehin nicht hoch entwickelte Gesundheitssystem niedergefahren. Inzwischen sind 40 Prozent der Bevölkerung ohne Krankenversicherung, und es werden mit der steigenden Arbeitslosigkeit (derzeit an die 30 Prozent der Erwachsenen, 60 Prozent der Jugendlichen) immer mehr.

In öffentlichen und privaten Krankenhäusern ist die Behandlung für Arbeitslose und Durchschnittsverdiener unerschwinglich. "Die erste Frage im Spital ist: Können Sie sich den Aufenthalt leisten?", berichtet Notopoulou. Das Arbeitslosengeld liegt bei 322 Euro, die Spitalsbehandlung einer Magen-Darm-Entzündung kostet 600 Euro, für eine Entbindung werden 900 Euro verrechnet.

"weltumspannend Arbeiten", der entwicklungspolitische Verein im ÖGB, will das Projekt in Thessaloniki nun mit einer längerfristigen Aktion unterstützen. Näheres unter klinikdersolidaritaet@oegb.at.

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