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Chronik

Eine "politische Show" und Motivation "von unten"

Von Nina Ameseder   27. November 2021 14:09 Uhr

Die 25-jährige Isabella Pfoser auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow.

GLASGOW/WIEN. Isabella Pfoser war als Jugenddelegierte auf der 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow mit dabei, um die Stimme der österreichischen Jugend zu vertreten. Im OÖN-Interview spricht sie über Eindrücke, Versagen der Politik, aber auch Hoffnung.

Das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) schickt jedes Jahr junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren auf die UN-Klimakonferenz, um an Verhandlungen teilzunehmen, Entwicklungen zu verfolgen und an die österreichische Jugend zu vermitteln. Die 25-jährige Isabella Pfoser aus Wien war eine der vier Jugenddelegierten, die mit dem Verein CliMates Austria auf der diesjährigen COP 26 Anfang November als Teil der österreichischen Delegation vertreten war. 

OÖN: Nach knapp zwei Wochen auf der COP 26 bist du wieder zurück in Wien. Wie fühlst du dich, was geht dir durch den Kopf?

Isabella Pfoser: Ein gemischtes Gefühl. Einerseits bin ich zufrieden, weil ich so viele junge, motivierte Leute kennengelernt habe, die für ihre Zukunft kämpfen. Andererseits bin ich aber auch ausgelaugt und frustriert, weil die Ergebnisse nicht so stark sind und viele Politikerinnen und Politiker die Klimakrise nicht ernst genug nehmen.

Was waren deine Aufgaben als Jugenddelegierte?

Wir standen viel in Kontakt mit Medien und haben mit unterschiedlichen Politikern und Politikerinnen gesprochen, wie beispielsweise dem Bundeskanzler Alexander Schallenberg, der sich jedoch nur sehr kurz für uns Zeit genommen hat und uns wenig Gehör schenkte. Etwas länger haben wir uns mit Umweltministerin Leonore Gewessler unterhalten, die für die EU den Artikel sechs des Pariser Abkommens verhandelt hat, der einen globalen Handel für CO2-Emissionen umfasst. Ihr konnten wir mitteilen, was uns als Vertretung der Jugend wichtig ist, nämlich einen fairen Deal und keine Verschlechterung der Pariser Klimaziele durch ein Freikauf-Abkommen.

Was war das wichtigste Anliegen der Jugend? 

Als zentralen Aspekt fordern wir die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, also die globale Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu beschränken. Dazu kommen Klimagerechtigkeit, sowie eine Finanzierung für “Loss and Damage”, einer finanziellen Unterstützung für Länder des Globalen Südens durch Industriestaaten, im Sinne der historischen Verantwortung von Treibhausgasemissionen. Die Forderungen für Österreich sind konkretere Maßnahmen, wie zum Beispiel, dass endlich ein Klimaschutzgesetz umgesetzt wird, inklusive CO2-Reduktionspfad. 

Dein Fazit zur COP 26 - Hoffnung oder Enttäuschung?

Ehrlich gesagt wusste ich, dass nicht alle Teilnehmenden der Konferenz die Absicht hatten gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, wie traurig das auch klingen mag. Diese Ernüchterung lässt einen dann schnell überlegen, inwiefern sich der persönliche Einsatz für Klimaschutz noch lohnt, wenn es auf internationaler Ebene so schleppend vorangeht. Doch dann denke ich an all die Menschen, die auf die Straße gingen, voller Hoffnung etwas zu verändern. In der ersten Woche hatte man das Gefühl es ist nur eine politische Show. Jeder Staat präsentierte sich, aber nur wenige kümmerte es wirklich und es ist aufgrund der Pluralität der Interessen oft schwierig einen gemeinsamen Nenner zu finden. Menschen, die für dieselbe Sache kämpfen, motivieren mich dann weiterzumachen und mich vorzubereiten auf die nächste COP. Diese Menschen werden glücklicherweise immer mehr. 

Was muss deiner Meinung nach jetzt global passieren?

Das Wichtigste ist, dass jeder einzelne Staat seinen Treibhausgasreduktionsplan einhält. Es bringt nichts globale Ziele zu definieren, wenn kein Land den eigenen Plan einhält. Da muss auf nationaler Ebene gestartet werden. Die Zivilbevölkerung muss hier der nationalen Politik auf die Finger schauen. Politiker und Politikerinnen können dann wiederum Druck auf die EU machen, wodurch sie als globaler Vorreiter bewirken kann, dass andere Staaten nachziehen. 

