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Streitfall: Bedrohen E-Book und iPad das gedruckte Buch?

24. Juli 2010, 00:04 Uhr
iPad
Bild: epa

In der vergangenen Woche meldete US-Internetbuchhändler Amazon erstmals mehr Downloads für das E-Book als Verkäufe von Hardcover-Bänden. Mit dem gestern in Österreich angelaufenen Verkauf des iPad soll diese Entwicklung auch bei uns verstärkt werden. Ist es realistisch, dass handliche Computer den papierenen Seiten mit Einband in die Quere kommen? Die OÖNachrichten haben nachgefragt.

Michael Neudorfer, Buchhändler, Vöcklabruck:
Nein, auf keinen Fall. Das Buch hat doch schon so viele vermeintliche Bedrohungen überstanden. Erst vor ein paar Jahren lautete die Frage, ob nicht die Hörbücher eine Gefahr für das gedruckte Buch seien, weil man da alles vorgelesen bekommt und einfach zuhören könne. Aber auch das ist nicht eingetroffen.
Ein Buch ist eben ein Buch. Allein das Haptische, der Papiergeruch, das hat doch alles eine große sinnliche Qualität und lässt sich durch andere Medien, die halt auch Schriftzeichen produzieren, nicht so einfach ersetzen.

Johanna Rachinger, Generaldirektorin Österr. Nationalbibliothek:
Ich denke nicht, dass E-Reader das gedruckte Buch vom Markt vertreiben. Es wird jedoch seinen Status als Leitmedium verlieren. Online-Formate und physische Medien ergänzen einander und bieten den Lesern eine nie da gewesene Fülle an Möglichkeiten. Ich empfinde das als große Errungenschaft, auch weil dieser Prozess die Demokratisierung des Wissens vorantreibt und immer mehr Menschen Zugang zu Informationen haben.
Die Österreichische Nationalbibliothek bietet ihren Benutzern bereits seit Jahren die Möglichkeit, ausgewählte Bestände auch in digitaler Form im Netz abzurufen.

Analena Quadlbauer, Maturantin, Pettenbach im Almtal:
Nein, sie werden es sicher nicht ablösen. Freilich haben E-Book und iPad Vorteile: Man braucht sich Bücher nicht zu suchen, sondern kann sie einfach herunterladen. Auf Reisen ist es leichter, den iPad anstatt viele Bücher mitzuschleppen. Auch die Schriftvergrößerung bringt Vorteile – vor allem für ältere Menschen.
Aber in einem Buch ist mehr drinnen als bloß Buchstaben und Wörter. Die Seele, das Cover, der Geruch: Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, zum Lesen in ein Kastl schauen zu müssen.

Gertraud Wallner, Lehrerin für Deutsch und Geschichte
Die elektronischen Versionen werden das gedruckte Buch nicht ersetzen. Auf Menschen, die gern lesen, üben Buchhandlungen und bibliophil gestaltete Werke großen Reiz aus. Diese Schicht wird kaum ausschließlich digitalisierte Literatur konsumieren. Vorteile bieten die neuartigen Formen, wenn man Texte als Arbeitsgrundlage verwendet, etwa in der Schule oder beim Studium. Es scheinen sich interessante Perspektiven zu eröffnen, weil sich ja quasi der gesamte Literaturmarkt via Mausklick erschließt. Probleme sehe ich bezüglich der Lizenz- und Verlagsrechte.

Daniela Richter, Studentin in Klagenfurt
Ich glaube nicht, dass das gedruckte Buch verschwinden wird, zumindest nicht mit dem derzeitigen Stand der Technik. Wenn man die eingeschränkten Nutzungsbedingungen eines E-Books/Readers bedenkt (Akkuleistung, Lichteinfall, Bedrohung durch Wasser, Hitze etc.), kann ich mir nur schwer vorstellen, dass die Printausgabe (für den rein privaten Gebrauch) in naher Zukunft zum Sammlerstück degradiert wird.
In der Wissenschaft ist eine überwiegende Verwendung des E-Books zu Recherchezwecken denkbar und auch vorteilhaft.

Ursula Maier-Rabler, Kommunikationswissenschaftlerin
Nein. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Im Gegenteil: Ich sehe das E-Book als tolle Ergänzung zum herkömmlichen Bücherlesen. Menschen, die gerne lesen, haben nun eine zusätzliche Möglichkeit, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Aber dieses Online-Angebot an Literatur könnte vielleicht auch Menschen zum Lesen bewegen, die vielleicht eher über das „coole“ Gerät dazu animiert werden. Das ist ja auch nicht schlecht.
Ich persönlich kann mir gut vorstellen, mir an einem späten Abend noch den aktuellen Beststeller auf diese Weise zu besorgen.

Josef Pretzl, Geschäftsführer von Thalia
Das gedruckte Buch wird nicht verdrängt. Wir sehen die Digitalisierung von Inhalten sehr positiv, weil das wunderschöne Produkt Buch in völlig neuen Darreichungsformen angeboten werden kann. Kindle und iPad sind ja erst der Anfang. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten, unterwegs Buchinhalte zu konsumieren, ob in der Freizeit oder im Berufsleben.
Wichtig wird jetzt, dass die guten Buchtitel, vor allem auch die aktuellen, digital zur Verfügung gestellt werden. Das ist eine Herausforderung für Autoren und Verlage. Die müssen sie auf den Markt bringen.

Veit Heinichen, Schriftsteller
Die Frage ist, ob es genug Geschichten zu erzählen gibt – und darüber plagt mich gar kein Zweifel. Soll doch das E-Book kommen, und wenn’s geht auch noch auf dem iPhone, das den O-Ton bringt von der U-Literatur. Verbreitet soll werden, was uns die Welt diktiert – wenn’s gut erzählt ist. Aber bezahlt werden muss es, wenn es uns nicht gehen soll wie Daniel Defoe, der 1719 für sein berühmtestes Buch, den „Robinson Crusoe“, nur 50 Pfund erhielt. Sein Verleger bezahlte vom Erlös einen neuen Laden und hinterließ auch noch die damals unendliche Summe von 50.000 Pfund, als er ins Gras biss.

Frank Sambeth, Geschäftsleitung Verlagsgruppe Random House
Nein, wir sehen E-Books nicht als Bedrohung für das gedruckte Buch, sondern im Gegenteil als eine sinnvolle Ergänzung, um neue Zielgruppen anzusprechen und für Bücher zu begeistern. Der deutschsprachige E-Book-Markt ist im Vergleich zu den USA zwar derzeit noch überschaubar, entwickelt sich aber sehr dynamisch. Wir freuen uns über neue Endgeräte und Plattformen, die diese positive Entwicklung weiter befördern.

Simon Ramoser, Schüler
Dass das Buch vom iPad oder einem anderen elektronischen Gerät abgelöst wird, das passiert vielleicht irgendwann in ferner Zukunft. Jetzt und in den nächsten paar Jahrzehnten sicher nicht. Sobald so ein Gerät auf den Boden fällt, geht es kaputt. Das ist ein massiver Nachteil. Das kennt man ja auch vom Handy oder vom iPod. Mit einem herkömmlichen Buch kann dir das nicht passieren. Ich selbst lese auch lieber in einem gedruckten Buch.

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1  Kommentar
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Hansderbau (60 Kommentare)
am 25.07.2010 19:42

In meiner Jugend kam der Gedanke des papierlosen bueros auf.!
Schauen sie einmal in die modernen bueros .......
.... Alles vernetzt, aber aus Angst vor dem Absturz - nicht ganz unbegründet - alles ausgedruckt ......
So wird es auch mit dem Buch sein .!.!

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