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Chronik

Kirchenrechtliche Sanktionen gegen angebliches Missbrauchsopfer

04. Januar 2021 00:04 Uhr

Kirchenrechtliche Sanktionen gegen angebliches Missbrauchsopfer
Altbischof Klaus Küng

SANKT PÖLTEN. Nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen Altbischof Küng: Priester wurde laut SZ zu "psychiatrischem Schwulentest" verpflichtet.

Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Altbischof Klaus Küng sollen nun für Priester Wolfgang Rothe ein Nachspiel haben: Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) in ihrer Wochenendausgabe berichtet, soll der Bischof von St. Pölten, Alois Schwarz, Rothe mit kirchenrechtlichen Sanktionen bedroht haben.

Untersuchung sei ausgeblieben

Der Hintergrund ist pikant: Der Priester hatte im Jahr 2019 den früheren St. Pöltener Bischof Küng wegen eines angeblichen sexuellen Übergriffes angezeigt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der Vorfall soll sich bereits 2004 im Priesterseminar von St. Pölten ereignet haben. Demnach soll der damalige Bischof dem Priester zuerst ein Betäubungsmittel verabreicht haben, und später, als der Mann einen Schwächeanfall hatte, sexuell übergriffig geworden sein.

"Auf einem Sofa sitzend habe Küng ihn, Rothe, gestreichelt; nicht an den Genitalien, aber doch an Stellen, wo man einen anderen nicht ungewollt berühren darf", zitiert die Zeitung Aussagen des Priesters. Er sei "wie erstarrt" gewesen. Eine "ordentliche Untersuchung der Vorwürfe" habe nicht stattgefunden, heißt es laut SZ.

Rothes Anzeige sei vom zuständigen Wiener Kardinal Christoph Schönborn erst nach "langer Verzögerung" nach Rom weitergeleitet worden. Im April 2020 habe Rom entschieden, dass die Vorwürfe "haltlos" seien, obwohl laut SZ weder ein Zeuge noch das Opfer selbst befragt worden waren.

"Psychiatrischer Schwulentest"

Die kriminalpolizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen kamen hingegen zu dem Ergebnis, dass es sich bei den Übergriffen des Bischofs um eine "versuchte Vergewaltigung" gehandelt haben soll.

Da die Vorwürfe bereits verjährt waren, kam es zu keinem Strafprozess.

Nach den Übergriffen soll Bischof Küng den Priester zu einem "forensisch-psychiatrischen Schwulentest" verpflichtet haben. Sowohl Bischof Küng als auch die Diözese St. Pölten hätten laut Süddeutscher Zeitung eine Stellungnahme verweigert: Für Altbischof Küng sei der Fall abgeschlossen, hieß es.

Außerdem sei der Priester nun von Bischof Alois Schwarz – auf Anordnung von Kardinal Schönborn – aufgefordert worden, "jede Veröffentlichung über seine Leidensgeschichte zu unterlassen, anderenfalls würden ihm weitere Sanktionen drohen."

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