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Oberösterreich

Uni Linz trauert um Kurt Rothschild

LINZ. Er galt als einer der größten österreichischen Wirtschaftswissenschafter und war Gründungsprofessor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Linzer Johannes Kepler-Universität. Kurt W. Rothschild ist im Alter von 96 Jahren verstorben.

Kurt Rothschild gestorben

Kurt W. Rothschild (1914 - 2010) Bild: Helga Allmer

Mit ihm verliert die Linzer Universität einen Wissenschafter mit nationalem und internationalem Renommee. Noch im Alter von 95 Jahren veröffentlichte Rothschild ein Buch mit dem Titel "Wie die Wirtschaft die Welt bewegt" und beschrieb darin die Wirtschaftstheorie der vergangenen 250 Jahre. In seiner Zeit als Professor für Volkswirtschaftslehre in Linz bildete er von 1966 bis 1985 Generationen von Studierenden aus. "Wir trauern um einen international hoch angesehenen und sehr verdienstvollen Kollegen, der der Vater unseres Institutes war, der es über Jahrzehnte geprägt und sehr viele von uns beeinflusst hat. Wir werden sein Andenken und wissenschaftliches Vermächtnis immer wahren", sagt Friedrich Schneider, Vorstand des Instituts für Volkswirtschaftslehre.

Seit 1998 findet an der JKU jährlich eine Kurt W. Rothschild-Vorlesung statt, an der namhafte Experten zu wirtschaftsrelevanten Themen Stellung nehmen. "Diese Vorlesung ist und bleibt ein Fixpunkt im Veranstaltungskalender der JKU. Wir werden ihm stets in Dankbarkeit verbunden bleiben", sagte JKU-Rektor Richard Hagelauer.

Emigriert und wieder zurückgekehrt

Kurt W. Rothschild wurde 1914 in Wien geboren und studierte an der Universität Wien Rechtswissenschaften. 1938 emigrierte Rothschild und studierte Nationalökonomie und Politische Philosophie an der Universität Glasgow. Von 1940 bis 1947 war er dort auch als Lektor und Assistenz-Lektor tätig. 1947 kehrte er in seine Heimat nach Wien zurück und war dort bis 1966 Wissenschaftlicher Referent am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung, bevor er von 1966 bis 1985 als Professor an der JKU Linz forschte und unterrichtete.

Rothschild erhielt Ehrendoktorate der Universitäten Aachen, Augsburg, Bremen und Leicester, außerdem wurden ihm zahlreiche Auszeichnungen wie das Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich, die Wissenschaftsmedaille der Stadt Linz und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse verliehen. Erst im heurigen Jahr wurde Kurt Rothschild mit dem Bruno-Kreisky-Preis ausgezeichnet.

Vor einem Jahr gab Rothschild den OÖNachrichten das letzte Interview:

OÖN: Sie haben die Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren miterlebt. Ist es zulässig, die aktuellen Probleme mit damals zu vergleichen?

Rothschild: Ja und nein. Es gibt dauernd Krisen. Aber nur zwei ganz große und globale – die der 1930er-Jahre und die jetzige. Die Länder waren damals aber unvergleichlich ärmer. Damals war die Krise ein existenzielles Problem. Man hat gehungert, die Kinder gingen ohne Schuhe in die Schule. Die Politiker und Notenbanken haben gelernt. Sie haben nicht den Fehler von damals gemacht, als der Staat mit Einsparungen die Krise verschärfte.

OÖN: Glauben Sie, dass diesmal auch die Finanzmanager lernfähig sind?

Rothschild: Für die Spekulanten sind Krisen wie Betriebsunfälle. Von den Blasen profitieren – das ist, was sie können und wollen. Das ist ein Problem. Die Erfahrung zeigt, dass, wenn sich die Lage beruhigt, auch viele Reformen nicht durchführbar sind.

OÖN: Sie haben auch Hyperinflation erlebt. Ist die Furcht der Menschen vor hoher Inflation derzeit berechtigt?

Rothschild: Die Sorge vor hoher Inflation ist generell berechtigt. Ich sehe aber keine unmittelbare Gefahr, weil die Geldmengen nicht in die Märkte der Realwirtschaft fließen. Die Banken bauen Eigenkapital auf. Die Unsicherheit ist derzeit groß, obwohl eine Deflation viel gefährlicher wäre. Bei starker Inflation ziehen aber leider die Löhne nie mit. Dann kommt es zu Einkommensverschiebungen. So war es auch in den 1920er-Jahren, als Leute über Nacht Millionäre wurden und andere verarmten.

OÖN: Sie sind einer der renommiertesten Ökonomen des Landes und haben als Universitätsprofessor viele Leute ausgebildet, beispielsweise Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny. Der Ruf der Ökonomen hat in der Krise aber gelitten.

Rothschild: Die Ökonomie hatte noch nie einen guten Ruf. Weil die Wirtschaftsforscher nie schöne Versprechen machen konnten. Es ist nicht wie in der Physik: Ein Stein fällt auf den Boden. Moderne Wirtschaft ist enorm komplex und dynamisch. Ökonomen sind aber in der Lage, Vorgänge besser zu durchschauen.

OÖN: Wie soll der Staat die enorme Verschuldung abbauen?

Rothschild: Das ist die 100-Millionen-Dollar-Frage. Ein Teil wird durch Inflation gemildert werden. Auch neue Belastungen werden kommen. Aber wir dürfen nicht vergessen, wir haben eine wachsende Wirtschaft. Die entwickelte Welt wird immer reicher und kann mit Problemen leichter fertig werden. Stellen Sie sich vor, wie schnell sich die Verhältnisse nach dem Zweiten Weltkrieg trotz Verwüstungen normalisiert haben.

OÖN: Wann sollen die Regierungen Ihre Konjunkturpakete zurückfahren?

Rothschild: Es ist sicher noch zu früh, da die Konjunktur auf sehr schwachen Beinen steht. Ob man nächstes Jahr damit anfangen soll, lässt sich jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen. Die Vielzahl unsicherer politischer und ökonomischer Einflüsse macht es unmöglich, verlässliche Prognosen über den weiteren Verlauf der Weltwirtschaft zu erstellen.

Das Interview führte Alexander Zens.

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Artikel nachrichten.at (stef) 22. November 2010 - 11:17 Uhr
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