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Salzkammergut

"SRT-Bau einstellen wäre billiger als weiterbauen"

Von Gary Sperrer   03. März 2016 00:04 Uhr

"SRT-Bau einstellen wäre billiger als weiterbauen"
Die Streckenlänge vom Klosterplatz (Bild) zum Franz-Joseph-Platz in Gmunden beträgt nur wenige hundert Meter – oder doch Tausende von Meilen?

GMUNDEN. Gmundner FPÖ-Gemeinderatsabgeordneter Günther Colli argumentiert seine Gegnerschaft zur Stadt-Regio-Tram.

Die im Bau befindliche Durchbindung der Gmundner Straßenbahn zur Vorchdorfer Bahn – die Stadt-Regio-Tram (SRT) – gilt bei Befürwortern als Jahrhundertchance für den öffentlichen Verkehr, für Gegner ist sie Steuergeld-Verschwendung und sinnlos, eine Gefahr für die alten Gmundner Innenstadthäuser und Geschäfte. Der Gmundner FP-Gemeinderatsmandatar Günther Colli hat sich intensiv mit der Problematik und möglichen Zukunft der Straßenbahn auseinandergesetzt. Aus seiner Gegnerschaft macht er keinen Hehl, und er argumentiert seine Einstellung mit deutlichen Worten.

 

OÖNachrichten: Herr Colli, was haben Sie gegen die Stadt-Regio-Tram?

Günther Colli: Als die Gemeinde – ÖVP, SPÖ und Grüne gegen die Stimmen der FPÖ – sich 2013 für die Durchbindung entschieden hat, war man nicht bereit, Alternativen zu überlegen. Das hatte der Rechnungshof gefordert: Alternativen und Vergleichsrechnungen. Das ist nie gemacht worden, weil aufgrund des Einflusses von Stern & Hafferl niemand Interesse hatte, Alternativen wie Busse anzudenken. Es gibt ein Gutachten der ÖBB bzw. des Bundesrechnungshofes, in dem steht, dass die Anschaffung von Bahnen zehnmal so teuer ist wie Busse und im Betrieb doppelt so teuer. Daher kostet uns das nachher um 3,3 Millionen Euro pro Jahr mehr, als uns jetzt die Straßenbahn und die Vorchdorfer Bahn kosten. Stern & Hafferl hat einen Vertrag bis 2030. Wenn man das hochrechnet – 3,3 mal 15 –, sind das grob 50 Millionen Euro. Daher ist es belanglos, zu welchem Zeitpunkt wir den Bau der Durchbindung stoppen, weil wir uns dann immer noch eine Menge Geld ersparen. Der Nachteil eines schienengebundenen Fahrzeugs ist auch, dass wir die Fahrgäste nicht flexibel an ihre Wunschziele bringen können.

Aber es gibt doch eine Potenzialanalyse, wonach die Durchbindung die Fahrgastzahlen erhöhen würde.

Es wurde schon 2012 kritisiert, dass die Potenzialanalyse, die als Basis für die Berechtigung des Baus genommen wird, mit falschen Zahlen arbeitet. Denn niemand wird behaupten, dass Stern & Hafferl nicht weiß, wie viele Fahrgäste sie befördern. Dass die Fahrgastzahlen falsch sind, das kann jeder nachprüfen, indem er sich hinsetzt und einen Tag lang zählt. Die Potenzialanalyse ist auch in einem zweiten Punkt falsch, weil sie die Schüler nicht richtig berücksichtigt, denn die Schüler fahren in Summe ein halbes Jahr lang nicht und lassen sich auch nicht vermehren. Es gibt keine Provinzstadt auf der ganzen Welt mit 13.000 Einwohnern, die sich so eine Bahn leistet.

Sie haben zuvor die Kosten erwähnt. Das Land Oberösterreich beteiligt sich daran in großzügigem Maße.

In den Förderrichtlinien des Landes steht, dass das Land nur Dinge fördern soll, wenn die für das Land günstigste Lösung gewählt wird. Das ist aber hier nicht der Fall.

Würden Sie eine Einstellung der Bauarbeiten befürworten?

Ich sage: Jeder Tag früher, an dem der Bau eingestellt wird, ist gescheiter. Die Geschichte ist an der Grenze der Kriminalität, weil die Förderungen mit falschen Zahlen erschlichen worden sind. Wenn ich Bürgermeister wäre in Gmunden oder wenn ich Landesrat in Linz wäre, und ich habe das Projekt auf dem Tisch liegen, von dem ich weiß, es gibt nur Ärger und Probleme, dann hole ich mir die besten Berater von weit weg. Aber nicht die, die seit zehn oder 15 Jahren das Projekt betreiben. Der Herr Holzer und der Herr Hölzl sitzen im Kontrollausschuss der Stadt-Regio-Tram. Landesrat Steinkellner und Bürgermeister Krapf holen sich aber diese Herren wieder als Berater. Man kann doch nicht die fragen, die zehn Jahre lang für dieses Projekt gearbeitet haben. Keiner der Herren Sageder, Köppl, Krapf, Entholzer, Steinkellner und Landeshauptmann Pühringer wird aber sagen können, er hätte nichts gewusst. Durch unzählige Briefe und Mails wurden sie von mir immer und immer wieder informiert, in der Hoffnung, dass sich etwas ändert. Was hätte man nicht alles bei einer besseren Planung und vielleicht ohne SRT mit dem vielen Geld für Gmunden machen können?

Und dass wir uns in fünf Jahren wieder unterhalten und erkennen, dass die SRT doch ein Erfolg geworden ist – daran glauben Sie nicht?

Würde ich in Linz oder Wien leben, wäre ich ein glühender Befürworter einer Straßenbahn. So habe ich aber für Gmunden weder die Hoffnung noch den Glauben, dass etwas Vernünftiges daraus wird. Am ehesten glaube und fürchte ich, dass in fünf Jahren nach Fertigstellung die Bahn eingestellt wird.

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