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Oberösterreich

Linzer Bischof: "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen"

Von René Laglstorfer  14. Februar 2020 00:04 Uhr

Gabriele Eder-Cakl, Leiterin des Zukunftswegs, und Bischof Manfred Scheuer kritisierten das Papst-Schreiben.

LINZ/ROM. Manfred Scheuer und viele Kirchenvertreter üben deutliche Kritik an Papst Franziskus.

Keine Lockerung des Zölibats, keine Frauenweihe, dafür ein poetisches Plädoyer für den Umweltschutz und Indigene – das hat das Schreiben "Geliebtes Amazonien" von Papst Franziskus zur Amazonien-Synode gebracht und damit viele Hoffnungen auf eine Öffnung der Kirche enttäuscht – die OÖN berichteten ausführlich.

Mit einem Tag Abstand hat sich nun der Linzer Bischof Manfred Scheuer zum Papst-Schreiben geäußert und dabei das Kirchenoberhaupt ungewöhnlich deutlich kritisiert. Franziskus sei in seinem Schreiben "viel vager" geblieben als das Abschlussdokument der Amazonien-Synode. Darin hatten sich zwei Drittel der Kirchenvertreter, darunter viele Bischöfe, für bewährte, verheiratete Männer als Priester sowie für ein Nachdenken über die Weihe von Frauen zu Diakonen ausgesprochen.

"Das kann man als große Enttäuschung deuten, dass hier nichts konkret verändert wird. Ich würde es so deuten, dass der Papst zumindest keine Türen zugemacht hat", versuchte Scheuer dem Schreiben in diesem Punkt etwas Positives abzugewinnen. Das letzte Wort sei allerdings noch nicht gesprochen, gab sich der Linzer Bischof kämpferisch. "Es bleibt nicht alles beim Alten, es wird sich viel in der Kirche ändern", prophezeite Scheuer, der auch die "heftigen Auseinandersetzungen" im Vatikan rund um Ex-Papst Benedikt ansprach. Das Wort "Kirchenspaltung" wollte er auf Nachfrage jedoch nicht in den Mund nehmen, erzählte aber von "schlaflosen Nächten".

Video: OÖN-Redakteur Rene Laglstorfer im Talk.

III. Vatikanisches Konzil?

Noch deutlicher kritisierte Gabriele Eder-Cakl, die als Pastoralamtsdirektorin das "Bischöfliche Amt für Seelsorge" in der Diözese Linz leitet, Teile des Papst-Schreibens. "Mir sind die Tränen gekommen. Es ist so schmerzlich, wie der Papst argumentiert: Jesus war ein Mann, deswegen sind Priester Männer, und die Frauen sollen sich an Maria halten. Da bleibt mir ehrlich gesagt die Spucke weg", sagte Eder-Cakl, die auch dem Zukunftsweg der Diözese Linz vorsteht. Auch Bischof Scheuer hätte sich gewünscht, dass der Papst diese Passage "zurückhaltender" formuliert hätte, um "Widersprüche" zu vermeiden. Von "längst überholten, patriarchalen Denkmustern" des Papstes sprach Maria Hasibeder, Präsidentin der Katholischen Aktion OÖ.

"Wir Frauen haben wieder einmal vergeblich darauf gehofft, dass unsere Berufungen von der Amtskirche anerkannt und wir endlich als gleichwertige Mitglieder der Kirche behandelt werden", sagte Paula Wintereder, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ. Sie fürchtet, dass sich der Rückzug von Frauen aus dem kirchlichen Engagement nun noch rascher fortsetzen wird. Bernhard Steiner, Obmann der Katholischen Männerbewegung OÖ (KMB), sagte, die KMB werde sich dafür einsetzen, dass Frauen "selbstbestimmt und auf Augenhöhe mit den Männern" die Seelsorge gestalten können.

"Es heißt immer, wir sollen die Dinge noch reifen lassen – aber vor lauter Reifenlassen, scheint mir, werden wir schon ganz runzelig. Und wir verlieren die Geduld", sagte Eder-Cakl, die ein III. Vatikanisches Konzil vorschlug, zu dem aus jeder Diözese ein Mann und eine Frau entsandt werden, "damit nicht nur wieder Männer über die Weihe von Frauen diskutieren". Bischof Scheuer: "Manche Fragen in der Kirche werden nur durch ein Konzil zu lösen sein. Ich glaube, dass die Zeit kommt."

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René Laglstorfer

Redakteur Land und Leute

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