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Rieder Volkszeitung

Umstrittene Itzingerstraße: Benannt nach Autor mit NS-Vergangenheit

Von Von Roman Kloibhofer   27. Januar 2011 00:04 Uhr

Umstrittene Itzingerstraße: Benannt nach Autor mit NS-Vergangenheit
Die Vergangenheit Karl Itzingers führt zu Diskussionen um die nach ihm benannte Straße.

RIED. Die Forderung der KPÖ, Ried solle die nach Schriftsteller Karl Itzinger benannte Straße wegen dessen NS-Vergangenheit umbenennen, hat eine historische Debatte in Ried entfacht. Die Straße war erst 1980 benannt worden.

„Braune Flecken“ in Ried ortet die Kommunistische Partei (KPÖ). Die nach dem Schriftsteller Karl Itzinger benannte Straße zwischen Eberschwanger und Schatzdorfer Straße solle umbenannt werden, fordert KPÖ-Landessprecher Leo Furtlehner. Der Grund: Itzinger sei eindeutig „ein Propagandist des Nazi-Regimes“ und Mitglied der NSDAP gewesen. Zu unrecht sei er als „Heimatdichter“ verharmlost worden. Itzinger hatte den historischen Stoff, der Thema des „Frankenburger Würfelspiels“ ist, bearbeitet. Das Stück wird seit 1925 in Frankenburg aufgeführt.

Bezeichnung erst seit 1980

1980 hatte der Kulturausschuss der Stadtgemeinde Ried die Benennung des besagten Straßenstückes als „Itzingerstraße“ vorgeschlagen und am 12. Dezember 1980 nach Beschlüssen des Stadt- und Gemeinderates so benannt.

Die NS-Vergangenheit Karl Itzingers sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt gewesen, heißt es in einer gemeinsamen Aussendung aller vier Gemeinderatsfraktionen: „Dass es gegen Karl Itzinger schwerwiegende Vorwürfe wegen seiner NS-Vergangenheit gibt, hat die zeigeschichtliche Forschung erst in jüngerer Zeit ans Licht gebracht.“ Auch die Verordnungsprüfung des Landes habe keine Einwände ergeben. Dem gegenüber steht nach Ansicht der KPÖ die Tatsache, wonach Karl Itzinger bereits 1947 nach dem NS-Verbotsgesetz angezeigt worden sei. Auch ein Eintrag im österreichischen biografischen Lexikon (ÖBL) aus dem Jahr 1965 weist Karl Itzinger als „deutschnationalen Autor“ aus. Wie Bürgermeister Albert Ortig und die Vertreter der Rieder Gemeinderatsfraktionen zur Forderung nach einer Umbenennung stehen, geht aus der Aussendung nicht hervor, die Mitglieder des Kulturausschusses würden informiert.

Die Itzinger-Romane seien „typische Blut- und Boden-Literatur“, sagt Germanist Christian Schacherreiter: „Das rassisch überlegene Germanentum ist die Grundtendenz der Itzinger-Romane.“

„Sorglose Straßenbenennung“

Die Innviertler Plattform für Menschlichkeit und Toleranz (M.u.T.) glaubt, dass eine Umbenennung „schwierig“ sei, wie Sprecher Gottfried Gansinger sagt. „M.u.T. wird Information für die Bevölkerung und die Entscheidungsträger anbieten, um einen Diskussions- und Bewusstseinsbildungsprozess zu fördern. Es wäre erfreulich, wenn man bei den Bewohnern dieser Straße den Wunsch wecken könnte, die Straße umzubenennen“, so Gansinger. „Ob die Rieder Gemeinderäte bei dem Beschluss, eine Straße nach Karl Itzinger zu benennen, genau gewusst haben, wem sie diese Ehre und Auszeichnung verleihen, ist zu bezweifeln“, sagt Gottfried Gansinger über die seiner Ansicht nach „sorglose Straßenbenennung“ in der Vergangenheit.

Für die Rieder Grünen ist die Stadt damit aufgefordert, „sich mit den Schatten der Vergangenheit ehrlich auseinanderzusetzen.“ Diese Schatten beschränkten sich aber nicht nur auf die Itzingerstraße. Eines der Ergebnisse dieser Auseinandersetzung werde „wahrscheinlich auch eine Umbenennung sein“, heißt es in einer Aussendung der Grünen. Eine Straßen-Umbenennung dürfe den Bewohnern aber nicht einfach vorgesetzt werden.

Auch in Frankenburg gibt es einen „Itzingerweg“, auch dort fordert die KPÖ eine Umbenennung. Bürgermeister Franz Sieberer (SPÖ) sieht keine Notwendigkeit, den Anfang der 60er-Jahre nach Karl Itzinger benannten Weg umzubenennen.

 

Biographisches: Itzinger und die Propagandamaschinerie

In den „Schriftsteller-Biografien“ des „forum oö. geschichte“ heißt es zu Karl Itzinger: „Der Rieder Karl Itzinger gehörte seit Mai 1938 der SA an und stieg bis zum Obersturmbannführer auf. (...) Zur Einweihung des Bauernkriegdenkmals auf dem Haushamerfeld am 15. August 1925 verfasste Itzinger ein Festspiel des deutschvölkischen Turnvereins Frankenburg. Im August 1938 wurde das Stück mehrmals auf der neu geschaffenen Thingspielstätte Oberdonaus in Leitrachstätten bei Frankenburg geboten. Es war eine der größten kulturellen Veranstaltungen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Lande.“
Quelle: forum oö geschichte

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