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"Nicht so stur weitermachen, wie es früher war"

Von Gary Sperrer, 04. Februar 2015, 00:04 Uhr
"Nicht so stur weitermachen, wie es früher war"
Christine Pichler-Brix bewirtschaftet ihr Elternhaus, den "Beri-Simon"-Hof oberhalb von Steinbach am Attersee. Bild: gary

STEINBACH AM ATTERSEE. Steinbacher Bäuerin setzt sich für eine "andere Landwirtschaftspolitik" ein und warnt vor TTIP und Verschuldung-

Christine Pichler-Brix – in Steinbach auch unter dem Hausnamen "Beri-Simon" bekannt – ist Obfrau der Österreichischen Berg- und Kleinbauern-Vereinigung (ÖBV). Angesichts einer sich zunehmend verglobalisierenden Landwirtschaft und der damit verbundenen Gefahren sollten die Aussagen der 48-jährigen dreifachen Mutter zum Nachdenken anregen.

OÖNachrichten: Es gibt Bauern, die sich einer industriellen Produktionsschiene verschrieben haben. Bei Ihnen ist das anders. Wie läuft das bei Ihnen?

Christine Pichler-Brix: Wir haben einen kleinen Hof und bewirtschaften 26 Hektar Grünland, haben aber nur 13 Mutterkühe. Das heißt, dass wir sehr extensiv bewirtschaften – sehr viel Weidewirtschaft. Mein Mann geht arbeiten, er ist Lehrer in der Polytechnischen Schule in Seewalchen. Ich habe eigentlich Tischlerin gelernt und meine Schwester war vorgesehen als Hoferbin. Aber die wollte dann nicht, und so haben sich mein Mann und ich entschieden, das zu machen. Ich bin gerne Bäuerin – mit Leib und Seele – und engagiere mich auch in der ÖBV. Da habe ich die Liebe zur Landwirtschaft entdeckt, weil ich gesehen habe, dass man das nicht stur so weitermachen muss, wie es vielleicht früher war, sondern dass es viele Möglichkeiten gibt und dass man sich den Betrieb so richten kann, dass es einem Freude macht.

Worum geht es bei der ÖBV?

Um den Erhalt kleinerer und mittelgroßer Bauernhöfe. Wir möchten, dass die Landwirtschaftspolitik in eine andere Richtung geht: nicht nur in Masse, Weltmarkt und Wettbewerb. Wir haben derzeit noch relativ viele Bauernhöfe. Das sind ganz wichtige Arbeitsplätze auf dem Land. Aber seit dem EU-Beitritt sind schon Zehntausende Arbeitsplätze verlorengegangen in Oberösterreich, und wir glauben, dass das keine gute Entwicklung ist. Einerseits hat man Arbeitsmarktprogramme, um die Arbeitsplätze am Land wieder zu schaffen, andererseits werden die kleinen Bauernhöfe ins Out gedrängt. Das Fördersystem zielt hauptsächlich auf größere Betriebe.

Sie beschäftigen sich auch mit Ernährungssouveränität. Was bedeutet das genau?

Das heißt, dass die Politik, vor allem die Landwirtschaftspolitik, für die Menschen, die Lebensmittel produzieren, gemacht wird – und auch für die Konsumenten, die damit regionale, gute Lebensmittel bekommen, und das zu Preisen, die sie sich leisten können. Weiters geht es darum, dass Förderungen hauptsächlich die kleineren Betriebe bekommen und jene in Berggebieten und in schwierigen Lagen, die besonders ökologisch arbeiten. Ein Betrieb mit 40 Milchkühen sollte eigentlich gar keine Förderung brauchen, sondern von dem leben, was er durch den Verkauf seiner Produkte einnimmt. Derzeit ist es ja so, dass je größer der Betrieb ist, desto mehr Förderungen bekommt er. Das finden wir falsch.

Vor Kurzem fand in Gampern eine Veranstaltung statt, bei der es genau um die von Ihnen angesprochenen Themenbereiche ging. Wie war das?

Ich glaube, es waren dort mehr als 320 Leute, die wirklich in großer Sorge sind um den Fortbestand ihrer Höfe und die einfach nicht kapieren, warum das, was sie aufgebaut haben, auf einmal nichts mehr wert ist. Die Jungen täten oft gerne weiter, aber so extrem zu investieren – da trauen sich viele nicht drüber. Es ist auch wirklich ein großes Risiko für den Hof, denn man kann einfach nicht abschätzen, wie sich die Preise entwickeln. Und wenn du ein paar hunderttausend Euro Schulden hast, bist du total gebunden und abhängig. Ein Sklave auf dem eigenen Hof. Das stelle ich mir nicht vor unter einem freien Bauernleben. Das wäre anders, wenn man andere Ziele verfolgen würde.

Sie sprechen von einer "anderen Landwirtschaftspolitik". Was wäre, wenn es die gäbe?

Mit einer Landwirtschaftspolitik, die das Wohl aller Menschen im Auge hätte, gäbe es keinen Hunger. Wir hätten genug Lebensmittel. Es geht auch nicht darum, dass wir den Menschen in den Entwicklungsländern helfen, sondern dass wir ihnen ermöglichen, dass sie ihre Produkte erzeugen und selbst konsumieren können. Aber davon sind wir leider weit weg.

