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"Wir bringen die Kunst mit Rädern auf die Straße"

LINZ. Das Kunstprojekt "Papergirl" erobert Linz – am 8. März wird in der Landeshauptstadt Kunst an Passanten verteilt.

"Wir bringen die Kunst mit Rädern auf die Straße"

Marie Luise Lehner (rechts) und ihre vier Kolleginnen von Papergirl Bild: Papergirl

Wer Kunst sehen will, muss nicht zwingend in eine Galerie oder ein Museum gehen. Zumindest nicht am 8. März in Linz. Denn am Weltfrauentag wird Kunst vom Fahrrad aus an Passanten verteilt. Wo genau, ist noch streng geheim. "Papergirl" nennt sich das Street-Art-Projekt, das von Berlin aus die ganze Welt erobert hat. Jetzt ist es auch in Linz angekommen. Marie Luise Lehner, eine der fünf Frauen, die hinter Papergirl Linz stecken, spricht im Interview mit den OÖNachrichten über das Projekt.

OÖNachrichten: Was genau ist Papergirl?

Marie Luise Lehner: Papergirl ist ein Kunstprojekt, das vor einigen Jahren in Berlin geboren wurde und das es mittlerweile auf der ganzen Welt gibt. Wir sammeln Drucke, Grafiken und Zeichnungen von jedem, der mitmachen will. Einzige Voraussetzung: Die Arbeit muss rollbar sein. In der Kunstuniversität am Hauptplatz wird das gesammelte Material ab 19. Februar für circa zwei Wochen ausgestellt. Am 8. März verteilen wir es dann mit unseren Fahrrädern an Passanten.

Warum mit dem Fahrrad?

Mit dem Fahrrad hat man nicht so lange Zeit, sich zu entscheiden, wem man die Rolle in die Hand drückt. Es passiert einfach, egal wie jemand aussieht.

Wo soll man sich am 8. März am besten positionieren, um eine Rolle zu ergattern?

Das ist noch streng geheim. Wir wollen nicht, dass uns jemand auflauert.

Warum verteilen Sie Kunst auf der Straße?

Wir wollen Kunst auch an Leute bringen, die nicht ins Museum gehen und nicht dafür zahlen wollen. So wie bei Street-Art. Unsere Stücke kann man auch nicht erwerben, selbst wenn man wollte.

Für kein Geld der Welt?

Nein, wir kaufen und verkaufen nichts.

Warum "Paper-girl" und nicht "boy" oder "people"?

Papergirl ist eine Anlehnung an den typisch amerikanischen Zeitungsjungen. Das Mädchen soll sichtbar gemacht werden. Wir sind aber nicht rein feministisch, sondern freuen uns über alle Arbeiten.

Die Idee stammt aus Berlin?

Genau. 2007 wurde dort Street-Art durch neue Gesetze eingeschränkt. Daraufhin hat man nach Alternativen gesucht. Aisha Ronniger, eine Kunststudentin aus Berlin, hat Papergirl dann geschaffen.

New York, Vancouver, Mexiko, Sydney... Wie ist Papergirl nach Linz gekommen?

Wir haben uns unabhängig voneinander in zwei Gruppen beworben und uns dann einfach zusammengetan. Einige haben vorher schon in anderen Städten bei Papergirl mitgemacht.

Von wo überall haben Sie Post bekommen?

Aus Argentinien, Irland, Slowenien, England, Freistadt... aus ganz vielen Städten. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich den Briefkasten öffne. Das ist, als würde man selbst Post bekommen. Die Briefe sind schön gestaltet, und oft stehen auch ein paar nette Zeilen dabei.

 

Das Projekt

Papergirl sammelt Zeichnungen, Grafiken und Drucke von jedem, der einsenden will, und stellt sie aus. Bis morgen kann man bei der Stadtwerkstatt noch Arbeiten einreichen.
Die Ausstellung wird am Mittwoch, 19. Februar, ab 19.30 Uhr mit Livemusik von Schapka eröffnet und dauert bis 8. März. Zu sehen ist sie in der Kunstuni am Hauptplatz 8. Eintritt ist frei. Info: www.papergirllinz.tumblr.com

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Artikel Sabrina Auböck 07. Februar 2014 - 00:04 Uhr
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