Was ist der nächste Schritt für Österreich? 

Die größte Priorität für Österreich wird sein, endlich das Klimaschutzgesetz umzusetzen. Alle Pläne zur Reduktion der Treibhausgasemissionen wären sonst ohne rechtliche Bindung.

Wie hast du dich auf die Klimakonferenz vorbereitet? 

Gemeinsam mit den Teilnehmenden der österreichischen Jugendklimakonferenz (LCOY) haben wir bereits letztes Jahr ein Positionspapier verfasst, das die Anliegen der jungen Generation an die Politik zusammenfasst. Dieses haben wir in Vorbereitung auf Glasgow an die Umweltsprecher und Umweltsprecherinnen der Parteien, sowie an Umweltministerin Leonore Gewessler übergeben. Im Vorfeld der COP 26 war auch die Klimajugendkonferenz (COY) in Glasgow, auf der ebenfalls ein Positionspapier erarbeitet wurde. Mit den Worten “Unsere Zukunft liegt in deinen Händen - mach was draus” wurde dieses dem COP-Präsidenten Alok Sharma überreicht. 

Mehr Details dazu hier zum Download:

Wie sah ein Tag für dich aus, wie war das Stimmungsbild auf der COP? 

Generell war alles sehr bürokratisch, Politiker und Politikerinnen mit nationalstaatlichen Interessen, viele Lobbys und Greenwashing. Die Klimakrise stand denen nicht ins Gesicht geschrieben. Besonders beim “World Leaders Summit”, bei dem alle hochkarätigen Politiker und Politikerinnen zusammentrafen, war eine sehr hektische Stimmung. Wir hatten kaum einen Moment der Ruhe. Bodyguards, Presse-Teams, ein langes Anstellen, um durch die Security zu kommen. Eigentlich hätten wir in die Verhandlungen hineingehen dürfen, wegen strikten Corona-Regelungen konnten wir jedoch nur an den größeren Events teilnehmen. Wir haben uns deshalb oft am Gang auf den Boden gesetzt und die Live-Streams der Verhandlungen angehört. 

 
 
 
 
 
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Die Präsenz der Aktivisten und Aktivistinnen in Glasgow war enorm. Wie sehr ist deren Stimme in den Verhandlungssälen der Politik angekommen?

Man ist schon sehr abgeschottet. Es gab aber auch Protestaktionen direkt vor dem Gelände der Konferenz mit vielen Menschen, Schildern und Flyern. Sie haben darauf aufmerksam gemacht, dass es auf der COP um mehr geht als politische Verhandlungen, nämlich um Entscheidungen über die Zukunft von uns allen. Generell wächst die Stimme der Zivilgesellschaft, der Druck „von unten“. 

Was waren die wichtigsten Ergebnisse? 

Es wurden einige Abkommen beschlossen. Das Problem ist jedoch, dass sie zwar unterzeichnet wurden, es aber keine Kontrolle gibt, ob sie denn tatsächlich eingehalten werden. Das große Debakel war dann noch, dass aus dem Phasing-Out von Kohleenergie und somit der Vereinbarung als Staat nicht mehr in Kohle zu investieren, durch den Rückzug Indiens und Chinas in letzter Sekunde noch ein Phasing-Down wurde. Es wurde keine Einigung über einen kompletten Kohle-Ausstieg getroffen. Das ist das Bittere -  Staaten können nach zwei Wochen Verhandlung am Ende noch Druck machen, da das Abkommen nur einstimmig angenommen werden kann. Das Pariser Regelwerk ist zwar durch die Verhandlung des Artikels sechs abgeschlossen, das Ergebnis ist allgemein aber schwach, da es keine negativen Sanktionen bei Nichteinhaltung der Ziele gibt. 

Was möchtest du den Menschen mitgeben?

Es ist wichtig zu versuchen nicht alles auf die eigene Schulter zu nehmen, sondern diese Energie zu nutzen, um sich zu vernetzen. Dafür muss man auch nicht jedes Mal beim Klimastreik mitgehen. Es reicht oft auch schon mit anderen Leuten über die Herausforderungen der Klimakrise zu reden, sich auszutauschen und so gemeinsam politischen Druck zu erzeugen.

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