Was halten Sie von TTIP?

Ich persönlich und auch die ÖBV sind total dagegen, weil wir uns nicht vorstellen können, dass das so viel bringen kann für den Konsumenten. Und schon gar nicht für die Landwirtschaft. Letztlich geht es darum, dass Konzerne noch bessere Ergebnisse erzielen werden und die Lebensmittelqualität wird sicher sinken. Es wird auch nicht mehr Arbeitsplätze geben. Alleine das Klagsrecht für Konzerne ist ein einziger Skandal. Am 26. Februar um 19.30 Uhr machen wir dazu eine Informationsveranstaltung im Gasthof Fellner in Vöcklamarkt, weil wir wirklich sehr besorgt sind.

Was kann man Kleinbauern raten, wie sie vorgehen sollen, wenn sie vor der entscheidenden Frage stehen: Mache ich weiter oder nicht?

Das ist eine schwierige Frage, denn die stellen sich natürlich alle. Ich glaube, es ist wichtig zu schauen, was interessiert mich, was mache ich gerne… Mit Direktvermarktung kann man sicher einen kleineren Hof über Wasser halten – wenn einem das liegt. Mir erscheint wichtig, dass man sich nicht zu tief verschuldet.

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4  Kommentare
4  Kommentare
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strasi (4.410 Kommentare)
am 04.02.2015 22:20

Sie hat ganz richtige und wichtige Anliegen vieler Kleinbauern
formuliert.
Ja es kann nicht so weitergehen, dass kleinere Landwirtschaften
zum Aufgeben gezwungen werden, weil sie mit dieser immer größer
werdenden Agrarindustrie nicht mithalten können.
Aus meiner Sicht gehören die großen Flachlandbauern bei den
Förderungen weniger bedacht als die Bergbauern. Wer schon einmal
eine Heuernte in steilen Geburstälern, mit Steigeisen, Seilwinde
und Rechen, alles Handarbeit, miterlebt hat, weis was die Leute
leisten. Sie sind auch Landschaftspfleger und Kulturgüterverwalter.
DIESE BERGBAUERN GEHÖREN WESENTLICH BESSER GEFÖRDERT:

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mynachrichten1 (15.449 Kommentare)
am 08.02.2015 11:57

und da dient es manchmal dann wirklich der enormen Gewinnvermehrung
sonder Kleine gehören gefördert.
Auch in anderen Bereichen ist es genauso.
Zum Beispiel stellt sich die Frage - soll man ziemlich große Schiprojekte finanzieren - OHNE für Kleinere, denen es schon ganz schlecht geht überhaupt nichts über zu haben.
Oder man denke an das Postamt bzw. Postpartnersterben - wo dann oft beträchtliche Eigenwege notwendig sind.

Nur Transparenz würde auch einen bessere und bedarfsgerechtere Förderpolitik möglich machen.

Man sieht ja auch bei Gemeinden meist nur einen Bruchteil dessen, was da so mit staatlicher Unterstützung ausgegeben wird - und meiner Erfahrung nach eben oft danach, wer da in den geheimen Ausschüssen sitzt.
Auch bei Straßenerhaltung und ERneuerung am Land wird Geld oft falsch eingesetzt, und dann bleiben wieder Einige über, die einfach Pech haben.
Wie bei der Verteilung der Ärztegehälter stimmt auch im Landwirtschaftlichen Förderwesen schon lange nichts mehr.

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mynachrichten1 (15.449 Kommentare)
am 04.02.2015 11:56

Ein Sklave auf dem eigenen Hof, Besitz, Firma, Gemeinden, Städten.

So gesehen hat es das freie Bauernleben auch in den letzten 35 Jahren nicht gegeben, damals haben viele noch investiert.

Aber die Zeiten sind unsicherer geworden, auch was den Zuerwerb betrifft.

Ich kenne halt jede Menge ziemlich abgehauste Kleinunternehmer und denen wurde auch unter der Bankenkrise das Messer hautnah angesetzt, während die Banken gerettet wurden.

Schon bemerkt, dass die Sparpartei ÖVP oder auch die Freiheitlichen, die diesen Slogan ja immer auch als Wahlwerbung gebraucht hat, nun ganz schön still ist, weil sie überall um nichts weniger Schulden angehäuft haben.

Auch viele ehemals vorzeigbare Groß Unternehmen, oder Jagdfreundkonklomerate pleite.

Für viele Bauern heute gibts nur eines, gute Qualität zu liefern und gegebenfalls selbst vermarkten.

Den großen Betrieben, Banken und auch nichtreifen EU Staaten schiebt man alles rein ,die Kleinen werden liquidiert wenn trotz Sklaven Arbeit nichts mehr..

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mynachrichten1 (15.449 Kommentare)
am 04.02.2015 11:59

öffentlichen Einrichtungen, dem Gesundheitssystem, den Straßenbauern und den Transportunternehmern oder Banken ist ja ganz einfach erklärt

auch wenn sie noch so schlecht wirtschaften, verwirtschaften und keinen nachhaltigen Weg gehen -

es kommen eben immer neue Steuern nach.

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