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Salzkammergut

200 Millionen Euro wurden vergraben, um die Welterberegion zu kanalisieren

Von Edmund Brandner   15. März 2012 00:04 Uhr

200 Millionen Euro wurden vergraben, um die Welterberegion zu kanalisieren
Die Erhaltung des Kanalnetzes wird weiter hohe Kosten verursachen.

BAD GOISERN. Als eine der ersten Regionen im Salzkammergut kann die Welterberegion am Fuß des Dachsteins den Ausbau ihres Kanalnetzes abschließen. Um die Wasserqualität des Hallstättersees sowie der Traun zu erhalten, wurden in den vergangenen 40 Jahren rund 200 Millionen Euro investiert.

Abgehakt ist das Thema Wasserentsorgung damit allerdings nicht. Hansjörg Schenner (36), Geschäftsführer des Reinhaltungsverbands Hallstättersee, sieht in den kommenden Jahren hohe Erhaltungskosten auf die vier Gemeinden Bad Goisern, Obertraun, Hallstatt und Gosau zukommen. „Wie das finanziert werden kann, ist völlig offen“, sagt er.

Dass das innere Salzkammergut ein Kanalnetz sowie eine Kläranlage braucht, wurde spätestens Anfang der Siebzigerjahre klar. Aufgrund von Waschmittelrückständen und anderen Chemikalien in den ungeklärten Abwässern war der Hallstättersee damals hoffnungslos überdüngt. Der biologische Kollaps des Sees war absehbar.

180 Liter Abwasser pro Sekunde

Nachdem einige Orte bereits mit der Errichtung eines Kanalnetzes begonnen hatten, gründeten die vier heutigen Welterbegemeinden 1974 einen Reinhaltungsverband (RHV). Fünf Jahre später ging die gemeinsame Kläranlage in Bad Goisern in Betrieb. Dort werden heute bis zu 180 Liter Abwasser pro Sekunde wiederaufbereitet. Im Vorjahr produzierten die rund 11.000 Einwohner am Fuß des Dachsteins 1,7 Millionen Kubikmeter Abwasser.

Der höchste Punkt des Kanalnetzes liegt auf der Krippenstein-Bergstation auf 2100 Meter Seehöhe. Den tiefsten Punkt bildet die Anzenaumühle am Goiserer Traunufer, wo sich auch die Kläranlage befindet. Um das Abwasser aus allen vier Gemeinden dorthin zu bringen, braucht es 56 Pumpstationen.

Klärschlamm wird verbrannt

In der Kläranlage sammeln sich jährlich rund 600 Tonnen Klärschlamm, der in der Reststoffverwertung Lenzing verbrannt wird. „Mir blutet dabei das Herz“, sagt RHV-Geschäftsführer Schenner. „Optimal wäre eine Kreislaufwirtschaft, bei der die Biomasse in der Region bleibt. Außerdem steckt wertvoller Phosphor im Schlamm, der einfach verbrannt wird.“

Doch viel größere Sorgen bereiten dem Goiserer die Erhaltungskosten des Kanalsystems am Fuß des Dachsteins. Dessen Errichtung wurde zu rund 55 Prozent von Bund und Land finanziert. Für die Erhaltung sind nun die geldknappen Gemeinden zuständig. Die durchschnittliche Lebensdauer von Kanalrohren beträgt 60 bis 70 Jahre. Es sind also laufend Erhaltungsmaßnahmen notwendig. „Normalerweise rechnet man mit Reinvestitionskosten von einem Prozent pro Jahr“, sagt Schenner. „Das wären bei uns zwei Millionen Euro. Wir schaffen finanziell aber nicht einmal die Hälfte. Den Verantwortlichen in vielen Gemeinden ist gar nicht bewusst, was da auf sie zukommt.“

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