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Ein Auto, das seine Welt verändert hat

Von Magdalena Lagetar, 01. Dezember 2022, 12:04 Uhr
Ein Auto, das seine Welt verändert hat
Franz Kinz kann mit seinem auf ihn und seine Bedürfnisse angepassten blauen Ford die Besorgungen für sich, seine Eltern und seine Pflegerin machen – und liebt das damit verbundene Freiheitsgefühl. Bild: mala

SANKT JOHANN/WALDE. Franz Kinz (55) sitzt im Rollstuhl und fährt Auto – Ein Leben lang haben sich seine Eltern um ihn gekümmert, jetzt kann er ihnen helfen.

Von außen sieht es aus, wie ein ganz normales Auto. Doch wenn Franz Kinz (55) auf den Knopf am Schüssel drückt, öffnet sich die Tür, das Auto senkt sich und eine Rampe fährt aus. Einsteigen bedeutet für den Saiga Hanser gleich mit dem Autositz in den Wagen zu rollen. Gelenkt wird mittels Joystick.

Autofahren – was für viele ganz und gar selbstverständlich ist, gehört für den Saiga Hanser erst seit zwei Jahren dank finanzieller Unterstützung des OÖN-Christkindls zum Alltag. Ein Alltag, der sich seit dem Auto verändert hat: Jetzt ist Franz Kinz derjenige, der die Besorgungen für sich, seine Eltern und eine Pflegerin tätigt. Und mit dem Auto alleine eine Welt entdecken kann, die seit der Diagnose Dermatomyositis – einer schweren rheumatischen Erkrankung – immer kleiner geworden ist. Franz sitzt im Rollstuhl, auch die Bewegung der Arme ist stark eingeschränkt. Ein Interview mit einem lebensfrohen Mann, der trotz schwerem Schicksal optimistisch geblieben ist.

Der OÖN-Christkindlbericht erschien vor drei Jahren:

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SANKT JOHANN AM WALDE. Innviertler sitzt seit vier Jahrzehnten im Rollstuhl, nun machte er den Auto-Führerschein

Als Sie das erste Mal im ersten eigenen Auto gefahren sind, sagten Sie, Sie fühlen sich jetzt richtig frei. Hält das Freiheitsgefühl denn noch an?

Total! Es ist so schön, vorher habe ich nur die Entfernung mit dem Elektrorollstuhl geschafft, maximal 15 Kilometer und sehr langsam. Jetzt ist mein Umkreis unbegrenzt und es ist warm im Auto. Kein Vergleich. Meine Hauptaufgabe ist jetzt das Einkaufenfahren, wir sind mit der Pflegerin vier Leute im Haus. Jetzt muss ich niemanden anderen fragen, wenn ich etwas brauche, ich steige ins Auto und besorge es selbst. Weite Strecken fahre ich nicht, das Weiteste bisher war nach Wels.

Bei Ihnen hat sozusagen ein Rollentausch stattgefunden: Vorher haben sich Ihre Eltern um Sie gekümmert, jetzt sind Sie derjenige, der einkaufen geht und sie zum Arzt bringt. Wie geht es Ihnen in dieser neuen Rolle?

Man lebt sich ein. Ich muss mehr organisieren, schauen, dass alles zuhause ist, was wir brauchen, nichts übersehen. Und für meine Eltern ist es eine große Hilfe. Wir müssten sonst in ein Heim gehen.

Ihre Krankheit haben Sie zwar in den Griff bekommen, sie hat aber viele Spuren hinterlassen. Wobei brauchen Sie Hilfe?

Essen kann ich alleine. Bei allem anderen brauche ich Hilfe.

Können Sie sich noch an die Anfangszeit nach der Diagnose erinnern?

Da war ich noch ein Kind, 13 Jahre alt. Bis die Diagnose feststand, hat es ewig gedauert. Erste Symptome waren Blasen im Mund, dann wurde ich so rot, als hätte ich einen Sonnenbrand – aber es war kurz vor Ostern. Ich war bei der Hausärztin, dann musste ich zum Hautarzt ins Krankenhaus nach Ried, dann nach Schärding, niemand hat herausgefunden, was ich hatte. Da hatte ich schon große Probleme, konnte kaum Treppen steigen. Irgendwann konnte ich meinen Pyjama nicht mehr ausziehen, da mussten sie mich herausschneiden, weil ich meine Arme nicht mehr heben konnte. Sie haben mich heim geschickt, ich solle in ein Universitätsklinikum gehen.

Wohin sind Sie dann gegangen?

Es war ein Ehepaar hier im Ort, das war in der Nähe von Innsbruck zuhause. Die beiden hat der Papa gut gekannt, die haben mich dann ins Uniklinikum Innsbruck gebracht. Ich wurde dann behandelt. Das Problem war, ich bin sehr alt gewesen damals mit 13. Die Standardbehandlung hat nicht mehr angeschlagen, dadurch musste ich noch höhere Dosen Kortison nehmen, das hat viele Nebenwirkungen. Ein halbes Jahr war ich dort.

Alleine?

Ja, da hatte ich schon wirklich sehr Heimweh. Ich war total verzweifelt damals. Davor war ich nie weg von zu Hause. Meine Mama war eine zeitlang da, bei dem Ehepaar konnte sie dann wohnen, die haben mich auch immer besucht.

Der elektrische Rollstuhl war ein erster Meilenstein, der Ihnen viel Freiheit zurückbrachte. Wie war das vorher?

1980 erhielt ich die Diagnose, 1985 hatte ich den ersten Elektrorollstuhl. Da bin ich wieder mobil gewesen, gehen konnte ich ein Jahr nach den ersten Symptomen nicht mehr. Lange Zeit hatte ich starke Schmerzen, durch das Kortison sind meine Knochen leichter gebrochen...und dann der elektrische Rollstuhl. Da war die Welt wieder schöner und größer für mich.

Trotz der Krankheit und der Schmerzen haben Sie nicht aufgegeben, wie haben Sie das geschafft?

Je schlechter ich es mir selbst psychisch machte, umso schlechter ist es für mich und für mein Umfeld. Das ist halt so, man muss sich einfach daran gewöhnen. Mit einer ‘Zwidawurzen’ mag doch auch keiner Kontakt haben! Es ist nicht jeder Tag schön, aber man muss das Positive sehen. So lange ich geistig eine Aufgabe habe, wie jetzt die ganze Organisation im Haus, geht es mir gut.

Haben Sie einen Ratschlag für Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind?

Sich nicht absondern, auf keinen Fall.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Möglichst lange zu Hause bleiben zu können, mir die 24-Stunden-Pflegerin leisten zu können – auch weiterhin. Leute wie ich, die im Kindesalter schon erkrankt sind und nicht arbeiten konnten, bekommen ja keine Pension, ich bekomme die erhöhte Kinderbeihilfe und das Pflegegeld. Und damit muss ich auskommen. Ein selbstständiges Leben könnten sich Leute wie ich nicht leisten, wenn die Eltern und ihre Pension nicht wären, so ist das in Fällen wie meinem. Wenn man sparsam ist, dann kommt man aber schon über die Runden. Ich möchte mich deshalb bei allen Lesern noch einmal bedanken, dass sie gespendet haben und ich mir das Auto leisten konnte. Das hilft uns wirklich!

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Autor
Magdalena Lagetar

Redaktion Innviertel

Magdalena Lagetar

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