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Oberösterreich

Stofftiere neben Tochter-Leiche „zur Wiedergutmachung“ der Bluttat

Stofftiere neben Tochter-Leiche „zur Wiedergutmachung“ der Bluttat

Ankläger will lebenslange Haft für Mord an Frau, Kind, Eltern und Schwiegervater. Bild: apa

Der wegen fünffachen Mordes an seinen Familienmitgliedern angeklagte Reinhard S. sei zwar nicht geisteskrank und daher zurechnungsfähig. „Er leidet aber an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung“, sagte die forensische Psychiaterin und Tatort-Psychologin Sigrun Rossmanith.

Er sei ein „spannungsgeladener Mensch, auch wenn es nach außen nicht so wirkt“. In ihm schlummere eine „tiefliegende Kränkung aus Jugendtagen“. Diese mache ihn verletzlicher als Durchschnittsmenschen. Gegenüber Problemen verfüge er über geringere Lösungsstrategien.

Laut Gerichtsmedizin soll der Angeklagte jedes seiner Opfer mit mindestens 13 Axthieben erschlagen haben. „Das ist weit mehr Gewalt, als für den Tod notwendig gewesen wäre. Das war ein Overkill, sehr bezeichnend für Beziehungstaten“, sagte Rossmanith.

Dass S. seine tote Ehefrau Barbara nach dem mutmaßlichen Mord mit einer Decke verhüllte, ist für die Psychiaterin, „wie ein nachträgliches Verhüllen der eigenen Tat“. Dass der Vater noch Plüschtiere neben die Leiche seiner siebenjährigen Tochter legte, bewertete Rossmanith so: „Das ist der Versuch, etwas Schlimmes wieder gut zu machen. Das zeugt von einer hohen emotionalen Bindung des Täters zum Opfer.“ Er habe seine Tochter geliebt

S. sagte, er habe sich „voll konzentrieren und alle Gefühle beiseite schieben müssen“, um überhaupt zuschlagen zu können. Grausiges Detail: Nachdem er seine Tochter erschlagen haben soll, soll er versucht haben, ihr mit einem Fuchsschwanz den Kopf abzusägen.

Der Angeklagte habe sich abseits des Familienlebens eine Nebenrealität geschaffen, sagte die Psychiaterin. „Etwa, wenn er mit Aktien spekulierte, das hat er als Thrill erlebt.“ Sein Leben sei geprägt von Misanthropie, der Eigenschaft, das Menschsein an sich zu verachten. Getötet habe er jene, die er liebte. Seinen Bruder und seine Schwester, die er aber verschonte, seien nicht Teil dieses Beziehungssystems gewesen. Das bestätigte auch S.: „Meine Geschwister stehen mir nicht so nahe, die Liebe zu ihnen ist nicht so groß.“ Er habe bei seinen Taten gar nicht an die Geschwister gedacht, sagte der PR-Berater.

Warum schrieb er dann im Ansfeldener Elternhaus nach den mutmaßlichen Morden an Vater und Mutter einen Brief an die Geschwister? Diesen Widerspruch vermochte das Gerichtsverfahren nicht aufzuklären. Zumal der Angeklagte mehrmals angebliche Unschärfen in der Anklageschrift kritisierte. „Meine Geschwister sollen wissen, wie es wirklich passiert ist.“ (staro)

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Artikel 07. November 2008 - 00:00 Uhr
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