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Chemikalien im Schwarzwild: Wie geht es weiter?

Von Marina Mayrböck, 09. November 2023, 00:04 Uhr
Chemikalien im Schwarzwild: Wie geht es weiter?
In 77 Gemeinden in den Bezirken Braunau, Ried und Vöcklabruck wird kein Wildschweinfleisch auf den Markt gebracht. (APA) Bild: APA/ZB/Ralf Hirschberger

VöCKLABRUCK/RIED/BRAUNAU. In 77 Gemeinden in den drei Bezirken Braunau, Ried und Vöcklabruck wird zurzeit kein Wildschweinfleisch auf den Markt gebracht. Seit wenigen Tagen ist klar, dass Schwarzwild auch bei uns mit PFAS, einer Industriechemikalie aus Gendorf im Landkreis Altötting, belastet ist.

Wie geht es nun weiter? "In dieser Dimension hat es so etwas noch nie gegeben, und es gibt bisher keine zufriedenstellenden Antworten", sagt Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner. Die Unsicherheit ist groß, die Stimmung in der Jägerschaft deprimiert. Es stellt sich auch die Frage: Ist auch unser Boden belastet?

Im Landkreis Altötting, den nur die Salzach vom Innviertel trennt, sind 90 Prozent aller Wildschweine nicht zum Verzehr geeignet. Schwarzwild wird dort bejagt und entsorgt, die Jäger erhalten seit 2018 zum Schadensausgleich eine Wildschweinprämie. Hintergrund ist, dass dort eine großflächige Bodenverunreinigung mit der giftigen Substanz PFOA vorliegt. Die Perfluoroctansäure ist Hauptvertreter der Chemikaliengruppe PFAS.

Sie wird "Ewigkeitschemikalie" genannt, weil sich die Säure in der Umwelt kaum abbaut. Wildschweine haben einen Aktionsradius über zig Kilometer, können gut schwimmen und ungehindert Innviertler Boden erreichen. Deshalb wurde Anfang Herbst eine Untersuchung von Wildschweinfleisch in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Bei zehn von 14 getesteten Wildschweinen wurde der Grenzwert im Muskelfleisch überschritten.

Untersucht wurde Schwarzwild aus den Regionen Weilhartsforst und Kobernaußerwald. "Wir waren schon überrascht. Lange hat man von dem Thema nichts gehört, und plötzlich sind die Tiere mit Chemikalien belastet", sagt Rieds Bezirksjägermeister Rudolf Wagner. Die Tiere werden in Regau entsorgt.

Die Jagdleiter sind verunsichert, das habe zwei Gründe: "Erstens, weil Wildschweine bis kürzlich in den Verkehr gebracht und gegessen wurden. Da die Belastung allerdings eine langfristige Angelegenheit ist, ist die Frage, ob wir verseuchtes Wildbret zu uns genommen haben. Und zweitens, weil in dieser gesamten Thematik keine Lösung in Sicht ist", sagt Sieghartsleitner. Die Jägerschaft fordert mit Nachdruck entsprechende Untersuchungen, um mehr Sicherheit zu schaffen, und eine Entschädigung, zumal den Jägern unverschuldet ein finanzieller Schaden entsteht.

Neue Proben in Braunau

Wie kommt die Chemie in unser Schwarzwild? Theoretisch ist es möglich, dass das belastete, sportliche Wildschwein von Bayern bis in den Kobernaußerwald läuft.

Eine weitere Theorie ist, dass auch unsere Böden belastet sind, denn auch der Wind kann die Industriechemikalie verbreiten. Boden und Wasser seien nicht belastet, bestätigt das Land auf OÖN-Anfrage. Seit mehreren Jahren würde der Boden untersucht werden und es habe "keine positive Indikation für PFAS in der betroffenen Region gegeben". Auch das Grund- und Trinkwasser wird seit 2016 auf PFAS untersucht. Die Messdaten in den Bezirken Braunau, Ried und Vöcklabruck würden alle bis dato unter dem zukünftigen Trinkwasser-Grenzwert liegen, der EU-Grenzwert wird – wie berichtet – erst in den nächsten Jahren eingeführt.

Wildschweine sind deshalb mit der Chemikalie belastet, weil sie im Boden wühlen und bei der Nahrungssuche vergleichsweise viel Erdreich und möglicherweise verseuchte Kleinlebewesen aufnehmen. Andere Wildtiere, wie Reh oder Hase, seien nicht betroffen.

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Autorin
Marina Mayrböck
Redaktion Innviertel
Marina Mayrböck

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