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Reden wir über Antisemitismus

Von Manfred Wolf, 08. November 2023, 00:04 Uhr
Reden wir über Antisemitismus
Bild: VOLKER WEIHBOLD

OBERöSTERREICH. Es gibt Kalendereinträge, die eine Zäsur darstellen. Ein solcher Eintrag in der Weltpolitik steht am 7. Oktober 2023. Nicht nur, dass die Hamas aus dem Gazastreifen heraus Israel angegriffen hat. Auch die Art und Weise der Gewaltausübung, die kaum in Worte zu fassen ist, war himmelschreiend – ein Ruf, der auch in Oberösterreich nachhallt.

Dieser Hall hat etwas in Gang gesetzt, worüber viele im Land gerne den Mantel des Schweigens werfen: das Reden über Antisemitismus.

Charlotte Herman ist Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz. Der 7. Oktober erschütterte auch sie. Sie erzählt von Videos, die die Hamas mit Handys ihrer Opfer gemacht habe. Sie zeigen, wie die Opfer gefoltert wurden. Die Videos wurden dann an Bekannte und Verwandte geschickt, die in den jeweiligen Kontaktlisten vorhanden waren. "Wer das Video aufgemacht hat, musste sehen, wie ein Freund oder Familienmitglied grausam ermordet wurde", sagt die 64-Jährige.

Auch Lehrer sind überfragt

Bei Charlotte Herman haben sich in den vergangenen Tagen die Anrufer gehäuft. Auch Bildungslandesrätin Christine Haberlander (VP) war darunter. Denn der Angriff der Hamas auf Israel und das Thema Antisemitismus beziehungsweise Antiisraelismus sind auch in den Schulen Thema. Es stellen sich jedoch Fragen, die auch viele Lehrerinnen und Lehrer nicht beantworten können. Daher wird Herman am 22. November einen Vortrag in der Pädagogischen Hochschule halten, bei dem sie den Konflikt im Nahen Osten erläutert, über Ursprünge spricht und aktuelle Bezüge herstellt.

"Wir reagieren auf aktuelle Vorgänge und bieten Fortbildungen an", sagt Walter Vogel, Rektor der Pädagogischen Hochschule Linz. Er ist das Oberhaupt der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung. In den kommenden Tagen wird es zum Thema Antisemitismus viele Veranstaltungen, Podcasts und Links geben.

Denn ein Beispiel, von dem Charlotte Herman berichtet, dürfe so weder vorkommen noch für sich alleine stehen bleiben, sagt Vogel. Gemeint ist die Antwort eines Lehrers auf die Schülerfrage, was denn der Grund für den Angriff auf Israel sei: "Israel hat den Palästinensern das Land weggenommen."

Von Anfeindungen jüdischer Schüler habe Charlotte Herman nichts gehört. Allerdings habe es in einer Linzer Mittelschule eine antisemitische Schmiererei in einer Toilette gegeben – dort stand "Tod den Juden".

Außerhalb der Schulen kam es allerdings in ganz Österreich zu einem massiven Anstieg an antisemitischen Vorfällen. Auf OÖN-Anfrage hieß es aus dem Innenministerium: "Wir können bestätigen, dass seit Beginn der Kriegshandlungen im Nahostkonflikt vermehrt Vorfälle gemeldet wurden, bei denen ein antisemitischer Hintergrund naheliegt." Dies deckt sich auch mit Aufzeichnungen der Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.

Bildung gegen Extremismus

Als Reaktion auf den steigenden Antisemitismus will das Innenministerium bis 2025 200 speziell geschulte Polizisten in die Schulen zur Extremismus-Prävention schicken, um dem Radikalismus mit Aufklärung und Humanismus entgegenzutreten – die OÖN haben berichtet.

In der "Arbeit an der Jugend und mit klarer Haltung der Politik" sieht Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (VP) einen Schlüssel in der Bekämpfung des Antisemitismus. Fakt sei, das ist auch ihm bewusst, dass nicht nur "importierter" Antiisraelismus im Steigen ist, sondern auch der immer noch im Land verwurzelte Antisemitismus.

Der Angriff der Hamas hat aber noch etwas geschürt: Auch die Dokumentationsstelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus wies auf einen "besorgniserregenden, steigenden Rassismus gegenüber Muslimen hin".

Bei einem Treffen zwischen Politik und Vertretern christlicher Kirchen, der Islamischen Glaubensgemeinschaft sowie der Kultusgemeinde appellierten die Religionsvertreter vorgestern unisono, dass Hass, Gewalt und Diskriminierung keinen Platz haben sollen.

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Autor
Manfred Wolf
Ressortleiter Lokales
Manfred Wolf

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